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Mit deftigen Sketchen in die Fastenzeit

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Gut gelaunt am politischen Aschermittwoch der ÖDP mit Sketchen, Liedern, Gedichten und Rap: Die Stadträte (stehend v.l.) Helmut Hitscherich, Dr. Philip Jedelhauser und Michael Hofer sowie Kreisrat Michael Finger (sitzend). © Mayr

Kempten – Zum 21. Mal hat die ÖDP Oberallgäu zum politischen Aschermittwoch ins Pfarrheim St. Anton eingeladen. Die vier Räte der Unabhängigen Bürger und ÖDP Stadtrat Michael Hofer, Dr. Philip Jedelhauser, Helmut Hitscherich und im Kreisrat Michael Finger führten durch einen geselligen Abend in familiärer und ungezwungener Atmosphäre. Nach Krautkrapfen, Kässpatzen und Weizenbier konnten die Gäste im vollen Pfarrheimsaal deftigen Sketchen, herrlich umgeschriebenen Liedern sowie Gedichten lauschen, in denen die ökologischen Folgen der wirren Staatspolitik, die Kemptener Stadtpolitik und „König Söder“ als auch „Dickkopf Klotz“ auf den Arm genommen wurden. Jazz- und Blues-Musiker Rainer Schmid verschönerte die Pausen mit seinem Spiel am Klavier und sang passend unter anderem den Klassiker „What a wonderful World“.

Der erste Akt: „Wo sind meine Buben“, ruft Michael Hofer alias begriffsstutziger Hinterbänkler Stadtrat A seine Ratskollegen Dr. Philip Jedelhauser als geschmeidigen Haushaltsexperten und Vizefraktionsvorsitzenden sowie Helmut Hitscherich als strategisch denkenden Fraktionsvorsitzenden auf die Bühne. In ihrem Sketch zur wundersamen Schuldenfreiheit von Kempten Ende 2019 spielen sie den vermuteten Verlauf der Fraktionssitzung einer Partei im Jahr 2018 nach. „Ihr müsst innovativ sein“, lehrt der Fraktionsvize seine Mitstreiter, um den Kernhaushalt der Stadt schuldenfrei zu machen. Ein bisschen einfache Tilgung über die Rücklagen und das kreative Auslagern der weit gefassten Tourismussparte aus dem Kernhaushalt in das Kemptener Kommunalunternehmen, und schon gelingt die Schuldenfreiheit pünktlich zur baldigen Kommunalwahl.

»Vom Allgäu hoch da komm ich her...«

...beginnt Hofer im zweiten Akt sein Lied über den Bahnverkehr, der immer noch stinkt vor lauter Diesel, nicht fährt, da es überraschend schneit und der Rad- sowie Busverkehr fallen der Huldigung des Autowahns zum Opfer. Nur ein Fazit lässt Hofer zu: „Verkehrsmäßig leben wir hinter’m Mond – die schwarze Ignoranz über allem thront.“ Im dritten Akt braucht Hofer wieder seine Buben, für den mit dem Refrain des Abends untermalten Rundumschlag über die Stadtpolitik. Punkt eins: die neue Bibliothek. Warum es sich einfach machen – mit guten Ideen zur Erweiterung und Modernisierung der Orangerie – wenn es mit der „Unvernunft im Stadtrat“ auch kompliziert geht. Nun wüssten im Moment nur die Götter, ob, wann und was passiert. Über das Hin und Her mit Baudenkmälern wie dem Beginenhaus, dem neuen Sparkassenquartier, der Burghalde und dem Wohngebiet in spe an der Halde Nord mokieren sich die drei Räte außerdem. Einen kreativen Vorschlag haben sie für die aus Sicherheitsproblemen – diese waren durchaus bekannt – missglückte Stelen-Verschönerung des Dachser Kreisels: Eine Mahntafel mit Inschrift: Hier sollte das Stelen Kunstwerk stehen.

Schwarzer Zoff

Alle drei Stadträte freuen sich zudem auf eine spannende Zeit im „Tollhaus“, in der die Bürgermeister von CSU und Freien Wählern gegen die Staatsregierung auf die Barrikaden gehen, weil sie auf den Kosten für Straßenausbau und -erschließung sitzen bleiben sollen. Da es schon um Zoff geht oder besser ums „Zerfleischen im Kreis der Schwarzen“, ist anschließend Landrat Anton Klotz alias „Einer gegen alle“ an der Reihe. Was kümmern ihn Bebauungspläne, Bestimmungen für den Einzelhandel oder EU Richtlinien zum Schutz von Flora und Fauna? Wer demnächst in Ruhestand gehe, habe Narrenfreiheit und keine sachlichen oder politischen Bedenken. Hauptsache es gebe einmal sein Denkmal für die Geschichte. „Wer blickt da noch durch, wer kommt da noch mit – wenn man’s recht bedenkt, dann ist das alles ganz verrückt“, wird zwischen dem Themenallerlei immer wieder geträllert, singstarke Gäste stimmen gern mit ein. 

Coole und sportliche Politiker 

Einen Rap auf beziehungsweise als Markus Söder gibt Kreisrat Michael Finger zum Besten. Mit einem Foto des Ministerpräsidenten vor seinem Gesicht, fragt er: „Können diese Augen lügen? Hier steht der coolste Kerl auf Erden, weil Riedberger Horn und Biene sein ist geil.“ Das Kemptener Politiker auch sportlich sein können, möchten die drei Kemptener Stadträte noch los werden. Über „Zurückrudern und Umfallen“, um es sich mit niemandem zu verscherzen, wenn es um Belange geht wie die Nutzung der Villa Viva oder die Erhöhung der Marktgebühren diskutieren Hofer, Jedelhauser und Hitscherich im vierten Akt. Manch „Schwarzer“ habe ein erstaunliches Abstimmungsverhalten, um sein Gesicht nach außen nicht zu verlieren – im Ausschuss nein, im Stadtrat ja oder besser doch umgekehrt? 

Als Zugabe: Die Vogelhochzeit 

In Zeiten des erfolgreichsten Volksbegehrens in Bayern durfte die Artenvielfalt nicht fehlen. Michael Hofer übernahm den letzten Akt des politischen Aschermittwochs der ÖDP und sang in Versform des Kinderliedes über Lerche, Auerhahn und Biene, denen das Leben durch zu häufiges Mähen, den Tourismuswahn und die Pestizide schwer gemacht wird. Der Schweineschwanz, der ohne Betäubung ab soll, die Hormone und Antibiotika in der Nutztierhaltung und sogar die künstliche Bestäubung von Pflanzen in China bekamen ebenfalls eine Strophe. Dafür schwang Hofer ein überdimensionales Ohrenstäbchen im Takt des Liedes. Und die Moral von der Geschicht oder die Übersetzung des Refrain Fiderallala: Geiz ist geil, mein Freund, Geiz ist geil mein Freund – doch alles rächt sich auf der Welt. Ein trauriges Schlusswort zwar, aber auch damit ein gelungener Abend. 

Annette Mayr

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