"Dabei wird es nicht bleiben"

Jutta Aumüller (ver.di Kempten) und Lorenz Ganterer (Bundesvorstand ver.di) leiteten die Diskussionsveranstaltung im Kemptener ver.di-Haus. Foto: Ferder

Sind neue Geschäftsmodelle in Krankenhäusern Fluch oder Segen? Dieser Frage ging vergangene Woche die Gewerkschaft ver.di im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung nach. An der Runde nahmen neben Mitgliedern von ver.di auch Kathrin Sonnenholzner (Ärztin und Gesundheitspolitische Sprecherin der SPD), Werner Gloning (Regionsvorsitzender DGB-Allgäu-Donau-Iller) sowie Kemptener Stadträte, Betriebsräte und betroffenes Personal aus sozialen Diensten und Kliniken der Region teil. Die Geschäftsführung des Klinikums Kempten-Oberallgäu war jedoch nicht vertreten.

Grundlage der Diskussion waren die Ergebnisse einer Studie, die ver.di zum Thema „Service- und Dienstleistungsgesellschaften an bayerischen Krankenhäusern“ 2009 vorgenommen hatte. Denn auch in Bayern und im Allgäu werden Servicebereiche, wie Reinigung und Küche in privaten wie auch kommunalen Krankenhäusern zunehmend ausgegliedert und von privaten „Tochtergesellschaften“ übernommen. Ursache für die Auslagerung von Tätigkeitsbereichen sind laut ver.di-Bundesvorstand Lorenz Ganterer massive Kostensenkungen. Denn in privaten Unternehmen und Gesellschaften stehen die Arbeitnehmer nicht mehr unter dem Schutz des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TvÖD), sondern erhalten neue und niedrigere Tarife. Die neuen Tarife bedeuten allerdings zum Teil enorme Einschnitte in den Arbeitsbedingungen der Beschäftigten, beispielsweise durchschnittlich 30 Prozent weniger Lohn. Darüber hinaus zeigen die Studienergebnisse von ver.di auf, dass Arbeitnehmer von Tochtergesellschaften sich wie Beschäftigte zweiter Klasse fühlen und Angst um ihre Anstellungen haben. Eines ist, wie die ver.di-Vertreter vergangene Woche im ver.di-Haus betonten, tendenziell gefährdet: Die gute Versorgung der Patienten. „Schlechte Arbeitsbedingungen und -verhältnisse werden sich psychisch und physisch auf die Arbeitnehmer auswirken und schlussendlich auch auf die Patientenversorgung.“ Diese Aussage führte zu nickenden Köpfen in der Diskussionsrunde und auch anwesendes Pflegepersonal der regionalen Kliniken ergänzte, dass sich durch die aktuelle Krankenhausfinanzierung der Jargon in den Krankenhäusern zunehmend verändert habe und Patienten mehr „Fall“ als Mensch sind. Das Allgäu ist von Ausgliederungen und Zersplitterungen ebenfalls nicht verschont geblieben, wie Jutta Aumüller von ver.di-Kempten auf- zeigte. Neben den Kliniken in Kempten, Oberallgäu und Lindau seien auch das Rote Kreuz und die AWO betroffen. Die Auslagerungen haben dabei im Oberallgäu einen Anteil von bis zu 40 Prozent und betreffen hauptsächlich die Servicebereiche Reinigung und Küche. „Doch bei diesen Bereichen wird es sicherlich nicht bleiben“, prophezeite Aumüller. Dennoch nahm Lorenz Ganterer die Kliniken und sozialen Dienste in Schutz, da diese unter enormen Kostendruck stehen. Vielmehr stellte Ganterer die Gesundheitspolitik der Regierung in Frage. Denn die Politik stelle die Bedingungen für den Gesundheitsbereich und fehlende finanzielle Mittel könnten auch mit Servicegesellschaften nicht dauerhaft ausgeglichen werden, sondern schieben das Problem nur auf. Ver.di möchte an die Öffentlichkeit und an die Politik appellieren und fordert keine weiteren Ausgliederungen. Außerdem möchte die Gewerkschaft die Tarife ändern und somit Arbeitsbedingungen verbessern und die Löhne erhöhen. Jutta Aumüller forderte die Arbeitnehmer auf, sich gegen die schlechten Arbeitsverhältnisse zu wehren und kündigte in diesem Zusammenhang Demonstrationen an.

Auch interessant

Meistgelesen

Feiern verbindet
Feiern verbindet
Bezirksmusikfest in Probstried
Bezirksmusikfest in Probstried
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Schüler zeigen Einsatz
Schüler zeigen Einsatz

Kommentare