Musik im Doppelpack

Classix: Am Montag spielte die Geige und eine Männerstimme die Hauptrolle

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Curtis on Tour: (v.l.) Elissa Lee Koljonen (Violine), Mikael Eliasen (Klavier), Chase Park (Violoncello)und Dennis Chmelensky (Bariton).

Kempten – Ein Doppelkonzert ist in der musikalischen Formensprache ein Werk mit zwei solistischen Instrumenten und Orchester. Am Montag der Festivalwoche des diesjährigen Classix-Festivals gab es hiervon eine Variation im übertragenen Sinn, nämlich zwei Konzerte an einem Abend.

Zwei Konzerte an einem Abend? Ob das aufgeht? Das erste Konzert begann bereits um 18 Uhr und war dann schon etwas spärlich besucht. Aber es war wohl als Appetitanreger gedacht für das, was beim Abendkonzert um 20 Uhr folgen sollte. 

Ziyu He, ein aufstrebender chinesischer Geiger, der seit 2011 in Salzburg lebt, studiert und musiziert, hat mit seinen 20 Jahren bereits eine Vielzahl von Preisen und eine Menge Konzertpraxis hinter sich. Er wagte sich gleich zu Beginn an ein Standardwerk der Violinliteratur, ein Werk, an dem sich jeder Geiger messen lassen muss, die Chaconne aus der Partita Nr.2 in D-moll für Violine solo von Johann Sebastian Bach. Ziyu He spielte technisch makellos, aber das, was noch an Ausstrahlung und Zauber zu den reinen Noten hinzukommen muss, erahnte man bei ihm erst zum Ende des längeren Werks. 

Bei Louis Spohr, dem Zeitgenossen Beethovens, gesellte sich Benjamin Schmid als Duo-Partner an Ziyu Hes Seite und gleich wurde der Vortrag vielschichtiger. Richtig interessant wurde es dann mit Sergej Prokofjews Sonate op. 56 für zwei Violinen von 1932. Prokofjew hat hier mit volksliedhaften Themen bereits die Musik des zwanzigsten Jahrhunderts komponiert. Danach kam eine süße Verschnaufpause mit Henry Wieniawskis Etude-Caprice Nr. 1, ein kurzes Stück mit einem romantischen Thema, das an Grieg erinnert. Einen virtuosen Farbtupfer zum Schluss des ersten Konzerts setzten dann Elissa Lee Koljonen an der Violine, die für die verhinderte Pamela Frank eingesprungen war, und Chase Park am Violoncello mit Johan Halvorsens halsbrecherischen Variationen über ein Thema von Georg Friedrich Händel. Bei der Veranstaltung um 20 Uhr kam dann mit dem jungen Bariton Dennis Chmelensky eine in Kempten selten gehörte Männergesangsstimme zum Konzert der üblichen Instrumente hinzu. 

Begleitet wurde er zunächst von einem Klaviertrio, also einem Klavier, einer Violine und einem Cello. Das renommierte Curtis Institute of Music, das Konservatorium der Stadt Philadelphia in den USA, schickt seine Musiker unter dem Motto „Curtis on Tour“ auf Konzerte in alle Welt hinaus und am Montag waren sie in Kempten gelandet. Der erste Programmpunkt war trotz des berühmten Komponistennamens ein sehr ungewöhnlicher. Wer kennt schon Beethovens Bearbeitungen von Volksliedern aus Irland, Schottland und Wales für Gesang und Klaviertrio? Die Darbietung der ausgewählten, kurzen Lieder war durch die etwas zu dominante Klavierstimme Mikael Eliasens nicht ganz optimal, auch wenn Dennis Chmelenskys kraftvolle Stimme hier gut mithalten konnte. 

Der Pianist machte dies im zweiten Teil des Konzerts wett durch eine sehr einfühlsame Einführung in das Hauptwerk des Abends: „Aftermath“ von Ned Rorem. Der amerikanische Komponist verarbeitet in diesem Liedzyklus die Terroranschläge des elften Septembers in einer Sammlung von Liedern mit Textvorlagen verschiedenster Dichter von Shakespeare bis Jorge Luis Borges. Seine Musiksprache ist zurückhaltend modern, ohne ins Avantgardistische auszubrechen, und wurde von den Musikern sehr berührend und stimmig interpretiert. Großer Schlussbeifall.


Jürgen Kus

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