»Creeps« mit kritischem Blick

Die Jugendtheaterwerkstatt Durach präsentiert ihr neues Theaterstück

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Petra (Hanna Striegl, links), Lilly Marie (Katja Benesch, Mitte) und Maren (Lena Reinema, rechts) wehren sich gegen die Vorgehensweise des Senders und boykottieren das Casting. Sie singen das Kinderlied „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“.

Durach – „Don`t forget, the world is waiting for you.“ Medien beeinflussen junge Menschen und bedienen deren Sehnsüchte und Wünsche. Das Jugendtheaterstück „Creeps“ zeigt auf pfiffige und humorvolle Weise, wie junge Menschen fast alles tun, um an ihren Traumjob zu kommen. Die Jugendlichen stellen nicht nur ihre Talente unter Beweis, sondern geben ihre intimsten Gefühle preis, um andere zu übertreffen.

Die Jugendtheaterwerkstatt Durach präsentierte letztes Wochenende das Theaterstück „Creeps“ aus dem Jahr 2000 des Autors Lutz Hübner. Das Bühnenstück sollte eigentlich dieses Jahr bereits im März aufgeführt werden, erklärte Gabi Striegl, Theaterpädagogin und Schauspielerin, doch der coronabedingte Lockdown stoppte das Vorhaben. Im September wurde das Stück „Creeps“ nun neu inszeniert, mit fünf jungen Nachwuchschauspielerinnen und Nachwuchsschauspielern unter Einhaltung des nötigen Abstands auf der Bühne. Und auch die Zuschauerzahl wurde auf 50 Personen begrenzt, um den Sicherheits- und Hygieneregeln nachzukommen. 

„Kritisches Hinterfragen und die eigene Meinungsbildung sind die Botschaften des Theaterstücks“, betonte Striegl, die gemeinsam mit Melanie Schmidt Regie führte. Die Diskussionen während den Proben hätten gezeigt, wie wichtig das Thema für die Jugendlichen sei. Die Geschichte handelt von drei Mädchen, die nicht unterschiedlicher sein könnten: 

Petra Kowalski, aufgeschlossen, freundlich, liebt Tanzen und hat noch nicht viel von der Welt gesehen – gespielt von Hanna Striegl, tänzelnd und locker gekleidet in Jeans, Pulli und Turnschuhen. Maren Terbuyken, engagiert sich für den Umweltschutz und möchte nicht auf Äußerlichkeiten reduziert werden – Lena Reinema spielt die introvertierte, graue Maus in dicken Wollsocken, Rock und Stirnband – und die dritte Protagonistin Lilly Marie Teetz – Katja Benesch als die gestylte, verwöhnte Tochter eines Artdirectors, selbstbewusst, redegewandt und überlegen. „Jeder macht sein Ding.“ In einem Fernsehstudio treffen die drei Mädchen aufeinander, sie wurden auserwählt, die Mode-, Musik- und Lifestyle-Fernsehshow „Creeps“ zu moderieren. Doch das erste Treffen entwickelt sich zu einem Casting, da die Stelle angeblich noch nicht besetzt ist. Ein Konkurrenzkampf entsteht. Lasse Seyberlich, Regisseur Arno, „die Stimme aus dem Off“, der gemeinsam mit Kathleen – gespielt von Samira Kühling – das Casting leitet, spielen den Bewerberinnen mit überzeugendem Jugendslang und typischer Umgangssprache vor, dass sie zu ihnen gehören und dass sie wüssten, was die Mädchen denken. „Wir gehen es ganz relaxed an, es ist eure Show. Erzählt, wer ihr seid.“ Zwischen den Konkurrentinnen kommt es immer wieder zu Streitereien, die immer lauter und handgreiflicher werden. Lilly Marie macht sich lustig über Maren: „Du kapierst wohl überhaupt nichts“ und auch über Petra: „Es heißt Loveparade und nicht Luvparade“, was für allgemeines Gelächter beim Publikum sorgte.

Die Akteurinnen stellten eindrucksvoll den Bezug zur Realität her. Die hervorbrechenden Emotionen, die die jungen Schauspielerinnen sehr überzeugend spielten, gaben einen grandiosen Einblick in die Charaktere der Figuren. Maren rastet aus: „Ich kann nicht mehr zurück, Mutti soll stolz sein.“ Petra kriegt einen Wutanfall, als sie von Regisseur Arno auf ihre Herkunft angesprochen wird: „Ich lass mich nicht verarschen, ihr habt ja keine Ahnung.“  Doch dann wendet sich das Blatt, die drei Protagonistinnen begreifen, dass das Casting nur inszeniert ist. Sie sollten ausrasten, sich streiten und ihre Gefühle zeigen. Sie wehren sich gegen die Vorgehensweise des Senders und boykottieren das Casting. Sie singen gemeinsam das Kinderlied „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“. Diese musikalische Einlage sorgte für allgemeine Erheiterung bei den Zuschauerinnen und Zuschauern. Am Ende haben alle drei den Job nicht bekommen. Ihre Auftritte und auch die Diskussionen wurden aufgezeichnet und sollten als Videoclip für den Trailer der Fernsehsendung „Creeps“ verwendet werden. Die Sendung, die von der bereits vorher nominierten „Regisseurin“ Kathleen moderiert werden soll. Kathleen – überzeugend gespielt von Samira Kühling. In einem kurzen Glitzerkleid lässt sie durch Mimik und Gesten eine hochnäsige, arrogante Figur entstehen. 

Das einfache Bühnenbild mit Leinwand, Sofa, einzelnen Stühlen und einem Mischpult war perfekt auf die Handlung abgestimmt. Zudem wurden immer wieder Filmsequenzen der Akteure eingespielt, die multimediale Effekte erzeugten. Filmeditorin Amira Steinsberger wählte dramaturgisch und rhythmisch wirkungsvolle Ausschnitte aus und fügte die passenden Töne und Musikeinlagen hinzu, die den Schwung und die Lebendigkeit der Aufführung verstärkten. Eine Inszenierung über Selbstvertrauen, Identität, Kritikfähigkeit und Beeinflussung der Medien, die zum Nachdenken anregt, nicht nur bei jungen Menschen. Mit viel Applaus bedankte sich das Publikum bei den jungen Künstlerinnen und Künstler für die gelungene Vorstellung. Zudem dankte Theaterpädagogin Gabi Striegl der Gemeinde Durach für die Möglichkeit der Aufführung nach dem „Lockdown“.

Christine Reder

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