Jugendliche erleben eine "Liebesgeschichte" mit Mehrwert

Aufklärung, die ankommt 

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Zwei Kleingruppen durften die Geheimnisse in den „Aufklärungs“-Boxen lüften. Im Vordergrund (v.l.) SJR-Vorsitzender Stefan Keppeler und Marion Haugg, Leiterin des Amts für Kindertagesstätten, Schulen und Sport, verdeckt dahinter die Jugendbaeauftragte des Stadtrats Regina Liebhaber, angeleitet von Felix Orth von „Room of Secrets“.

Kempten – „Rollenfindung, Selbstdarstellung und Liebe“ hat sich die Präventionskampagne „leben statt schweben“ in diesem Jahr auf die Fahnen geschrieben – und sich etwas Besonderes einfallen lassen.

Die Idee zu der innovativen Methode sexueller Aufklärung für Jugendliche ab der 8. Jahrgangsstufe („prädestiniert sind die 9. Klassen“, wie die Erfinderin sagt) hatte Sabine Fixmer vom Stadtjugendring (SJR). Für die Entwicklung hat sie sich kompetente Kooperationspartner ins Boot geholt, in einer eher ungewöhnlichen Kombination.

Die Kooperation mit Profamilia Kempten ist noch naheliegend; die mit dem Kemptener „Room of Secrets“, der für sogenanntes „Escape-Gaming“ steht, wohl weniger. Sicher ist bereits, „das Interesse ist riesengroß“, wie Bürgermeister Josef Mayr bei der öffentlichen Vorstellung wusste. Seit Start des Projektangebots am 13. November haben bereits über 200 Schüler daran teilgenommen. „Am Ende werden wir in 14 Workshops über 300 Jugendliche erreicht haben“, ergänzte Fixmer, die zusammen mit Felix Orth vom „Room of Secrets“, sowie Ellen Schmidt und Andrea Döber, beide Profamilia, die Entstehung des Projekts „Geheimnis – Ich – Du – Wir“ erläuterte. SJR-Vorsitzender Stefan Keppeler betonte, dass es darum gehe, die Jugendlichen zu „befähigen“, „es geht um Kompetenzerwerb, nicht um Verbote“.

Grundsätzlich geht es dabei um Gruppen, die gemeinsam in einem Spielraum innerhalb 60 Minuten eine Mission zu erfüllen, beziehungsweise eine Aufgabe zu lösen haben. Die Herausforderung für Orth war dabei, dass „die ganze Geschichte mobil sein musste“, weil die Workshops nicht in seinen, sondern in den Räumen des SJR durchgeführt werden sollten. Die circa 30 Teilnehmer pro Gruppe wurden in Kleinstgruppen gesplittet, die sich dann mit speziell entwickelten „Geheimnis“-Boxen – es gibt mädchen- und jungenspezifische, die aber unabhängig vom Geschlecht eingesetzt werden können – befassen dürfen. Darin sind nacheinander Aufgaben zu verschiedenen Themenfeldern zu lösen: 1. Selbstinszenierung; wie möchte ich sein; 2. Rollenstereotypen der Geschlechter, die in der Gesellschaft zum Teil noch immer stark verankert sind; 3. Gesundheitsprävention durch Verhütung oder auch Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten; 4. schließlich zum Umgang mit Problemen in der Partnerschaft, denn auch das will gelernt sein. Abschluss des Workshops bildet ein Besuch bei Profamilia, denn ein wichtiger Baustein ist das unkomplizierte Kennenlernen der Einrichtung, sowie eine Abschlussreflexion mit den Jugendlichen.

Fixmer freute sich über die außerordentlich gute Resonanz auch von Lehrern wie Jugendlichen aller Schularten und erzählte von der „hohen Identifikation“ der Teilnehmer mit den beiden Protagonisten des „Escape-Gaming“: die 15-jährige Realschülerin Lena, die ihren Mitschüler Murat „süß“ findet, der zunächst aber noch keine Notiz von ihr nimmt... Da wundert es kaum, dass es „eingeschlagen ist wie eine Bombe“ und Alina Alltag von der Kommunalen Jugendarbeit von begeisterten Gesichtern nach dem Workshop berichtete.

Da bei der Entwicklung auch an Nachhaltigkeit gedacht wurde, ist es mit Abschluss der Workshops im SJR nicht getan. Die Boxen stehen für den Einsatz sowohl an Schulen als auch außerschulischen Organisationen in Kempten sowie dem Umland bereit. Dafür gibt es laut Keppeler bereits reichlich Anfragen. SJR-Geschäftsführer Alexander Haag betonte ausdrücklich, dass es aber nicht reiche, einfach das „Tool“ einzusetzen, sondern dass man sich „dafür schulen lassen muss“, um mit den Jugendlichen am Ende auch über das Erlebte diskutieren zu können.

Christine Tröger

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