"Was klein angefangen hat, ist richtig groß geworden"

Nachsorge für kleine Überlebenskünstler

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Am Ende der Jubiläumsfeier kommen die Mitarbeiter des Bunten Kreises Allgäu auf die Bühne des Stadttheaters.

Kempten – Wenn ein Kind mit einer schweren Krankheit oder viel zu früh geboren wird, ist dies für die Eltern eine große Herausforderung. Der Bunte Kreis Allgäu unterstützt und entlastet die betreffenden Familien durch zahlreiche Angebote.

Am Samstagabend feierte der Verein im nahezu vollen Stadttheater sein 15-jähriges Bestehen. 

„Was klein angefangen hat als Selbsthilfegruppe, ist richtig groß geworden“, sagte Rolf Müller, Vorsitzender des Bunten Kreises. Derzeit betreue der Verein jährlich über 100 Familien. „Als mein Sohn auf die Welt kam, war er richtig schwach und musste auf die Intensivstation.“ In dieser Situation habe er sich sehr hilflos gefühlt. Die Ärzte hätten dann glücklicherweise keine Erkrankung bei seinem Sohn feststellen können. „Aus dieser Erfahrung wuchs das Bedürfnis, anderen zu helfen“, erklärte Rolf Müller, der seit fünf Jahren Mitglied des Bunten Kreises ist.

Der Verein zur Familiennachsorge sei momentan deutschlandweit an über 80 Standorten vertreten. Die kleinen Patienten bezeichnete Rolf Müller als „Überlebenskünstler“.

Seit 2008 gibt es auch eine Fotoausstellung mit dem Titel „Über-Lebens-Künstler“. Die Bilder zeigen 17 Kinder und deren Familien, die der Bunte Kreis Allgäu betreut hat. Nun wurde diese Ausstellung erweitert. Sieben dieser Kinder sind auf aktuellen Fotos zu sehen mit Berichten über die vergangenen sieben Jahre.

„Es war schön zu sehen, wie sich die Kinder seit 2008 entwickelt haben. Die meisten haben sich Gott sei Dank gut entwickelt“, erzählte Gertie Müller-Hoorens, Vorstandsmitglied im Bunten Kreis. Für die Fotos suche man noch weitere Ausstellungsorte. „Das Parkhaus wäre vielleicht gut geeignet, Herr Bürgermeister Kiechle“, meinte Gertie Müller-Hoorens zum Kemptener Oberbürgermeister Thomas Kiechle.

Ihr Ehemann, Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller, kam als Schirmherr ebenfalls zu Wort: „Beim Bunten Kreis müllert es ein bisschen: Rolf Müller, Kinderarzt Dr. Herbert Müller im Klinikum Kempten, der Gerd Müller und die Gertie Müller.“ Katja Voigt, die die Veranstaltung moderierte, fragte den CSU-Politiker, wie die Situation für hilfsbedürftige Kinder in anderen Staaten aussehe. „Deutschland ist im Vergleich zu anderen Ländern, besonders jenen der Dritten Welt, eine Ausnahme, dass es kranke Kinder in diesem Maße unterstützt.“ In Syrien seien wegen des Kriegs 100.000 Babys auf Zeltplanen auf die Welt gekommen.

Lukas Holzinger, Schüler der Sing- und Musikschule Kempten, spielte ein Stück auf dem Marimbaphon. Als Belohnung bekam er Gutscheine für das Cambomare geschenkt.

„Ich habe beim letzten Mal den Entwicklungsminister Müller als Landwirtschaftsminister betitelt. Das liegt mir irgendwie näher“, scherzte OB Kiechle. Mit Hinblick auf das Logo des Bunten Kreises, das eine achtköpfige Menschengruppe darstellt, sagte er: „Niemand lebt für sich allein. Besonders in Krisensituationen ist man dankbar für die Unterstützung, ohne die man in solchen Situationen oft nicht weiter wüsste.“ Er bat die Beschäftigten des Vereins eindringlich, dass sie in ihrer „wertvollen Arbeit mit Ihrem Engagement nicht nachlassen“.

Danach konnten sich die Gäste den etwa fünfminütigen, neuen Film über den Allgäuer Bunten Kreis anschauen. Neben dem psychosozialen Bereich und der Pflegenachsorge bietet der Verein unter anderem die Palliativversorgung schwerstkranker Kinder sowie die seelsorgerische Betreuung für Eltern an, deren Söhne oder Töchter verstorben sind. Auch Koch- und Backkurse für Kinder mit Diabetes oder Zöliakie gehören zu den Leistungen.

Angela Bauer, die für die Öffentlichkeitsarbeit des Bunten Kreises zuständig ist, sprach über die Entstehung des Infor-mationsfilms: „Wir haben dafür zum Beispiel eine schwangere Frau beim Wegbringen des Mülls angequatscht.“ Filmema-cher Daniel Munding berichtete, dass während des Drehs eine familiäre Atmosphäre geherrscht habe.

Der Kinderchor der Sing- und Musikschule sang unter der Leitung von Monika Lichter-Resch in Froschkostümen „Lieder aus Quakitanien“ wie zum Beispiel „Grün, grün, grün ist meine liebste Farbe“. Nach der Pause ging es mit Kultur weiter. Michael Miensopust führte das Einmanntheaterstück „Das Nashorn Norbert Nackendick“ von Michael Ende auf. Dabei war er Erzähler, Hauptdarsteller und sämtliche Nebenfiguren in einer Person. Er ahmte die Bewegungen und Laute verschiedener Wüstentiere nach, so dass sich manches Kind vor Lachen krümmte.

Am Ende gab es einen kleinen Ausblick auf Weihnachten. Marvin Voigt, Schüler der Sing- und Musikschule Kempten, interpretierte auf dem Flügel einen Blues, indem die Melodie von „Rudolph The Red Nosed Reindeer“ auftauchte. Zum Abschluss des fast dreistündigen Abends eröffneten Robert Müller, Dr. Gerd Müller, seine Frau Gertie Müller-Hoorens, OB Thomas Kiechle sowie die Mitar-beiter des Bunten Kreises Allgäu offiziell die Ausstellung „Über-Lebens-Künstler“.

Franziska Kampfrath

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