Neues Bürgerportal für Verkehrsverstöße

Das digitale Knöllchen ist da

So sieht der neue digitale Strafzettel aus.
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So sieht der neue digitale Strafzettel aus.
  • VonDominik Baum
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Kempten – Vielleicht hat sich der ein oder andere Falschparker schon gewundert, was er da für einen seltsamen Strafzettel an der Windschutzscheibe hängen hat. 

Denn seit Kurzem schaut das „Knöllchen“ ganz anders aus, ist mit einem QR-Code und einer Internetadresse versehen. Der Grund: Bayernweit setzt die Verkehrspolizei nun die neue App „mOwi“ für Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr ein. Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West hat in einem Pressegespräch am vergangenen Freitag erklärt, was sich dadurch für Verkehrspolizisten und Bürger ändert.

Enorme Zeitersparnis

Seit 2016 forciere die Polizei mit dem Programm „Mobile Police“ das digitale Arbeiten, leitete Michael Keck, Sachgebietsleiter Verkehr, das Pressegespräch ein. 1.300 Smartphones seien im Präsidium im Einsatz, jede Streife verfüge über ein bis zwei Smartphones, erzählt Keck weiter.

Diese kommen seit einigen Tagen auch bei der Verkehrspolizei zum Einsatz, immer dann, wenn eine Ordnungswidrigkeit festgestellt wird. Mit der neuen mOwi-App haben die Verkehrspolizisten die Möglichkeit, Verstöße direkt zu digitalisieren. Die App werde sowohl bei Parkverstößen als auch bei Ordnungswidrigkeiten aus dem fließenden Verkehr heraus, beispielsweise beim Telefonieren am Steuer, eingesetzt, erklärte Keck. Dies sei eine enorme Arbeitserleichterung. Allein im letzten Jahr habe es 18.000 Vorgänge im ruhenden Verkehr gegeben. „Das bedeutet, 18.000 Mal diesen Zettel ausfüllen“, sagte Keck, während er auf den alten Strafzettel deutete.

Mit der neuen App werde nun ein ganzer Arbeitsschritt gespart, da der Strafzettel nicht nachträglich von Kollegen digitalisiert werden müsse. Der Sinn der App sei jedoch nicht, nun 20 Prozent mehr Bürger zu verwarnen, betonte der Sachgebietsleiter. Rebecca Daubner von der Verkehrspolizeiinspektion Kempten zeigte an einem Beispiel das gesamte Prozedere, wie in der neuen App eine Verwarnung samt Zahlungsaufforderung erfasst werde. „Ich kann in der App den Tatbestand suchen, zum Beispiel Rettungsweg zugeparkt. Das Bußgeld wird direkt angezeigt“, erzählte Daubner, die unter anderem den Ort und die Zeit des Geschehens, das Kennzeichen, die Fahrzeugart, die Automarke, die Farbe und Personendaten erfasste – vieles davon übernahm das System automatisiert, indem die Verkehrspolizistin ein Foto vom Kennzeichen und dem Führerschein knipste und einscannte.

Das sollten Bürger jetzt wissen

Wer einen digitalen Strafzettel vorfindet, könne entweder den darauf befindlichen QR-Code einscannen oder die angegebene Internetadresse und anschließend die Login-Nummer und das Kennzeichen manuell eingeben, erklärte Pressesprecher Holger Stabik. Dadurch erhalte der Bürger Zugang zum neuen Bürgerportal, in dem der Vorwurf, der Ort des Verstoßes und das fällige Bußgeld angezeigt werde. Es bestehe die Möglichkeit, den Betrag direkt online zu überweisen oder sich diesen als Überweisungsträger anzeigen zu lassen.

Wer kein Smartphone besitze, könne weiterhin bei der auf dem Strafzettel angegebenen Dienststelle anrufen und nachfragen. Wie der digitale Strafzettel bei den Allgäuern ankommt, könne noch nicht beantwortet werden, da bisher erst rund 160 Vorgänge mit dem neuen System erfasst worden seien, meinte Keck. Bei Pilotdienststellen sei die Resonanz jedoch „durchaus positiv“ gewesen. Übrigens: Nach wie vor werden auch noch die alten Strafzettel eingesetzt – so lange der Vorrat reicht.

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