"Das Juwel des Allgäus"

Vor mehr als 35 Millionen Jahren, im Tertiär, hat sich der Alpenkörper aufgefaltet. Im Norden der Bergkette entstand bei diesem Prozess eine Senke. Erst viel später, mit dem Abschmelzen des Rhein- und Illergletschers vor rund 15000 Jahren, bahnten sich die Wassermassen ihren Weg nach Norden und es entstand der Eistobel. Dessen Erschließung vor 125 Jahren war Anlass für eine Jubiläumsfeier am vergangenen Wochenende.

Nachdem zu Beginn der Feier die Alphornklänge verhallt waren, stellte der Grünenbacher Altbürgermeister Olaf Hoffmann mit Blick auf das Wetter fest: „Wir fangen an, bevor es zu schneien beginnt.“ Humorvoll, kurzweilig und mit viel Esprit ließ er in seinem Grußwort zum 125-jährigen Jubiläum die neuere Geschichte des Eistobels Revue passieren. Anlass zur Erschließung der Riedholzer Wasserfälle, wie der Eistobel damals noch genannt wurde, war die Anbindung der benachbarten Stadt Isny an das Eisenbahnnetz. Zug um Zug wurde der Eistobel zwischen Maierhöfen und Grünenbach als touristische Attraktion für die ersten Sommerfrischler zur Begehung zugänglich gemacht. „Einsatz und Mut waren notwendig, das ging nicht ohne Schmerzen ab“, sagte Hoffmann mit Blick auf die Anfänge. Bis auf den heutigen Tag hat sich daran kaum etwas geändert, noch immer ist im Eistobel Handarbeit gefragt. 125 Jahre Zeitgeschichte, das bedeutet auch zwei Weltkriege, Währungsreform und Weltwirtschaftskrise. Doch von alldem ist die Natur im Eistobel weitgehend unberührt geblieben. Nur einmal bestand kurzfristig eine ernsthafte Gefahr für die Natur im „Juwel des Allgäus“, wie Hoffmann das Naturschutzgebiet Eistobel bezeichnete. Das war im Jahr 1996, als er gerade frisch zum Bürgermeister gewählt war. Bei seiner ersten Begehung des Eistobels sah er umgestürzte Bäume, totes Holz und Hangrutschungen. „Hier muss gründlich aufgeräumt werden, war mein erster Gedanke“, beschrieb Hoffmann seinen Plan. Im Wissen um seine militärische Gründlichkeit und seine Tatkraft mussten die Festgäste unwillkürlich schmunzeln. Doch dem Eistobel blieb Schlimmeres erspart, denn schnell ließ sich Hoffmann eines Besseren belehren und mutierte vom Ordnungsfanatiker zum engagierten Verfechter und Schützer der unberührten Naturschönheit. Und doch ist in den letzten Jahren viel geschehen. Der Eistobelverein erwarb Grund, legte Parkplätze an, baute die Wege naturverträglich aus und erstellte ein neues Infozentrum. Seinen besonderen Dank richtete Hoffmann an Dr. Lutz Spandau, den Vorsitzenden der Allianz-Umweltstiftung. „Landauf landab tut er gute Dinge“, formulierte Hoffmann seinen Dank für die finanzielle Unterstützung beim Bau des 2007 eingeweihten Infozentrums. „Doch ohne die Eistobelfamilie“, so Hoffmann „wäre all das nicht möglich gewesen.“ Mit diesen Worten dankte er Gerlinde und Franz Faltner, Alfons Wiest, Bernhard Kolb sowie Manfred und Jürgen Faltner für ihren unermüdlichen Einsatz. Mit einer Urkunde und Gutscheinen für die regionale Gastronomie wurde das langjährige Engagement und die Treue der „Familienmitglieder“ belohnt. „Macht es euch gemütlich bei dem Sauwetter“, mit diesen Schlussworten eröffnete Hoffmann das Fest rund um das von Architekt Armin Briegel und Landschaftsarchitekt Ehrhard Bolender gestaltete Infozentrum. Die Räume darin sind hell und transparent, das Gebäude aus heimischer Weißtanne ist perfekt in die Landschaft integriert und mit tollen Ideen wird das Geotop eindrucksvoll und interessant präsentiert. Faszinierende Erdgeschichte Sprechende Steine erzählen die Geschichte des Eistobels. Ein großes Modell, in dem man durch eine Handpumpe Wasser in Bewegung setzen kann, zeigt anschaulich die Entstehung der so genannten Strudellöcher. Im Eistobelkino, einem Vorführraum, informiert ein Film über die Schönheiten des Naturschutzgebietes und der umliegenden Westallgäuer Voralpenlandschaft. Das Modell der alten Eisenbahnbrücke ist Anziehungspunkt für Groß und Klein. Gut 70000 Besucher pro Jahr sprechen für sich. Der Eistobel hat auch nach 125 Jahren nichts von seiner Faszination eingebüßt.

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