"Dann müssen wir rasch handeln"

Alles unter Kontrolle: Dr.-Ing. Michael Fiedeldey (v.l., Prokurist, Bereichsleiter Technik), Harald Rietzler (Abteilungsleiter Technischer Service), Dipl.-Ing. (FH) Werner Zitt (Abteilungsleiter Netzführung) sowie sitzend Schaltmeister Peter Rief. Foto: Bitsch

Eine sichere, ständige und hohe Stromversorgung ist heute in Deutschland eine Selbstverständlichkeit. Kaum jemandem ist jedoch bewusst, wie kompliziert und sensibel der Weg des Stroms von der Erzeugung bis zur Steckdose zuhause ist. Ob Wohnzimmerlampe, Kaffeemaschine, Elektroherd, Waschmaschine, Computer – ohne Energie funktioniert nichts. Erst, wenn der Strom tatsächlich einmal ausfällt, bemerken wir, welchen Luxus wir im Grunde tagtäglich genießen.

Laut Statistik müssen Kunden in Deutschland jährlich 14,6 Minuten ohne Strom auskommen. Damit schneidet Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, was die Versorgungssicherheit betrifft, am besten ab und ist Spitzenreiter. Noch besser als der Bundesdurchschnitt steht das Allgäu da: Nur 12 Minuten sind die Allgäuer im AllgäuNetz-Gebiet durchschnittlich im Jahr ohne Strom – ein fast unschlagbarer Wert. Dafür werden aber auch jährlich mehrere Millionen Euro in die Anlage, Pflege und Wartung der Stromnetze investiert. Und der Entstördienst des Allgäuer Überlandwerkes (AÜW) in Kempten, der rund um die Uhr bereit steht, reagiert außerordentlich schnell. „Gott sei Dank passiert bei uns im Allgäu ja wenig,“ bestätigt Werner Zitt, Leiter der Netzleitstelle des AÜW, „aber, wenn der Strom ausfällt, müssen wir natürlich ganz rasch handeln.“ Mit seinen acht Mitarbeitern sorgt er im Dreischichtbetrieb dafür, dass an 365 Tagen pro Jahr 24 Stunden täglich die Stromverteilung reibungslos funktioniert. Am Rande von Kempten – malerisch gelegen an der Iller – prägen 14 große Bildschirme und 12 Server das Arbeitsumfeld der hochqualifizierten Netzmeister. Lückenlose Kontrolle Sie überwachen und steuern mit modernster Technik rund 2800 Kilometer Kabelanlagen, etwa 2000 Kilometer Freileitungen, 1572 Transformatoren-Stationen sowie 25 Schaltanlagen und sorgen so für eine lückenlose Kontrolle und Steuerung aller Anlagen des Unternehmens. Sämtliche Bewegungen im Netz werden permanent auf Funktionsfähigkeit und Plausibilität geprüft. Alle Zu- und Abschaltungen von Leitungen, Netzanlagen und Kraftwerken werden von hier ausgeführt, überwacht und kontrolliert. Drohen an einzelnen Stellen im Netz Überlastungen oder treten Unregelmäßigkeiten auf, erfolgt um- gehend eine Fehlermeldung. Die Mitarbeiter des AÜW schaffen in solchen Fällen sofort Abhilfe, indem sie die Versorgung durch Umschaltungen auf eine andere Leitung sicherstellen. Es gibt viele verschiedene Faktoren, die Fehlermeldungen (die vom Endverbraucher meistens unbemerkt bleiben) und im schlimmsten Fall Stromausfälle auslösen können – zum Beispiel Witterungseinflüsse wie Schneebruch, Stürme, Blitzeinschläge. Leider „lieben“ auch Tiere, wie der Marder, Stromleitungen und können schon mal die Stromversorgung eines ganzen Ortes lahm legen. Bei Bauvorhaben kann auch nie ganz ausgeschlossen werden, dass Bagger Stromleitungen beschädigen. Grundsätzlich werden Fehlermeldungen in zwei Kategorien unterteilt: Zum einen in die so genannten Systemfehler, die vom Überwachungssystem direkt erkannt werden und sowohl akustisch als auch visuell auf den Bildschirmen gemeldet werden. Techniker und Meister sind für den Ernstfall stets startbereit und fahren mit einem Kabelmesswagen, der mit den notwendigen Instrumenten ausgerüstet ist, sofort los, sobald die Fehlerquellen geortet sind. Dazu ist es von großem Vorteil, wenn die AÜW-Mannen jede noch so kleine Straße und jeden Winkel eines Ortes kennen wie die eigene Westentasche. Die zweite Fehlerkategorie umfasst diejenigen Meldungen, die von Kunden und Endverbrauchern beim AÜW eingehen, wenn etwa besagter Bagger die Stromleitung bereits beschädigt hat oder der Strom aus irgendeinem anderen, noch ungeklärten Grund ausgefallen ist. Genau überprüfen Wer nun also tatsächlich zuhause oder im Büro „im Dunkeln tappt“, überprüft am besten erst, ob etwa alle Räume des Hauses oder der Wohnung ohne Strom sind. Anschließend empfiehlt sich der Gang zum eigenen Sicherungskasten – eine funktionierende Taschenlampe sollte für diesen Fall stets griffbereit sein. Ein Blick auf das Nachbarhaus klärt zudem, ob noch andere vom Stromausfall betroffen sind. Ist dies alles eigenhändig überprüft und in nächster Umgebung kein Fehler erkennbar, bleibt nur noch der Anruf bei der Netzleitstelle des AÜW. Auch Störungen, die zwar sichtbar (hier sei wieder auf den Bagger verwiesen), aber nicht selbst behoben werden können, sollten umgehend gemeldet werden. Die Rufnummer 0800/25 21 222 ist gebührenfrei und 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr besetzt. Sobald das AÜW benachrichtigt ist, werden die Mitarbeiter aktiv und beheben die Störung so schnell als möglich.

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