"Das bringt keinen um"

Einen Schritt näher sind die Bewohner des Stadtteils Sankt Mang ihrem ersehnten kleinen Lebensmittelladen gekommen. Allen voran die Bewohner der Seniorenwohnanlage Oberösch hatten die fehlende Nahversorgung seit längerem bemängelt. In einer ersten Informationsveranstaltung in der voll besetzten „Guten Stube“ der Seniorenwohnanlage wurde vergangenen Woche die Frage erörtert, wie und ob ein Lebensmittelladen dort erfolgreich betrieben werden kann.

Bisherige Versuche einen Betreiber für die zur Disposition stehende Ladenfläche von 120 Quadratmetern zu finden, „scheiterte immer wieder an den Lohnkosten“, erklärte Mario Dalla Torre, Geschäftsführer der Bau- und Siedlungsgenossenschaft (BSG) Allgäu, das Problem. Zusammen mit Oliver Stiller, Quartiersmanager des Stadtteilbüros Sankt Mang, arbeitet die BSG bereits seit Beginn letzten Jahres an einem Konzept zur Schließung der Versorgungslücke. Mit dem Unternehmensberater Wolfgang Gröll hatten die Initiatoren einen charismatischen Fachmann für die Gründung von Dorf- und Miniläden eingeladen, der den Anwesenden die Idee eines Bürgerladens schmackhaft machte. Ziel sei, das Startkapital über eine Genossenschaft aufzubringen, unter Beteiligung der BSG Allgäu, des Stadtteilbüros Sankt Mang sowie zwei weiterer Unterstützer des Projekts, der Allgäuer Volksbank und der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Ortsverband Sankt Mang – und nicht zuletzt möglichst vieler Bürger. Mit 150 bis 250 Euro bezifferte Gröll den voraussichtlichen Preis pro Anteil als noch unverbindliche Größe. Möglich seien auch Dividendenzahlungen, beispielsweise in Form von Warengutscheinen, wie es von vielen Dorfläden bereits praktiziert werde. Geld stärkt die Bindung Auch wenn sich Volksbank, AWO und BSG bei dem Miniladen für ein Einzugsgebiet mit rund 3000 Menschen stark einbringen würden, „muss das meiste Geld aus der Bevölkerung kommen“, zeigte sich Donat Asbach, Vorstand der Allgäuer Volksbank gegenüber dem KREISBOTE überzeugt. Schon allein weil es die Bindung an den Laden stärke. Insgesamt betrachtet, räumte Gröll dem Miniladen im Oberösch eine Erfolgschance von über 80 Prozent ein. Das Meinungsbild „groß ist gleich billig“ stimme nicht mehr, wie diverse Testkäufe gezeigt hätten. „Im Gesamtsortiment sind Discounter nicht billiger als Dorfläden“, machte er anhand von Preisvergleichen deutlich. Das große Potential des Miniladens sah Gröll in einem Sortiment mit regionalen Geschmacksbesonderheiten, frischen Produkten hiesiger Erzeuger, guter Erreichbarkeit, Service, einem konkurrenzfähigen Preis-Leistungsverhältnis inklusive regelmäßiger Aktionsangebote und natürlich der sozialen Komponente, die menschliche Begegnung fördere. Dass „auch mal ein Laden pleite gehen kann“, verschwieg er nicht. Dennoch zeige seine 13-jährige Erfahrung, dass „neun von zehn überleben“. Im Fall einer Pleite verliere jeder maximal den Betrag seiner Anteile, „und das bringt keinen um“, unterstrich Gröll das geringe Risiko für den Einzelnen. Viel sei bereits gewonnen, wenn der Saal wie hier voll ist und die Bürger sagen, „klingt gut, kann schief gehen, aber einen Versuch ist es wert“. „Mit frischer Ware wird es sicher gelingen“, drängte Lydia Martin, eine Bewohnerin der Seniorenanlage, auf rasche Umsetzung. „Die Senioren sollen zum Einkaufen können, wenn sie es wollen“, betonte Lydia Martin, Vorstand des AWO-Ortsverbands Sankt Mang die Bereitschaft der AWO zu ehrenamtlicher und finanzieller Unterstützung. Mehr Zusammenhalt Mehr Zusammenhalt versprach sich dagegen Kemptens Bürgermeister Josef Mayr (CSU) von dem ambitionierten Projekt und ermunterte die Anwesenden, sich für die soziale Stadt zu engagieren. Und auch Dalla Torre zeigte sich zuversichtlich, dass „der Laden kommt“. Noch etwas skeptisch äußerten sich manche Zuhörer, die sich unter anderem noch mehr Informationen, vor allem zu den Genossenschaftsanteilen wünschten. Auch ein Flyer wurde angeregt, um neue Interessenten gewinnen zu können. Dennoch hatten sich auf der herumgereichten Liste am Ende bereits zwölf Leute für den zunächst zu gründenden Arbeitskreis eingetragen, fünf für eine spätere Mitarbeit im Laden und 13 sogar für den Kauf von einem oder mehreren Anteilen.

Auch interessant

Meistgelesen

Bezirksmusikfest in Probstried
Bezirksmusikfest in Probstried
Feiern verbindet
Feiern verbindet
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Schüler zeigen Einsatz
Schüler zeigen Einsatz

Kommentare