Diskussion um die Rolle der modernen Frau

"Wir Frauen haben uns emanzipiert"

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Daniela Auerbacher.

Kempten – Seit Anfang des Jahres ist Daniela Auerbacher neue Kreissprecherin der Wirtschaftsjunioren (WJ) Kempten-Oberallgäu. Die 36-Jährige ist dreifache Mutter und Diplom-Sozialpädagogin. Der Kreisbote sprach mit ihr über ihre Arbeit bei den WJ und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Frau Auerbacher, Sie sind seit Anfang des Jahres Kreissprecherin der Wirtschaftsjunioren. Wie kommt man an ein solches Amt? 

Auerbacher:„Zunächst muss man sich als Gast anmelden, das geht ganz einfach über unsere Homepage www.wjd-kempten.de. Nach einem Jahr hat man dann die Möglichkeit, Mitglied zu werden. Sinn macht es bei den WJ Mitglied zu werden, wenn man in einer verantwotungsvollen Aufgabe beschäftigt ist, eben als Führungskraft oder auf dem Weg dorthin ist, oder einen eigenen Betrieb führt bzw. leitet. Anschließend hat man die Gelegenheit, sich in Arbeitskreisen aktiv miteinzubringen. Wir haben vier Arbeitskreise: Unternehmertum, Bildung und Wirtschaft, Kommune und Wirtschaft und Presse-Marketing. Ich bin über ‘Kommune und Wirtschaft’ eingestiegen, weil ich immer schon kommunalpolitisch interessiert war und mich hier mehr engagieren wollte. Außerdem hatte ich in der Firma ein Projekt, das eben genauso ein Netzwerk wie die WJ suchte. Dort war ich zunächst als Mitglied, dann als AK-Sprecherin aktiv und wurde vom damaligen Vorstand gefragt, ob ich mir eine Arbeit im Vorstand vorstellen könnte. Das konnte ich, wurde bei der Jahreshauptversammlung gewählt, nach einem Jahr zur stellvertretenden Sprecherin an der Seite von Manuel Protzen. Jetzt bin ich zur Sprecherin aufgestiegen. Ein ‘ehrenamtlicher Aufstieg’ sozusagen.” 

Was sind Ihre Aufgaben als Kreissprecherin der Wirtschaftsjunioren? 

Auerbacher: „Ich verstehe meine Aufgabe als Kreissprecherin darin, die WJ im Jahr 2013, für das ich gewählt wurde, nach außen zu vertreten. Ansonsten machen wir im Vorstand alles im Team, jeder hat seine Aufgaben und ohne die Leute im Vorstand und in den Arbeitskreisen, die aktiv mitarbeiten, kann man keine gute Sprecherin sein.” Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Amtszeit gesteckt? Auerbacher: „Meine Ziele sind ganz klar noch mehr öffentliche Aufmerksamkeit. Oberstes Ziel für dieses Jahr ist aber auf alle Fälle, die sehr gute Arbeit von meinem Vorgänger Manuel Protzen fortzuführen, in Teamwork im Vorstand und in den Arbeitskreisen neue Veranstaltungen und Highlights zu schaffen. Und was ich mir, zusammen mit meinem Stellvertreter Tobias Sirch auf die Fahnen geschrieben habe, ist ganz klar die Gewinnung von neuen, jungen Mitgliedern.” 

Werden Sie als Frau etwas anders machen als Ihr Vorgänger Manuel Protzen?

Auerbacher: „Ich werde nicht als ‘Frau’ etwas anderes machen als Manuel Protzen, ich werde als Person andere Ansätze haben, weil Menschen nun mal verschieden sind, ergo verschieden führen und auch unterschiedliche Prioritäten haben. Aber wie schon erwähnt, Herr Protzen hat viel bewegt, da konnte ich viel lernen.” Dass Frauen zum Beispiel als Vorgesetzte anders reagieren als Männer, führen Sie nicht auf die Geschlechterunterschiede zwischen Mann und Frau zurück? Auerbacher: „Klar gibt es da Unterschiede und die haben auch was mit unterschiedlichen Geschlechtern zu tun, aber eben auch mit unterschiedlichen Persönlichkeiten unabhängig vom Geschlecht. Eindeutig setzen Frauen fast alles was sich auf zwischenmenschlicher Ebene abspielt ‘in Beziehung’ zu etwas, das heißt Sie sehen eher Zusammenhänge oder sind empathischer gegenüber ihrem Gesprächspartner. Männer denken oftmals rationaler oder unabhängiger, nehmen vielleicht weniger Rücksicht auf durch das Gespräch verursachte Unstimmigkeiten. So habe ich es schon öfters beobachtet. Was besser oder schlechter für die Rolle der Führungskraft ist, kann ich schwer beurteilen, es hat beides Vor-und Nachteile.” 

Glauben Sie, dass Sie es als junge attraktive Frau bei den WJ oder im Beruf leichter haben? 

