Agro-Gentechnik ist eine "dumme Technologie"

"Europa hat etwas zu verteidigen"

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Dr. Christoph Then im Pfarrzentrum St. Lorenz.

Am Schluss seines Vortrags formuliert es der Referent ganz einfach und unverblümt: „Agro-Gentechnik ist eine dumme Technologie“. Dies dem Publikum von etwa 40 Personen im Pfarrsaal von St. Lorenz zu beweisen fällt Dr. Christoph Then nicht schwer.

Als Tierarzt, ehemaliger Greenpeace-Aktivist und Geschäftsführer des Testbiotech-Instituts zur unabhängigen Folgenabschätzung in der Biotechnologie ist er bestens informiert und seit Jahren auch politisch engagiert für eine Landwirtschaft ohne Gentechnik. 

Der gemeinnützigen Interessengemeinschaft FÜR gesunde Lebensmittel unter Leitung des Lebensmittelkaufmanns Georg Sedlmaier war es wichtig, die Meinung dieses von der Agro-Industrie gänzlich unbeeinflussten Experten zu hören. Weil auch die Prüfinstanzen der EU und des Europäischen Patentamts dazu neigen würden, den Einflüsterungen der Genlobby zu erliegen, müsse die Entscheidungskompetenz der Gesellschaft gestärkt werden. Große Firmen, wie das Imperium des US-amerikanischen Saatgutproduzenten Monsanto, die viel Geld investiert haben, um Patente zu erwerben und die Kontrolle über die Saatgutmärkte zu erhalten, folgen der Logik von Gewinnmaximierung und sind an einer ehrlichen Risikoprüfung nicht interessiert. „Es wird geprüft, wie es die Industrie für richtig hält“, so Christoph Then. Die Auswirkungen gentechnisch veränderter Lebensmittel auf die Gesundheit von Mensch und Tier sind bislang völlig unzulänglich erforscht. Die negativen Folgen für die Umwelt seien allerdings nicht zu übersehen. So habe beispielsweise gentechnisch veränderter Raps in den USA den Sprung vom Acker in die Umwelt geschafft. Diese Entwicklung sei nicht mehr rückgängig zu machen und deshalb beängstigend. 

Fatale Spirale 

Der Anbau von insektengiftproduzierenden und herbizidtoleranten Pflanzen, meist handelt es sich um Mais, Soja, Raps und Baumwolle, führt dazu, dass Unkrautarten Resistenzen entwickeln und dann wiederum mit einem erhöhten Einsatz giftiger Spritzmittel bekämpft werden: ein „Wettrüsten“ auf dem Acker und eine fatale Spirale. Der Verlust der Artenvielfalt sei nur eine von zahlreichen negativen Auswirkungen der Gentechnik-Industrie. Die Landwirtschaft gerate zunehmend in Abhängigkeit von den Saatgutmonopolisten und unsere Lebensmittel enthalten zunehmend Rückstände von Pestiziden. 

Im Hinblick auf das geplante TTIP-Freihandelsabkommen mit den USA warnt Christoph Then: „Europa hat etwas zu verteidigen“, nämlich gentechnikfreie Lebensmittel. Angesichts der überwältigenden Negativbilanz der Agro-Gentechnik fällt es ihm schwer zu sagen, wo ihre Chancen liegen. Eine seiner Forderungen für die künftige Entwicklung lautet deshalb, die ethischen Grenzen für die Patentierung von Pflanzen und Tieren neu zu diskutieren. Zwar ist, wie Georg Sedlmaier es recht eingängig formuliert „jeder Einkauf eine Stimmabgabe“, bewusster Konsum kann jedoch nur dann seine segensreiche Wirkung entfalten, wenn die politischen Rahmenbedingungen geändert werden. Die IG FÜR setzt sich seit 18 Jahren dafür ein. 

Den Versprechungen einer „dummen Technologie“ werden die Anwesenden nach diesem aufrüttelnden Vortrag wohl nicht mehr erliegen. Elisabeth Brock

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