"Das ist gelebte Inklusion"

Gemeinsam und voller Vorfreude ziehen Mitarbeiter und Betreuer in die gemeinsame Werkstatt in der Zeppelinstraße 5 ein. Foto: moriprint

Von

KREISBOTE, Kempten – „Servus, griast Euch und Hallo!“ – Mit diesem Plakat hießen die Mitarbeiter in der Werkstatt Zeppelinstraße 5 der Allgäuer Werkstätten GmbH jüngst die 27 Frauen und Männer der Förderstätte und deren Betreuer aus der Werkstatt Daimlerstraße 21 willkommen. Ab sofort sind deren Arbeitsräume im Gebäude an der Zeppelinstraße integriert – und zwar im Areal der ehemaligen Schreinerei. Rund 1,1 Millionen Euro kostete der Umbau der ehemaligen, rund 800 Quadratmeter großen Schreinerei-Räumlichkeiten, um sie entsprechend für die Schwerst- und Mehrfachbehinderten Beschäftigten der Förderstätte umzugestalten. „Damit sind unsere schwerst- und mehrfachbehinderten Mitarbeiter jetzt mittendrin in unserem Werkstattleben“, meinte Michael Hauke, Geschäftsführer der AW, bei der Begrüßung. „Das ist gelebte Inklusion.“ Die neuen Förderstättenräume bestechen durch Helligkeit, sinnvolle Wegeführung (für Rollifahrer), harmonischer Farbgestaltung und modernste behindertengerechte Ausstattung. Neben vier Gruppen-Arbeitsräumen mit angegliederten Büros gibt es drei Therapieräume, einen eigenen Speisesaal, Abstellflächen sowie einen großen Sanitärbereich, unter anderem ausgestattet mit einem Closomat, der über eine Elektronik nach einem Toilettengang bei der Hygiene unterstützt. Geschickt eingesetzte Glaselemente vermitteln innerhalb der Räume das Gefühl von Weite, Transparenz und Helligkeit. Der Umbau ist staatlich gefördert. Dennoch bleibt den AW ein Eigenanteil von 400 000 Euro. Der Umbau des Erdgeschoss-Areals nach der Umsiedlung der Schreinerei – und auch der Tochtergesellschaft IGA in das gegenüberliegende BIA-Gebäude (Betriebe für Integration und Arbeit) ist Teil eines Gesamtkonzeptes, das bis 2013 verwirklicht werden soll. Aktuell folgt jetzt noch die Herrichtung der ehemaligen IGA-Räume für weitere 60 Werkstatt-Plätze für Menschen mit Behinderung. Parallel dazu wird der Standort Sonthofen um 18 Werkstatt-Plätze sowie 12 Förderstätten-Plätze erweitert. Hintergrund ist die kontinuierliche Veränderung der Beschäftigten-Zahlen. Bis 2020 rechnet man mit etwa 840 Beschäftigten mit Behinderung. Aktuell sind es bereits über 600, 270 davon werden allein im Haus Zeppelinstraße 5 arbeiten. „Es ist unsere gesetzliche und auch moralische Verpflichtung, diesen Menschen mit Handicap einen Arbeitsplatz bieten zu können“, betonte Michael Hauke. Begleitet von vier Musikern der Bläsergruppe Lenzfried marschierten und rollten die Beschäftigten und ihre Betreuer die 700 m lange Wegstrecke zu ihrer neuen Arbeitsstätte. „Schön, dass Ihr hier seid“, begrüßte sie Werkstattleiter Karl-Heinz Häfele mit einer Blume, während Kollegen bunt bemalte Glückssteine verteilten. Von der Einhäusigkeit verspricht man sich kürzere Wege, effektiveres Zusammenarbeiten – und mehr Gemeinschaft bei Arbeitsbegleitenden Maßnahmen und Freizeitangeboten im Haupthaus. Bei einer Brotzeit schauten sich die Neuankömmlinge in ihrer neuen Arbeitsstätte um. „Hier wohne ich jetzt“, meinte ein junger Mann mit Handicap und liess zufrieden seine Augen über seinen Gruppenraum wandern.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Das „Große Loch“ im Fernsehen
Das „Große Loch“ im Fernsehen
Erlebnistag im Grünen Zentrum
Erlebnistag im Grünen Zentrum
Eröffnung der "MangBox" in Kempten
Eröffnung der "MangBox" in Kempten

Kommentare