Schwere Zeiten für den letzten Gang

Corona-Virus macht auch vor dem Friedhof nicht Halt – Besetzungen nur im kleinen Kreis

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Beisetzungen finden zwar weiterhin statt – allerdings ist die Größe der Trauergesellschaft auf maximal 15 Personen begrenzt.

Oberallgäu – Die Auswirkungen der Corona-Pandemie machen auch vor Friedhöfen nicht Halt. Seit Festsetzung von Ausgangsbeschränkungen ist selbst der „letzte Gang“, die kirchliche Bestattungszeremonie in ihrer üblichen Form kaum noch möglich, im Prinzip untersagt.

Mit anderen Worten: nur im kleinen Rahmen.

Das konnten sich selbst langjährige Bestattungsfachleute und Friedhofsverwaltungen kaum vorstellen. Laut einer Information des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege handelt es sich bei Bestattungen „um Veranstaltungen, die im Grundsatz untersagt sind“ im Sinne der Allgemeinverfügung. Die Untersagung gelte unabhängig von der Anzahl der Trauergäste sowie der Zusammensetzung der Trauergesellschaft – also nur aus dem Kreis der Familie oder auch aus einem Freundes-, Kollegen- oder Bekanntenkreis zusammensetzt. Ganz konkret kann eine Ausnahmegenehmigung nur erteilt werden, wenn die Trauergesellschaft nur den „engsten Kreis“ umfasse, heißt es in der Information des Ministeriums. 

„Die Teilnehmerzahl beträgt exklusive der Bestattungsmitarbeiter und gegebenenfalls des Pfarrers maximal 15 Personen“, so der Hinweis. „Also mit möglichst wenigen Personen“, bringt es Gabi Rees, Bestattungsunternehmerin aus Immenstadt auf den Punkt und ergänzt: „Im Fall des Falles kann sogar die Polizei einschreiten und eine solche Versammlung auf dem Friedhof auflösen und die Leute nach Hause schicken.“ Auch eine Bekanntgabe des Bestattungstermines – in welcher Form auch immer – dürfe nicht mehr erfolgen, so Gabi Rees. Das sei in der Konsequenz ein Aufruf zu einer nicht genehmigten Versammlung. In den typischen Traueranzeigen der Zeitungen lautet der Hinweis seit zwei Wochen meist „Aufgrund der aktuellen Situation findet der Trauergottesdienst zu einem späteren Zeitpunkt statt“. 

„In den Schreiben des Ministeriums, das an die Bestatter ging, wird weiter darauf hingewiesen, dass zur Vermeidung weiteren Infektionen die teilnehmenden Personen einen Abstand von anderthalb Meter zueinander „anstreben“ sollen. Ähnlich eng gefasst sind auch die Regelungen für Gottesdienste allgemein. Die „Sonntagspflicht“ für alle Gläubigen ist per Anordnung des Bistums Augsburg bis auf Weiteres ausgesetzt. Öffentliche Gottesdienste finden daher nicht statt. Die „geistliche Gemeinschaft“ soll jedoch im persönlichen Gebet angestrebt und praktiziert werden. Auch Live-Übertragungen von Gottesdiensten bietet die Diözese Augsburg an. Die örtlichen Kirchen sollen nach Möglichkeit im üblichen Rahmen geöffnet bleiben; die amtlichen Verfügungen bleiben dabei in der Praxis maßgeblich. „Beerdigungen finden weiterhin statt“, versichert Gabi Nast-Kolb vom Pfarrbüro St. Michael in Sonthofen. 

Der Kreis der Trauerfeier solle aber möglichst klein gehalten werden, verweist sie auf die Anordnung des Bischöflichen Ordinariats. Untersagt sind grundsätzlich neben der eigentlichen Beisetzung die üblichen Trauergottesdienste, Aussegnungen oder Rosenkranzgebete. Die amtliche Information über den Modus von Bestattungen im Sinne der Allgemeinverfügung vom 16. März 2020 empfiehlt, Beisetzungen möglichst zu verschieben. Die Friedhofsverwaltung der Stadt Sonthofen führt trotz der Einschränkungen Erdbestattungen durch; pro Werktag im Durchschnitt eine. Urnenbeisetzungen werden zur Zeit verschoben. Eine Kühlmöglichkeit für zwei Särge gibt es. Wobei auch die Bestattungsunternehmen in der Regel eine entsprechende Möglichkeit haben.

Josef Gutsmiedl

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