Krötenrettung auch in Zeiten von Corona

Bund Naturschutz-Ortsgruppe Haldenwang/Börwang stellt viel auf die Bein

+
Bei den turnusmäßigen Neuwahlen wurden Hermann Hops (1. Vorsitzender, Mitte) und Markus Schäffeler (2. Vorsitzender, ganz links) in ihren Ämter bestätigt. Waltraud Kowanz (2.v.li.) legte ihr Amt als Kassier nach 16 Jahren auf eigenen Wunsch nieder. Neuer Kassier ist Tobias Braunegger (nicht im Bild). Das Gremium wird durch die beiden Beisitzerinnen Johanna Pohl (2.v.re.) und Renate Meggle (ganz re.) komplettiert.

Haldenwang – Haldenwang ist eine von nur sechs Gemeinden im Oberallgäu, in der es noch eine Ortsgruppe des Bund Naturschutz gibt.

Diese Tatsache ist dem unermüdlichen Engagement der aktiven Mitglieder zu verdanken. Zu ihnen gehören junge Familien ebenso wie Frauen und Männer, die seit Jahrzehnten dabei sind und sich trotz teilweise fortgeschrittenen Alters immer noch gerne in ihrem Heimatort für die Natur einsetzen. Gemeinsam bringen sie die Themen Artenschutz und Nachhaltigkeit auf ganz greifbare Weise ins Blickfeld der Mitbürger. Die alljährliche zentrale Aktion der Gruppe – die Amphibienrettung während der Krötenwanderung - wären fast der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen.

Bayernweit sammeln während der Krötenwanderung rund 6000 freiwillige Helfer bis zu 700.000 Frösche, Kröten und Molche entlang eigens aufgebauter Schutzzäune ein und tragen sie in Eimern über die Straße zu ihren Laichgewässern. In Haldenwang sind jedes Jahr mehr als 30 ehrenamtliche Helfer im Alter von sechs bis über 80 Jahre von März bis April im Einsatz, um möglichst viele der Tiere sicher zum Oyer Weiher und später wieder zurück in den angrenzenden Wald zu bringen. Am 20. März (einem Tag vor Beginn der Ausgangsbeschränkungen) erklärte das Landratsamt Oberallgäu auf Anfrage des Bund Naturschutz, die Helfer dürften ihre Wohnungen nicht zum Zweck des Krötensammelns verlassen, da dies nicht der Grundversorgung diene. 

Der Abbau der Schutzzäune stand bereits im Raum, als wenige Stunden später glücklicherweise die Kehrtwende folgte: Die Maßnahmen zum Amphibienschutz seien doch zulässig, allerdings ausschließlich alleine oder mit Angehörigen des eigenen Hausstandes und ohne jede sonstige Gruppenbildung. Somit konnte Abend für Abend eifrig weiter gerettet werden. Wie viele Tiere es heuer waren, ist noch nicht klar, da die Saison bisher noch nicht abgeschlossen ist. Im Jahr 2019 retteten die Helfer in 184 Arbeitsstunden 5501 Tiere. „Diese Zahl ist eine deutliche Steigerung zum Jahr 2018“, freute sich der 2. Vorsitzende Markus Schäffeler im Rahmen der Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Anfang März. „Wir hatten Jahre, in denen es nur rund 2000 Tiere waren.“ Heuer wolle man erstmals auch die Rückwanderung der Jungfrösche vom Weiher in den Wald beobachten und sich gegebenenfalls Hilfsmaßnahmen überlegen, um auch diese vor dem Überfahrenwerden zu bewahren. In seinem Jahresrückblick ließ Schäffeler auch die weiteren Aktivitäten der Ortsgruppe Revue passieren. 

So wurde eimerweise Grasfroschlaich aus dem Haldenwanger Naturschwimmbad gefischt und in den Oyer Weiher gebracht. Bürgerorientiert und praxisnah war der Workshop „naturnahe Gartengestaltung“, zu dem die zahlreichen Häuslebauer des Haldenwanger Baugebietes Stadelösch II eingeladen waren. Viele von ihnen nutzen diese Gelegenheit, gemeinsam mit der Naturgartenplanerin Ingrid Völker Gestaltungs- und Bepflanzungsideen für das eigene Grundstück zu entwickeln. Darüber hinaus sorgten zahlreiche Helferinnen und Helfer mit tatkräftiger Unterstützung von Bürgermeister Josef Wölfle in einer großen Pflanzaktion für die fachgerecht Aufwertung mehrerer gemeindlicher Ausgleichsflächen mit Hecken und artenreichen Blüh- und Streuobstwiesen. Auch der Biber war ein Thema. 

Die Haldenwanger Naturschützer beteiligten sich an der oberallgäuweiten Biberkartierung des Bund Naturschutz. Auf Grundlage der erhobenen Daten soll ein einvernehmliches Konzept von Landwirtschaft und Naturschutz entwickelt werden, das regelt, wo der Biber ein grundsätzliches Bleiberecht hat und wo eine Entnahme im Schadensfall möglich ist. 

Sabine Stodal

Auch interessant

Meistgelesen

Gewässerverunreinigung durch Heizöl an Göhlenbach und Rottach
Gewässerverunreinigung durch Heizöl an Göhlenbach und Rottach
Rechenschaftsbericht des ehemaligen Tourismusbeauftragten des Stadtrats Helmut Berchtold
Rechenschaftsbericht des ehemaligen Tourismusbeauftragten des Stadtrats Helmut Berchtold
Bei Ohrwerk sind die ViO Hörsysteme jetzt auch mit Akkutechnologie erhältlich
Bei Ohrwerk sind die ViO Hörsysteme jetzt auch mit Akkutechnologie erhältlich
Am Wochenmarkt verschärft sich das Müllproblem derzeit besonders
Am Wochenmarkt verschärft sich das Müllproblem derzeit besonders

Kommentare