Mit Verantwortung führen

Business und Gottvertrauen –Für diese Unternehmer kein Widerspruch

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Einen Abend zum Thema „Mit Verantwortung führen“ veranstaltete die „Initiative Gebet Allgäu“ vergangene Woche: (v.l.) Wolfgang Groos, Gründer und Geschäftsführer von humedica e.V., der 1280 Euro aus der Spontansammlung während der Veranstaltung für seine Hilfsorganisation in Empfang nehmen konnte; Martin Langenmaier, Geschäftsführer Sozialbau Immenstadt und stellv. Geschäftsführer der Sozialbau Kempten; Pastor Stefan Vatter; Annette Pickert, Geschäftsführerin der Staehlin GmbH Dietmar Wolz, Fachapotheker für Allgemeinpharmazie und Unternehmer; Dr. med. Franz Heigl vom Hausherr MVZ Kempten.

Kempten – „Wir leben aktuell mitten in einer Kulturrevolution, die Gesellschaft ändert sich unglaublich, was in zehn Jahren ist, weiß kein Mensch heute genau.“ Veränderungen finden in allen möglichen gesellschaftlichen Bereichen, bis hinein in die Familie statt. Deshalb sei die Frage: „Welcher Wert ist wertvoll, existenziell und zentral?“, so Pastor Stefan Vatter. Im Veranstaltungsraum des MVZ Kempten sprachen vor 90 geladenen Gästen Annette Pickert (Staehlin GmbH), Wolfgang Groos (humedica), Martin Langenmaier (Sozialbau) und Dietmar Wolz (Fachapotheker, Unternehmer) zum Thema: „Mit Verantwortung führen“.

Alle Referenten stehen an der Spitze renommierter Unternehmen in der Region. Dazu geladen hatte die Initiative Gebet Allgäu (IGA), eine überkonfessionelle, parteiübergreifende Vereinigung, welche 2005 aus einem Impuls heraus gegründet wurde. „Weil uns wichtig war, über relevante Themen der Gesellschaft zu sprechen und diese zu Gott bringen“, wie Stefan Vatter, Vorstandsvorsitzender der IGA, eingangs präzisierte.

So unterschiedlich die Unternehmen waren, für die die Rednerin und die Redner das Wort ergriffen, so einte sie dennoch Eines: ihr christliches Fundament, auf welchem ihre Geschäftsführung aufbaut. Insbesondere bei der Personalverantwortung klang vieles ähnlich. Den wertschätzenden Umgang mit den Mitarbeitern und die Qualität des Arbeitsplatzes haben sie sich auf die Fahne geschrieben. Auch die These von Annette Pickert: „Wer kann und nicht will, der hat‘s bei uns sehr schwer und wer will und sich schwertut es zu können, der bekommt Unterstützung“, war Konsens. „Jesus war ein sehr guter Anführer, seine zwölf Jünger waren ein ziemlich bunter Haufen“, war sich Langenmaier sicher, das Prinzip, jeden so zu behandeln, wie er selbst behandelt werden möchte, versucht nicht nur er als Vorgesetzter umzusetzen. Berechenbarkeit und Gerechtigkeit, von Dietmar Wolz angesprochen, sind hohe Werte, die generell von den Führungskräften angestrebt werden. Das Feedback der Mitarbeiter, ebenfalls von Dietmar Wolz ins Gespräch gebracht, ist in allen Firmen Teil der Personalführung.

„Wir sind nicht nur verantwortlich, für das was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun“, mit diesem Molière-Zitat beschreibt Martin Langenmaier, Geschäftsführer der Sozialbau Immenstadt und Stellvertreter beim Wohnungsunternehmen in Kempten, wie er „Verantwortung übernehmen“ definiert. Verantwortung tragen, das fühle sich nicht immer „kuschlig“ an, aber es sei für ihn motivierend dranzubleiben, wenn er feststelle, er könne damit Gutes tun. Ganz klar zieht Langenmaier eine Trennungslinie zwischen dem Leben nach humanistischen Werten und christlichen Maßstäben. Letzteres sei noch einmal eine andere Dimension. 

Seine Wertebasis beziehe er aus seinem christlichen Glauben und aus der Gemeinschaft mit anderen Christen. „Wir sind kein christliches Unternehmen, aber wir dürfen als christliche Unternehmer wahrgenommen werden“, präzisierte er. Das Maß aller Dinge für ihn sei die Bibel, deren Wahrheitsgehalt für ihn unstrittig ist. Entsprechende Belege lassen sich ‚leicht, super gut aufbereitet, googeln‘, empfahl er Zweiflern. Seinen christlichen Wertekompass untermauern außerdem die vom Bund Katholischer Unternehmer erarbeiteten „Zehn Gebote für Unternehmer“.

