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Kunst stärkt bilaterale Beziehungen

Ausstellung "Homeland" bringt chinesische Kunst ins Allgäu

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Im Film „Ten Years“ von Yuan Xiafang ist der Bildschirm zweigeteilt. Links ist die Stadt im Jahre 2004 zu sehen, rechts der identische Standort eine Dekade später. Der Künstler verweist damit auf die unausgewogene Stadtentwicklung, bedingt durch das Wachstumsstreben unserer Spezies.

Kempten – Die kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Hintergründe zwischen Deutschland und China unterscheiden sich auf vielfältige Weise.

Ein gegenseitiger Austausch zum besseren Verständnis des „Fremden“ ist dennoch möglich. Dass die Kunst hierbei als sinnvoller Informationsträger dienen kann, zeigte sich bereits bei der Eröffnungsveranstaltung der Ausstellung „Homeland – chinesische Videokunst“ vergangene Woche in der Kemptener Kunsthalle. Zu Gast war der chinesische Co-Kurator und renommierte Videokunstexperte Professor Zhenging Gu, der dem städtischen Kulturamt im Rahmen der Kunstausstellung Videokunstwerke zum Thema „Heimat“ zur Verfügung stellt. Die Gäste erwartete dabei ein abwechslungsreiches Programm aus chinesischer Live-Musik, fernöstlichem Tanz und kulinarischen Speisen. „Der Begriff Heimat ist schwer greifbar, denn jeder verbindet etwas anderes damit“, eröffnete Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle die Vernissage und bezeichnete die Videokunst als experimentelle Kunstform, die ein poetisches Zusammenspiel zwischen Bild und Ton ermöglicht und dadurch den Facettenreichtum von Heimat aufzuzeigen vermag. 

„Durch die internationale Kooperation bei einer länderübergreifenden Ausstellung präsentiert sich Kempten am Puls der Zeit. Die traditionsreiche Stadt ist bereit, moderne urbane Ideen aufzugreifen“, so Kiechle weiter. Im Anschluss ergriff Kulturamtsleiter Martin Fink, ebenfalls Kurator der Ausstellung, das Wort und ging dabei auf die Ursprünge der Kooperation ein. Einige der Filme wurden bereits bei der KunstNachtKempten 2017 gezeigt, die den Grundstein der Zusammenarbeit legte. Für die Videokunst habe man sich deshalb entschieden, weil diese einerseits als digitales Medium leicht zu transportieren und andererseits die Kunstform in Kempten unterrepräsentiert sei, erklärte Fink. Das letzte Wort erhielt der chinesische Kunstexperte, der die Gäste einleitend mit den deutschen Worten „Guten Abend“ zum Schmunzeln brachte. Im weiteren Verlauf seiner Ansprache wurde Zhenging Gu durchaus ernst. Er ging auf die für ihn unzureichende Begriffsbedeutung von „Homeland“ ein, weshalb er bevorzugt das deutsche Wort „Heimat“ sowie die chinesische Bezeichnung nutze, da diese mehr Tiefgang hätten. Der Kunstexperte glaube an die traditionelle Idee vieler chinesischer Philosophen, laut derer Mensch und Natur zusammengehörten. 

„Diese Schöpfung, unsere Erde, ist derzeit durch den Menschen gefährdet, weil wir sie nicht gut behandeln“, mahnte der Professor an und forderte dazu auf, Regeln, die auf dem Weg in eine moderne Gesellschaft verloren gegangen zu sein scheinen, wieder neu zu definieren, um eine Balance zwischen Mensch und Natur herzustellen. Diese ursprüngliche Idee von Heimat haben die Videokünstler versucht in ihren Werken wiederzufinden. Abschließend bat er die Gäste der Kunstausstellung darum, sich auf die kontroversen Themen der Videos einzulassen und die eigene Definition von Heimat zu hinterfragen. Die insgesamt 16 Videokunstwerke mit einer Länge zwischen zwei und 58 Minuten transportieren Inhalte auf eine Weise, die für Personen aus westlichen Kulturkreisen partiell sehr abstrakt bis verstörend sein können. Dies ist auf den kulturellen Kontext Chinas zurückzuführen, den der Betrachter beim Zuschauen berücksichtigen sollte. 

So beschäftigt sich das Video „Paper War“ mit einer neuen militärischen Kriegsführung im virtuellen Raum, in „Ten Years“ macht der Künstler durch das Darstellen einer ungleichen Stadtentwicklung zwischen 2004 und 2014 auf das problematische Wachstumsstreben des Menschen aufmerksam, im Film „Monkeys & Peaches“ wird das Sozialverhalten von Affen mittels Experimenten untersucht, wobei der Affe als Metapher für den Menschen und seine willkürlichen Moralvorstellungen steht. In den Videoproduktionen werden viele weitere tagesaktuelle Themen aufgegriffen, darunter der Verlust von Freiheit, die drohende Gefahr durch Internetsucht sowie die Gegensätze von Kindheit und Altern. Die Künstler laden den Zuschauer dabei oftmals bewusst zu eigenen Interpretationen des Gesehenen ein. Die Kunstausstellung wird durch zehn Werke der Malerei aus Öl-, Acryl- und Mischtechniken auf Leinwand abgerundet, die ebenfalls das Thema Heimat aufgreifen und von den namhaften Künstlern Zijun Chen, Zuchang Guo und Ke Liu stammen. Diese unterstützen Zhenging Gu zudem in Deutschland mit Fachvorträgen und Diskussionen, da die Ausstellung nach dem Auftakt in Kempten in weiteren Städten, darunter München, Hamburg und Hannover, zu sehen sein wird. 

In Kempten macht das 2014 gestartete und auf zehn Jahre angelegte Projekt noch bis zum 03. März Station und kann zu den Öffnungszeiten der Kunsthalle (Do u. Fr: 14-18 Uhr, Sa u. So: 12-18 Uhr) unentgeltlich besucht werden. Vermutlich wird dies nicht die letzte Zusammenarbeit zwischen dem Kulturamt und Zhenging Gu gewesen sein, denn der Videokunstexperte kündigte bereits an, dass er sich eine gemeinsame Ausstellung im zweijährigen Turnus gut vorstellen könne.

Dominik Baum

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