Auerbacher: „(Lacht) Teilweise kommt man schneller ins Gespräch, oft wird man einfach weniger Ernst genommen.” Um die Einführung einer verbindlichen Frauenquote in Wirtschaft und Politik ist mittlerweile ein echter „Kulturkampf” entbrannt. Wie stehen Sie zur „Quote”? Auerbacher: „Meine persönliche Meinung: wir Frauen haben uns mittlerweile so emanzipiert, das wird von selber weiter laufen, ich denke, jedes Gesetz würde unsere Fähigkeiten schlechter darstellen. Mit Gesetzen eine gesellschaftliche Veränderung erzwingen zu wollen, wäre sehr schade. Die meisten Frauen die ich kenne, haben ihre Positionen durch Leistung bekommen. Ich glaube nicht, dass sie die Stelle gewollt hätten, wenn der Chef dazu ‘gezwungen’ worden wäre, sie zu nehmen. Wir Frauen sind ‘Kämpfer’, wir gewinnen selber unsere ‘Schlachten’.” 

Die CSU scheint da aber noch nicht so weit zu sein und hat mit dem Betreuungsgeld oder auch „Herdprämie” wieder das klassische Rollenbild gestärkt. Kann das Modell des Betreuungsgeldes für junge Frauen tatsächlich ein Anreiz sein, ein Kind oder mehrere zu bekommen? 

Auerbacher: „Ich denke generell kann es kein Anreiz sein, nur wegen des Geldes Kinder zu bekommen. Die ‘Herdprämie’ ist ein nettes Zuckerl für diejenigen, die eh zu Hause geblieben wären. Alle anderen gehen oder müssen wieder arbeiten gehen, allein weil sie sonst den Anschluss verpassen würden. Das ist das Problem: Wann steige ich als Frau aus meinem Job aus? Und wenn ich aussteige, für wie lange kann ich weg bleiben? Die Gesellschaft hat sich verändert, die Frauen haben durch die Emanzipation eben genauso gute oder fast so gute Voraussetzungen wie die Männer, die ‘Herdprämie’ kann die Frauen nicht dazu bewegen, dieser Entwicklung entgegenzustreben. Frauen kriegen mittlerweile Kinder, wenn es zeitlich passt, nicht um Geld zu kassieren. Das wäre der absolut falsche Ansatz.” 

Was wäre Ihrer Meinung nach denn der richtige Ansatz? 

Auerbacher: „Ich denke nach wie vor ziehen eher gute Arbeitszeitmodelle, hier sind eben auch die Arbeitgeber gefragt, diese können eher dazu beitragen, dass es wieder mehr Kinder gibt. Ich habe beispielsweise einen Arbeitgeber, der er mir immer ermöglicht hat, Kinder und Beruf in Einklang zu bringen. Keine starren Arbeitszeiten zum Beispiel.” 

Wie bekommen Sie Familie, Beruf und Ehrenamt unter einen Hut? 

Auerbacher: „Indem ich in einem sehr familien- und frauenfreundlichem Unternehmen arbeite, zu Hause ein Netzwerk an motivierten Großeltern habe, einen Mann, der sich voll mit einbringt. So was geht nur in Teamwork und mit viel Koordinationsgabe, die jede Frau haben muss, wenn sie so viele Rollen erfüllen soll. Mein Ehrenamt findet meist am Abend statt, somit bekommen meine Kinder nicht so viel mit. Was mir ganz wichtig ist, ich versuche immer mittags, wenn auch nur kurz, zu Hause zu sein, um meinen Kindern die Aufmerksamkeit zu geben, die sie verlangen und brauchen. Die Hausaufgaben laufen alle über mich, letztens hab ich auf der Rückfahrt von einem Workshop im Zug via whats app mit meinem Sohn die Deutschhausaufgabe besprochen. Mein Kinder nutzen also alle Kanäle, die sie haben, um mich zu kontaktieren. Wir reden sehr viel miteinander, wenn ich da bin, ich will alles über ihren Tag wissen. Meine Meinung ist, nicht die quantitative Zeit ist wichtig, die ich mit ihnen verbringe, sondern die Qualität.” 

Können Sie die Diskussion um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor diesem Hintergrund überhaupt verstehen? 

Auerbacher: „Ja, die kann ich verstehen. Nicht alle haben den Luxus, so ein tolles Netzwerk zu haben, auf das ich zurückgreifen kann, einen verständnisvollen Arbeitgeber zu haben. Viele sind auf sich allein gestellt, sind in Berufen mit Schichtarbeit tätig. Die Wirtschaft und die Gesellschaft müssen sich den Veränderungen anpassen, das geht nur mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, flexiblen Kinderbetreuungen…” 

Wie verlief denn eigentlich Ihr Wiedereinstieg in den Beruf? 

Auerbacher: „Ich bin nie ausgestiegen (lacht). Nein, im Ernst, meine Chefin hat mir schon mal die Arbeit nach Hause gebracht, als ich wegen der Zwillinge zu Hause war. Somit hab ich den Wiedereinstieg nicht erlebt.”

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