Vieles, was das Thema des Abends zum Inhalt hatte, ist auch Annette Pickert, Inhaberin und Geschäftsführerin des Kemptener Traditionshauses Staehlin, das in unterschiedlichen Bereichen agiert, ebenfalls geläufig. Sie stehe nicht nur dem Unternehmen gegenüber in Verantwortung, sondern fühle sich auch der Familie verpflichtet, betonte sie. Als Firmenchefin gelte es, Entscheidungen zu treffen, die Härte erfordern, die im Naturell zunächst nicht angelegt sei. Man müsse, Weiterentwicklungen suchen; zwei, drei falsche Entscheidungen könnten das Ende einer Firma bedeuten, beschreibt sie diesen schwierigen Spagat. 

Auch die Mitarbeiterqualifikation spiele mit hinein. Pickert führt die Firma mittlerweile im Team mit den beiden Söhnen. Christliche Wertevermittlung widerfuhr ihr von jeher ganz selbstverständlich in ihrer Erziehung und setzt sich nun in ihrer Familie fort. Erst bei der Vorbereitung auf den Abend fiel ihr dies so explizit auf. „Wir denken in langfristigen Entwicklungen und sind bereit, Verantwortung für unsere persönlichen Entscheidungen zu treffen“ bezog sie ihre Familie mit ein. Dies gelte in jeder Hinsicht und betreffe den privaten wie auch den geschäftlichen Teil.

Das Unternehmen von Dietmar Wolz, Fachapotheker für Allgemeinpharmazie, entwickelte sich aus der Apotheke, die er 1985 übernommen hat. Sein Unternehmen hat zwischenzeitlich weitere Aktivitäten auf den Weg gebracht und ist immer auf Talentsuche, weil es sich bei seiner Apotheke um eine Manufaktur handle. Mittlerweile hat er mit seinen Unternehmungen eine Personalstärke erreicht, die eine Umstrukturierung erforderlich machte. Bei der Suche danach stieß er auf das „Hirtenprinzip“, das sieben erfolgreiche Konzepte für Menschenführung empfiehlt, beschrieben von Kevin Leman und William Pentak. Wolz kommt aus einer stark christlich geprägten Familie. 

Sein Vater, Krankenpfleger und Diakon, vermittelte ihm Werte wie Achtsamkeit gegenüber seinen Mitmenschen und sich selbst, ebenso wie Demut und Disziplin. Nichts sei selbstverständlich. Die Frage: „Leben wir auch wirklich das, was wir vorhaben?“, komme bei ihm immer wieder auf. Wichtig ist ihm der ehrliche Umgang mit Kunden, Kontakte wolle er auf Augenhöhe halten, beratend und in großer Ehrlichkeit eine Empfehlung abgeben, ohne „rumzueiern“. Annette Pickert brachte vorher noch einen weiteren Aspekt vor: Für sie gehöre der faire Umgang mit Lieferanten ebenfalls dazu.

„Ich versuche ein sinnvolles Leben zu führen, bin aber bei weitem nicht perfekt“, so Wolfgang Groos, Gründer und Geschäftsführer von humedica e.V., Kaufbeuren. Das wichtigste sei für ihn das Gebet. Jeden Morgen versammle er sich mit seinen Mitarbeitern, um für die Einsatzkräfte, für Spender und für die Weisheit zu beten richtige Entscheidungen zu treffen. Sein interessantes, von christlichen Werten geleitetes Leben zeichnete Gott bereits früh vor. 

Schon während seiner Schulzeit kam er mit dem Roten Kreuz in Kontakt und erkannte, dass er Menschen helfen und dienen möchte. Mit Versen aus dem Buch der Bücher stellte er nicht nur seine Bibelfestigkeit unter Beweis, sondern machte auch klar, welche Werte für ihn zählen. Zum Beispiel, als der die Stelle über König Salomon, die die ganze Weisheit von Gott zeigt, zitierte. Auch die Präambel zum Grundgesetz, wonach alle Menschen gleich sind, spiegeln seine Einstellung wider.

„Wie halten Sie es mit der Work-Life-Balance, hilft Ihnen das kraftvoll weiter?“, wollte Vatter von den Referenten wissen. Der Rückzug in die Familie sei ein probates Mittel, war hier zu hören. Annette Pickert kompensiert den Druck auch mit Kurzurlauben. Wolfgang Groos schätzt sehr, dass er in seiner Position sich den Urlaub selbst genehmigen kann und findet Ausgleich durch sein Engagement bei den Pfadfindern. Martin Langenmaier geht in die Natur oder besucht einen Gottesdienst. Dietmar Wolz sieht es als ein Privileg an, dass er als Unternehmer in keiner Taktung steht und den Tag spontan planen kann.

Hildegard Ulsperger

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