Covid-19 im Senegal 

Förderkreis Zukunft für Afrika: Entwicklungshilfe muss der Situation gerecht werden

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Die Frauen von Binakonding beim Umgraben eines Feldes, wo man Erdnüsse angepflanzt hatte. Als nächstes wurden Tomaten und Kartoffeln angebaut. Die Gartenbau-Projekte sind vor allem Projekte für Frauen und Jugendliche. Männer befassen sich meist mit Viehzucht und helfen den Frauen bei schweren Arbeiten, wie zum Beispiel beim Brunnenbau. Die Casamance ist der grüne Teil des Senegal. Im Hintergrund sind große Reisfelder. Oft bedarf es nur einer Starthilfe, um Brunnen, Saatgut, einen Zaun und Gartenbau-Technik zu erwerben.

Kempten/Senegal – Als viertes Land in Afrika kam am 2. März Senegal mit dem Virus in Berührung. Es wurde von einem französischen Staatsbürger, mit Wohnsitz in Dakar, eingeschleppt. Es gibt bisher 2189 bestätigte Infektionen, 842 Genesene und 23 Todesfälle. Die Zahlen sind die offiziellen Zahlen vom 14. Mai. Wie umfangreich getestet werden kann, bleibt dahingestellt.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Corona-Symptome denen von Malaria ähneln. Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung von rund 15 Millionen Einwohnern, wären das eigentlich eher wenig Betroffene. Aber einem großen Ausbruch wäre das Land von seiner Kapazität an Krankenhausbetten her in keiner Weise gewachsen. Arme und Menschen auf dem Land – meist ohne Krankenversicherung – würde es am stärksten treffen. Deshalb hat Staatschef Macky Sall am 23. März den vorerst unbefristeten Ausnahmezustand für das ganze Land erklärt. 

Es gelten strengere Beschränkungen als bei uns, vor den aktuellen Lockerungen: Ausgangssperre nachts, Schulen geschlossen, keine Gottesdienste in Kirchen und Moscheen, strikte Reise- und Transportbeschränkungen, Reduzierung der Markttage, Maskenpflicht. 

Für die Projekte des Förderkreises, so der Projektleiter im Senegal, Elhadji Diouf, mit dem wir im ständigen Telefonkontakt sind, hat dies recht unterschiedliche Auswirkungen: Die sechs Gartenbau-Projekte in der Casamance, die noch vom Förderkreis begleitet werden, können jetzt ihr Obst und Gemüse nur noch lokal in den großen Städten der Region verkaufen. Gambia und Guinea, ja selbst andere Regionen wie Thiès sind zur Zeit wegen der Reisebeschränkung nicht erreichbar. 

Andererseits haben die Menschen in den Dörfern mit ihren Feldern eine bessere Versorgung mit Nahrungsmitteln, als dort, wo alles eingekauft werden muss. Der Bau des Berufsausbildungszentrums in Diattacounda ruht dagegen. Der Rohbau ist ziemlich fertig. Jetzt bräuchte man weitere Zementlieferungen. Die große Zementfabrik hat anscheinend ihre Kapazität eingeschränkt.

 Hinzu kommt, dass die Gemeinde Diattacounda erklärt hat, sie sähe sich auf Grund der Corona-Situation nicht mehr in der Lage, ihren Anteil an der Einrichtung der Schule zu tragen. Gemeinden im Senegal haben neben den Zuweisungen des Staates eigentlich nur Gebühren und Abgaben als Einnahmen. Den Teil der Gemeinde wird der Partner des Förderkreises, die Organisation Avancee, zusätzlich schultern. Die Gemeinde hat zwar das Grundstück von 1400 Quadratmetern gestellt. Der Förderkreis hat insgesamt 36.000 Euro dafür investiert. 15.000 Euro kamen als Zuschuss von den Gartenbau-Projekten. Nun muss der Förderkreis Avancee dabei unterstützen, die Lücke zu schließen. Man hält unbedingt an diesem wichtigen Projekt fest, dass für viele Jugendliche die seltene Chance bietet, als Landwirt oder Elektriker, eine Ausbildung zu erfahren. Hier wird die Corona-Situation noch mehr Engagement vom Förderkreis erfordern. Weitere Infos gibt es hier.

kb

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