Vorbereitungen auf steigende Patientenzahlen

Klinikverbund Allgäu stellt Zelte für die ambulante Notfallversorgung auf und sucht freiwillige Helfer

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Noch nicht in Betrieb, aber bereit: Am Klinikum Kempten sowie in Immenstadt stehen Zelte bereit, um die ambulante Notfallversorgung zu unterstützen.

Oberallgäu/Unterallgäu/Kempten – Zur Unterstützung der ambulanten Notfallversorgung wurden in Zusammenarbeit und in Koordination mit den örtlichen Hilfsdiensten an den Klinikstandorten Immenstadt und Kempten Zelte als Anlaufstationen aufgebaut.

Am Standort Mindelheim erfolgt der Aufbau eines Zeltes kurzfristig bei Bedarf. Freiwillige Helfer aller Berufsgruppen können sich derzeit über die Homepage des Klinikverbundes Allgäu melden. Geschäftsführer Andreas Ruland äußerst sich zu den derzeitigen Kapazitäten und zum Vorgehen in der Corona-Krise. 

Ziel der Zelte ist es unter anderem bei steigenden Zahlen von an COVID-19 erkrankten Patienten die Infizierten frühzeitig zu identifizieren und adäquat versorgen zu können. Wie die Aufteilung und Organisation vor Ort geplant, ist stehe noch nicht ganz fest. Wann die Anlaufstationen in Betrieb genommen werden, teilt der Klinikverbund gesondert mit. Die bestehenden Angebote im niedergelassenen Bereich sowie der Gesundheitsämter blieben davon unbenommen bestehen.

Acht positiv getestete Patienten

Mit Stand von Dienstag werden in den Kliniken des Klinikverbundes derzeit acht positiv getestete Patienten behandelt.

Der Kreisbote befragte Klinikverbund-Geschäftsführer Andreas Ruland zu Gerüchten, die sagen, dass eine Kemptener Patientin am Corona-Virus verestorben sei, weil sie zunächst von Kempten nach Immenstadt verlegt habe werden müssen. In Kempten seien keine Kapazitäten frei gewesen. 

Ruland erklärt das Vorgehen: "Bei intensivpflichtigen Patienten wird immer geprüft, wo aktuell die passenden intensivmedizinischen Kapazitäten frei sind. Danach wird entschieden, in welchem Haus der Patient versorgt wird. Sofern der Zustand des Patienten den Transport in die jeweilige Klinik erlaubt." 

Möglichkeit für Lungen-Ersatz-Verfahren in Immenstadt

An den beiden Klinikstandorten Kempten und Immenstadt stehe die gleiche intensivmedizinische Expertise und Ausstattung zur Verfügung, in Immenstadt darüber hinaus bei schwerem Lungenversagen die Möglichkeit, eines Lungen-Ersatz-Verfahrens (ECMO= extracorporale Membranoxygenierung). An beiden Standorten werde somit eine hochqualitative intensivmedizinische Versorgung gewährleistet. "Die Kemptener Patientin wurde vom Notarzt intubiert direkt in die Intensivstation Immenstadt eingewiesen. Sie hatte eine Patientenverfügung. Ihrem erklärten Willen nach, wurde die intensivmedizinische Behandlung eingestellt. Daraufhin ist die Patientin verstorben." 

Angesprochen auf vermeintlich knappe Personalkapazitäten, erklärt Ruland, dass nach Umstrukturierungen im Jahr 2018 auf der Intensivstation Kempten die Bettenkapazitäten an die Personalkapazitäten angepasst worden seien. "Seitdem ist die Personalstruktur auf der Intensivstation stabil."

War es vielleicht ein Fehler, dass in den letzten Jahren reihenweise Kliniken geschlossen wurden? "Die Schließung von Krankenhäusern ist die Folge der gesundheitspolitischen Vorgaben und des wirtschaftlichen Drucks, der auf die Kliniken ausgeübt wird. Die Kliniken sind gezwungen, mit den geltenden Rahmenbedingungen zurecht zu kommen", so Ruland.

Der Klinikverbund sieht sich laut Pressesprecherin Kirsten Boos gut gerüstet für größere Fallzahlen an Corona-Patienten . „Die Auslastung der Betten beträgt derzeit 55 Prozent. Damit stehen aktuell genügend Betten zur Verfügung um die Versorgung von an COVID-19- erkrankten Patienten gewährleisten zu können.“

Auch die Intensivstationen in Kempten, Immenstadt, Mindelheim und Ottobeuren seien gut vorbereitet. Insgesamt stünden 60 Intensivbetten zur Verfügung. Davon 43 Plätze beatmungsfähig. „Kurzfristig und ohne zusätzliche Ausstattung können die Kapazitäten auf insgesamt maximal 125 Intensivplätze mit 100 Beatmungseinheiten erhöht werden“, so Boos. Darüber hinaus sei der Klinikverbund darum bemüht, zusätzliche Beatmungsgeräte anzuschaffen um die Beatmungskapazitäten weiter zu erhöhen.

