CSU-Ortsgruppe Wildpoldsried: Ein Blick auf die sich verändernde Welt

Prominenz zum 60. Geburtstag

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Plauderten in lockerer Runde über das Gestern, das Heute und das Morgen: (v.li.) Dr. Gerd Müller, Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Moderator Arno Zengerle und Dr. Theo Weigel, Bundesfinanzminister a.D. und Ehrenvorsitzender der CSU.

Wildpoldsried – Die Feier zum runden Geburtstag der CSU-Ortsgruppe Wildpoldsried wollten sich Viele nicht entgehen lassen. So füllten nicht nur zahlreiche Gäste aus den lokalen und regionalen Parteireihen den Dorfsaal „Kultuviert“, sondern mit Dr. Theo Waigel, Bundesfinanzminister a.D. und Ehrenvorsitzender der CSU, sowie Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, betrat auch CSU-Prominenz der bundespolitischen Ebene die Bühne im Saal.

Doch zunächst erinnerte Kreisvorsitzender Joachim Konrad nach der Begrüßung durch Herbert Deniffel, Ortsvorsitzender der CSU-Wildpoldsried, an die „politischen Rahmenbedingungen, unter denen die Menschen in Wildpoldsried damals zusammengekommen waren, um die CSU zu gründen.“ Den Ortsverein, in dem die CSU-Mitgliederzahlen seit dem Ortsvorsitz von Deniffel „in die Höhe geschnellt“ seien, verglich er, passend zur „vollständigen energiepolitischen Autarkie“ des Ortes, mit einem „E-Bike mit Turbomotor“.

Vor den Impulsreferaten der beiden Staatsmänner lag es Moderator Arno Zengerle, 1. Bürgermeister Wildpoldsried, am Herzen, das Motto, „Die Welt verändert sich – gestern, heute, morgen“, um „Zukunft ist machbar“ zu erweitern.

„Wie es war“, wollte er von Waigel wissen, der die Veranstaltung nutzte, um einmal mehr für die Europäische Idee und den Euro zu werben. Er erzählte von seinem Vater als Teilnehmer des 1. Weltkriegs und von seinem älteren Bruder, der 18-jährig im 2. Weltkrieg gefallen sei, und davon, wie sich die Welt seither zum besseren verwandelt habe. „Wer möchte noch tauschen mit der Situation vor 30, 40 Jahren?“, fragte er und hielt es mit einem Ausspruch des ehemaligen Außenministers Hans Dietrich Genscher (FDP), den dieser nur wenige Monate vor seinem Tod formuliert habe: „Europa, etwas besseres haben wir nicht.“ Auch den Füller hatte er mitgebracht, mit dem er 1992 den Maastricht-Vertrag über die Europäische Union unterzeichnet habe und bekannte, „ich würde es wieder tun.“ Er ging auf die unterschiedlichen Qualitäten im Verhältnis zu Russland unter Gorbatschow und Putin ein und betonte, dass Deutschland heute besser dastehe als in den ganzen letzten 150 Jahren – und das „ohne Krieg“. Aber Nichts sei von Dauer und müsse deshalb „umkämpft und umworben“ werden, wozu er „die Jungen“ aufforderte.

Eine Einschätzung der Zukunft war von Müller gefragt, für den klar war, dass „die Erfahrungen, die unsere Väter gemacht haben, nicht umsonst gewesen sein dürfen“. Die CSU stehe für christliche Werte, „der Starke hilft dem Schwachen“ und das nicht nur in der Welt, sondern auch zu Hause. Er erinnerte an die Gründung der EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) anno 1957, „unsere Säule“. Eine zweite Säule sei der 1957 geschlossene deutsch-französische Friedensvertrag, der dieses „Erzfeindschaft“ beendet habe und eine Achse darstelle, die „auch heute Garantie für Frieden“ sei. Mit Verweis auf 26.000 Invaliden und Vertriebene, die nach dem Krieg im Allgäu geblieben seien, forderte er dazu auf, „aus der Vergangenheit zu lernen und Brücken in die Zukunft zu bauen“.

Erinnerungen an große Staatsmänner und Ereignisse, Einschätzungen und auch zahlreiche Anekdoten aus ihrem bewegten Leben gaben die beiden Polit-Profis in der folgenden Gesprächsrunde preis. Eine Grundeinsicht müsse sein, so Müller, dass es in der EU nur mit einem vernünftigen Verhältnis zwischen Deutschland und Russland Frieden geben werde. Wie auch Waigel, hob er den „menschlichen Zugang auch zu Spitzenpolitikern“ als wichtiges Instrument hervor. Deshalb solle man auch vorsichtig mit dem „Verächtlichmachen“ von Donald Trump sein. „Wir sind alle Menschen“ und das solle man ein bisschen zur „Basis unserer Politik machen“ mahnte er.

Wie man heute junge Menschen dazu bewegen könne, in eine Partei einzutreten? Waigel „wollte rebellieren und etwas bewegen“, als er sich für den Parteieintritt entschloss und Müller wollte gar „meinen Bürgermeister stürzen“, was ihm auch gelungen sei. Die Chance „mitzureden, mitzugestalten, mitzubestimmen“, müsse den Jungen wieder vermittelt werden, was gerade in der Kommunalpolitik gut möglich sei. „Wir brauchen Breite, auch in der CSU“, appellierte er.

Die Rolle Deutschlands innerhalb Europas sah Waigel als ein „Schwanken zwischen Machtversessenheit und Machtvergessenheit“. Deutschland müsse aber „mehr Verantwortung“ übernehmen, sonst werde Europa scheitern. „Europa braucht ein gemeinsames Konzept“ für Asyl-, Einwanderungs- und Ausländerpolitik“ stand für Müller außer Frage. Von der CSU wünschte er sich „Führungskompetenz im Bund“, eine Bundes-Steuerreform vom Bayerischen Finanzminister, während er selbst „die Landkreise mit viel mehr Entscheidungsfreiheit ausstatten“ würde. Und das im Wortsinn Naheliegende im Blick, betonte Waigel, zwar „überzeugter Europäer“ zu sein, aber ein Waldlehrpfad in Füssen müsse keine Europäische Angelegenheit sein. „Das ist doch keine Sache von Brüssel!“

Christine Tröger

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