Mehrwertsteuer runter bei weniger Hilfen

DEHOGA-Kreisvorsitzender Michael Heel im Gespräch mit Stephan Thomae

Aufmerksam lauschten die FDP-Politiker Stephan Thomae, MdB, (l.) und Stadtrat
Ullrich Kremser (M.) den Schilderungen der Familie Heel, im Hintergrund Thomas Heel.
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Aufmerksam lauschten die FDP-Politiker Stephan Thomae, MdB, (l.) und Stadtrat Ullrich Kremser (M.) den Schilderungen der Familie Heel, im Hintergrund Thomas Heel.

Kempten/Landkreis – Als Bundestagsabgeordneter möchte der FDP-Politker Stephan Thomae seine Hand am Puls der Zeit haben. So lud sein Wahlkreisbüro am vergangenen Montag zu einem Gedankenaustausch über die Folgen des zweiten Lockdowns für Gastronomie und Hotellerie im nördlichen Oberallgäu. Gemeinsam mit dem FDP-Kreisvorsitzenden Oberallgäu Michael Käser und dem FDP-Stadtrat Ullrich Kremser traf man sich mit Familie Heel in deren Hotel Restaurant Waldhorn. 

Michael Heel ist zugleich Kreisvorsitzender der DEHOGAKempten. Thomae ließ zu Beginn des Gesprächs erkennen, dass auch er die derzeit geltende Regelung für die Betroffenen aus Gastronomie und Hotellerie für ungerecht hält. „Die Branche hat die geforderten Hygienemaßnahmen umgesetzt, die Infektionszahlen gingen nicht nach oben, somit sollte es nach dem Verständnis der FDP Ausnahmen vom scharfen Lockdown geben“, so Stephan Thomae.

Eigenkapital schmilzt

Für die ansässige Gastronomie zeichnet der DEHOGA-Kreisvorsitzende ein düsteres Bild. Den Betreibern von gastronomischen Betrieben säßen die Banken im Nacken, deren Kredite bedient werden müssten. Es gelte Schulden zurück zu zahlen, was ohne den Zugriff auf Rücklagen schlechterdings nicht möglich sei. Dieser Rückgriff ist aus der Sicht des Experten fatal, weil in den meisten Fällen auf Eigenkapital zurückgegriffen werden müsse, das u.a. für die eigene Altersversorgung vorgesehen sei. So ist es auch bei der Familie Heel der Fall, bestätigt der Seniorchef: „Wir kommen durch die Krise, müssen aber auf Eigenkapital zurückgreifen. Dieses Geld aber wird uns, wie anderen Betroffenen, zukünftig für Investitionen fehlen.“ Deshalb fordert Familie Heel von den Verantwortlichen in der Politik eine Änderung ihrer bisherigen Strategie zur Lösung der Krise. Weniger Kredite, Übergangshilfen und Stundungen, dafür eine generelle Herabsetzung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie von derzeit 19 Prozent auf zukünftig 7 Prozent. Zudem sollten die Verluste des laufenden Coronajahres mit den Gewinnen der ertragreichen Geschäftsjahre 2018 und 2019 verrechnet werden dürfen. Für diesen Verlustvortrag macht sich die FDP stark, die mit diesem Instrument genau die Unternehmen aus der Krise führen möchte, die auf gesunden Füßen stehen. „Mit immer neuen Hilfsleistungen, die im Gießkannenprinzip verteilt werden, ziehen wir Betriebe mit durch, die die Krise ohnehin nicht überleben werden“, urteilt Thomae. 

Mehrwertsteuer runter 

Der Forderung nach einer Minderung der Mehrwertsteuer schließen sich die anwesenden FDP-Politiker gleichfalls an. Auch wenn die Forderung der Freidemokraten nach einer Mehrwertsteuersenkung im Beherbungsgewerbe aus dem Jahr 2010 öffentlich nur schlecht zu vermitteln gewesen sei, wie MdB Stephan Thomae zugibt, so war die Umsetzung tatsächlich ein großer Erfolg. Das bestätigt auch Michael Heel: „Die Herabsetzung hat dazu geführt, dass die zugewonnenen Mittel u. a. in Renovierungs- wie Sanierungsarbeiten in der Branche eingesetzt wurden. Zudem konnten mehr Menschen in Beschäftigung und Jugendliche in Ausbildung gebracht werden.“ Dass der Zugewinn an Kapital auch bei der Familie Heel nicht angelegt, sondern investiert wurde, zeigt die Eröffnung des Michlhof, die stetig gestiegene Mitarbeiterzahl und neun Jugendliche, die sich derzeit im Familienbetrieb in der Ausbildung befinden. Glücklich ist man im Hause Heel auch darüber, dass man selbst im Krisenjahr 2020 den Mitarbeitern ein 13. Monatsgehalt und Weihnachtsgeld auszahlen konnte. Auf die Zukunft gerichtet fordert der DEHOGA-Vorsitzende allerdings ein schnelles Umdenken in der Politik und die Herabsetzung der Mehrwertsteuer. „Mit einem verminderten Mehrwertsteuersatz sind wir in der Gastronomie in der Lage, uns selbst von den Corona-Folgeschäden zu erholen“, sagt Michael Heel. Thomae verspricht sich dafür einzusetzen, dass „mehr Netto vom Brutto bleibt“ und dass es der Hotellerie ermöglicht wird, zumindest die Rundfunkgebühren für ungenutzte Hotelzimmer erlassen zu bekommen. Michael Heel ist es am Ende wichtig zu betonen, dass die Gastronomie nicht für sich selbst, sondern auch für das Überleben der Innenstädte und des menschlichen Miteinanders von herausragender Bedeutung sei.

Jörg Spielberg

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