Auch Sondermaßnahmen seien getroffen worden. An allen Standorten gebe es mittlerweile Stationen, um ausschließlich COVID-19 infizierte Patienten aufzunehmen und zu behandeln. „Und an allen Klinikstandorten laufen Schulungen und Vorbereitungen der Mitarbeiter, um diese in den sensiblen Bereichen wie der Notaufnahme oder der Intensivstation einsetzen zu können“, so Boos.

Pandemie- und Notfallpläne seien in Kraft getreten. Es wurden Einsatzteams gebildet, die sich um die Koordination aller Vorbereitungen kümmern. Zweimal täglich tage die Klinische Einsatzleitung um die dynamische Entwicklung zu besprechen, zu bewerten und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.

Appell an Pflegekräfte

Aber auch vor den Klinikmitarbeitern macht das Virus nicht Halt. Fünf positiv getestete Mitarbeiter sind laut Boos derzeit in häuslicher Quarantäne. „Etliche Mitarbeiter befinden sich darüber hinaus im Stadium der Abklärung, da sie Kontakt zu positiv getesteten Patienten oder Mitarbeitern hatten. Hier gehen wir in enger Abstimmung mit den jeweiligen Gesundheitsämtern vor“, erklärt die Pressesprecherin.

Indes sucht der Klinikverbund auf seiner Homepage nach freiwilligen Helfern: „Egal ob Sie Ärzte, Gesundheits- und Krankenpfleger, Altenpfleger, Medizinische Fachangestellte, Medizinstudierende sind oder über eine andere Ausbildung in medizinischen Berufen verfügen. Auch alle anderen Helferinnen und Helfer sind herzlich willkommen!“ In einem Online-Formular machen Interessierte dann Angaben zu den persönlichen Daten, zur Qualifikation, zum gewünschten Einsatzzeitraum sowie zum persönlichen Befinden. Dabei wird nach Symptomen, Kontakt zu Corona-Infizierten und Reisen ins Ausland in den letzten 14 Tagen gefragt.

Ministerin startet Aufruf

Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml hat Pflegekräfte, die derzeit nicht in ihrem Beruf tätig sind, dazu aufgerufen, im Kampf gegen die Corona-Pandemie mitzuwirken und sich zu einem Einsatz bereit zu erklären. Huml betonte: „Derzeit ist nicht sicher absehbar, wie sich die Pandemie weiter entwickeln wird. Es ist wichtig, dass wir im Gesundheitswesen auf große Herausforderungen vorbereitet sind. Deshalb bitte ich alle Pflegefachkräfte, alle Pflegehilfskräfte sowie Medizinisch-technische Assistenten (MTRA, MTLA) und Medizinische Fachangestellte (MFA), die aktuell nicht in diesem Beruf arbeiten und keiner Risikogruppe angehören, um Unterstützung.“ Die Ministerin fügte hinzu: „Gemeinsam mit der Vereinigung der Pflegenden in Bayern konnten wir eine Online-Plattform entwickeln. Hier kann ab sofort jeder unkompliziert seine Daten hinterlegen. Die Adresse lautet: www.vdpb-bayern.de/pflegepool-fuer-bayern/ Klar ist dabei: Die persönlichen Daten werden ausschließlich zur Bekämpfung der Corona-Pandemie verwendet und zur Vermittlung weitergegeben. Im Bedarfsfall erfolgt eine unmittelbare Kontaktaufnahme und Zuweisung zu einem regionalen Einsatzort.“

Lohnersatz und Lohnfortzahlung

Für den Fall eines Einsatzes bleibt der aktuelle Arbeitsvertrag bestehen. Wer unterstützt, wird mit Lohnersatz bzw. Lohnfortzahlung von der gegenwärtigen beruflichen Tätigkeit (auf der Basis geltenden Rechts oder einer in Kürze zur Verabschiedung vorgesehenen gesetzlichen Regelung) freigestellt. Der Einsatz wird ausschließlich während der Corona-Pandemie andauern. Die Ministerin dankte zugleich erneut allen Pflegekräften für ihre engagierte Arbeit. Sie unterstrich: „Unsere Pflegekräfte stehen beim Kampf gegen das Coronavirus wie die Ärzte an vorderster Front. Für ihren hervorragenden Einsatz bin ich sehr dankbar.“

kb/suk

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