Mozart und mehr

Classix-Abend mit dem Schauspieler Klaus Maria Brandauer und dem Pianisten Sebastian Knauer

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Die Klaviertöne von Sebastian Knauer und das Spiel von Klaus Maria Brandauer, der Briefe von Wolfgang Amadeus Mozart las, versetzte die Zuhörer in Mozarts Welt, so dass sie sich fühlten, als seien sie selbst dabei gewesen.

Kempten – Zum Schluss als Zugabe die zwölfte Variation aus „Ah, vous dirai-je, Maman“ und ein nicht enden wollender Brief mit tausend Schafen, die über eine schmale Brücke müssen.

Die literarisch-musikalische Mozart-Reise mit Klaus Maria Brandauer und Sebastian Knauer ist vorbei, obwohl man beiden noch stundenlang hätte zuhören mögen. Klaus Maria Brandauer, einer der bedeutendsten Schauspieler im deutschen Sprachraum, der sogar im Hollywood-Kino seine Spuren hinterlassen hat, im Kemptener Stadttheater? 

Das diesjährige Classix-Festival unter dem künstlerischen Leiter Benjamin Schmid beweist seinen Anspruch, nur Hochkaräter auf die Bühne zu holen. Denn dass Brandauer ein mit allen Wassern gewaschenes Schauspiel-Genie ist, beweist er bereist mit dem ersten Satz seiner Lesung von Mozart-Briefen. Eine besondere Aura im Theatersaal entsteht sofort nach den ersten Mozarttönen auf dem Klavier, die Sebastian Knauer, der Hamburger Weltklassepianist und Mozartspezialist, vor dem großen leuchtend-dunkelblauen Vorhang im Bühnenhintergrund in den Raum wirft. 

Er wird den Abend über einzelne Sätze aus diversen Klaviersonaten und anderen Stücken von Mozart spielen und so zum Stimmungsbild aus der Welt des jungen Mozart beitragen, wie es durch seine Briefe heraufbeschworen wird. Daneben sitzt Klaus Maria Brandauer an einem Tisch und beginnt zu lesen, wenn der letzte Klavierton verklungen ist. Lesen ist allerdings zu ungenau ausgedrückt, denn Brandauers Mimik, seine Gestik und vor allem seine warme und facettenreiche Stimme illustrieren und spielen die Briefe, so dass der Briefeschreiber selbst lebendig wird und man beim Zuhören oft nicht mehr weiß, ob man sich im Kino, im Theater oder im Konzertsaal befindet. 

Der 75-jährige Brandauer hat Erfahrung mit seinem Landsmann Mozart, denn Lesungen mit dessen Briefen macht er schon sehr lange, auch eine CD hat er damit aufgenommen. Und nicht zu vergessen, seine Rolle an der Seite von Meryl Streep und Robert Redford im weltweit erfolgreichen Hollywoodfilm „Jenseits von Afrika“ aus dem Jahr 1985: Auch hier spielt Musik von Mozart, genauer gesagt der zweite Satz aus dem Klarinettenkonzert, die musikalische Hauptrolle. Und wenn wir schon beim Kino sind, Sebastian Knauer sieht an diesem Abend aus wie eine Mischung aus Jeff Bridges in den „Fabulous Baker Boys“ und Bradley Cooper in „A Star is Born“, mit dem einen Unterschied, dass weder Jazz noch Rock, sondern feine Mozartlinien aus seinem Flügel kommen. Denn Mozart war natürlich der Dreh- und Angelpunkt des Abends, seine Lebenswelt zwischen den Koordinaten der Familienbeziehungen, seines bereits zu Lebzeiten anerkannten musikalischen Genies und seiner kindlich gebliebenen Leichtigkeit entfaltet sich in diesen wunderbar von Brandauer vorgetragenen Briefen, als wäre man selbst dabei gewesen. Glücklich die Zuhörer und heute auch Zuschauer, die den Weg ins Stadttheater gefunden haben, es war gut gefüllt, einige Plätze gab es noch. Wer nicht kam, darf sich getrost ärgern, denn er hat etwas versäumt. 

Jürgen Kus

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