"Das Schlimmste kann verhindert werden"

Mit provokanten Thesen zum Thema erneuerbare Energienzog der Fernsehjournalisten Franz Alt rund 80 Zuhörer in seinen Bann. Foto: Tröger

Seit langem tritt Franz Alt vehement für ein energiepolitisches Umdenken ein. Bei seinem vom „Renergie Allgäu e.V.“ veranstalteten Vortrag „Sonnige Aussichten – Wie Klimaschutz zum Gewinn für alle wird“, nahm der prominente Fernsehjournalist kein Blatt vor den Mund. Die „unsägliche“ Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken bezeichnete er als „Anschlag auf die Schöpfung“.

Angesichts der vielen tausend Toten in Tschernobyl gehörten für ihn „Politiker alle ins Gefängnis“. Sarkastisch meinte er zu den etwas sichereren deutschen Atomkraftwerken: „Sie explodieren später“. Dabei, so Alt, „haben wir Alternativen“. Wir seien die erste Generation, die, vor allem wegen falscher Energiepolitik, täglich über hundert Tier- und Pflanzenarten ausrotte. „Der Irak war das Vorspiel zu dem, was noch kommen wird“, nannte er „Krieg für Öl“ als Grund für die Massenmorde. Um die Sonne dagegen, die „uns jede Minute 15 000 Mal mehr Energie liefert als wir brauchen“, könne niemand Krieg führen. Mit erneuerbaren Energien (eE) sei der Klimawandel zwar nicht mehr aufzuhalten, aber „das Schlimmste kann verhindert werden“. Er kritisierte, dass man sich bislang nur mit CO2 beschäftigt habe, obwohl Methan das Klima wesentlich stärker zerstöre. „Wir haben in wenigen Jahren verbraucht, was in Jahrmilliarden aufgebaut wurde“, bedauerte er den sorglosen Umgang mit endlichen Ressourcen, mit dem die „Natur nicht mehr klar kommt“. "Verfilzt und zugenäht" Aber auch beim Energiesparen sah Alt noch großes Potential. Beispielsweise habe VW schon vor Jahren ein Ein-Liter-Auto vorgestellt, das heute nur im Museum zu finden sei. „Es ist eine Frage des politischen Willens“, kritisierte er. Seines Erachtens könne bis zum Jahr 2050 der Energiebedarf zu 40 Prozent solar, zu 15 Prozent aus Windkraft, zu zehn Prozent aus Wasserkraft, zu fünf Prozent aus Erdöl und zu 30 Prozent aus Biomasse – vor allem durch das sehr schnell wachsende Schilfgras, das „15 Mal mehr Biomasse bringt als Rapsöl“ – gedeckt werden. Das Problem sei die Abhängigkeit von der Energiewirtschaft, die er als „verfilzt und zugenäht“ betrachtete. „Es gibt kein einziges Land auf unserer Erde, das sich nicht selbst mit Energie versorgen kann“, machte er deutlich. Wenig Verständnis zeigte er dafür, dass Deutschland seine eigenen Erfindungen, unter anderem für Hybridfahrzeuge, verschlafe und das Feld Ländern wie Japan oder China überlasse. Während in Deutschland immer versucht werde, Photovoltaikanlagen „zu verstecken“, werde in Japan diesbezüglich auch „gut sichtbar geklotzt“. Sind AKWs sexy? Auch die von Windkraftgegnern oft ins Feld geführte Landschaftsverschandelung konnte Alt nicht nachvollziehen. „Wie sexy sind eigentlich AKWs in der Landschaft?“, fragte er. Das größte Problem, so Alt, sei die „Nicht-Informiertheit“. „Es sind nicht die bösen Politiker, sondern die vielen Guten, die nichts tun, weil sie nichts wissen“, legte er die Verantwortung etwas zum Erhalt unseres Planeten beitragen zu können, in die Hände jedes einzelnen.

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