Besuch aus der Ukraine

Lauter Überraschungen für den OB

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Der Kemptener Wirtschaftsreferent Dr. Richard Schießl (links) begleitet die ukrainische Delegation aus dem Gebiet Tschernigiw mehrere Tage lang durch Kempten.

Kempten – Kleine Stadtfähnchen, Bilder, handwerkliche Volkskunst: Als am vergangenen Mittwoch 26 Kommunalpolitiker aus der ukrainischen Region Tschernigiw die Schrannenhalle besuchten, überhäuften sie den Kemptener Oberbürgermeister Thomas Kiechle nahezu mit Geschenken. 

Dieser erwies sich als ebenso guter Gastgeber, indem er sich trotz Termindrucks Zeit für seine osteuropäischen Amtskollegen nahm. 

„Wo muss ich Sie ansiedeln? Bei Kiew?“, fragte Kiechle nach der Begrüßung. Seine Vermutung war fast richtig, das Gebiet um Tschernigiw liegt rund 100 Kilometer nordwestlich der ukrainischen Hauptstadt. „Wir nehmen fast täglich Nachrichten aus der Ukraine wahr, die uns beunruhigen“, sagte der OB. Deswegen sei er „überrascht über den Besuch“. Tat-sächlich wirkten die Gäste, unter denen 23 Bürgermeister waren, trotz der angespannten politischen Lage in ihrem Hei-matland auffallend unbeschwert. Neugierig inspizierten sie die Schrannenhalle und klopften an die dortigen Holzsäulen und -balken. 

„Sie sind hier in einer der schönsten Regionen Deutschlands“, so Kiechle. Dennoch habe das Allgäu im Gegensatz zu anderen Gebieten Nachteile. Noch vor 150 Jahren sei die Region arm gewesen, was durch die Nähe zur Grenze bedingt gewesen sei. „Heute ist Kempten eine junge, dynamische Stadt.“ Auch auf den Neubau des Rathauses im Jahr 1474 ging Kiechle ein. „Die Balken, die sie hier in der Schrannenhalle sehen, stammen noch aus dieser Zeit.“ Abermals klopften einige der Delegierten an das Holz.

„Egal ob in Kempten, der Ukraine oder im restlichen Europa, eine starke Selbstverwaltung der Gemeinden ist wichtig“, fuhr Kiechle fort. Sie sei eine Grundbedingung für die „hervorragende Entwicklung“ in den Kommunen. Die Selbstverwaltung von Städten und Gemeinden sei etwas, „wofür wir hier in Bayern und Deutschland immer wieder kämpfen müssen“. Die politische Kommune vor Ort müsse frei in ihrem Handeln sein. Die letzten Kommunalwahlen in Bayern und die Europawahl hätten gezeigt, dass es ein großes Parteienspektrum in Deutschland gibt. „Uns eint die gleiche Kultur in Europa, das sollten wir nicht vergessen“, betonte der OB. Er wünschte den Gästen, die mit dem Bus nach Kempten gekommen wa-ren, eine Heimfahrt ohne Zwischenfälle. An die Rückfahrt wollte die ukrainische Abordnung in diesem Moment indes noch nicht denken. „Ich bin der Älteste hier und das ist alles etwas neu für mich“, meinte Mykola Belan, Bürgermeister der Stadt Korop. Er überreichte Kiechle einen ganzen Beutel voller Geschenke. „Wir freuen uns, in Deutschland zu Gast zu sein“, sagte Valentyna Saverska, eine der beiden Frauen aus der Delegation. Das Land sei genauso schön wie die Ukraine. Deutschland sei ein gut entwickelter Staat. „Ich bin beeindruckt von der Natur und der Landschaft des Allgäus“, meinte Sergiy Zhurman, der ein ukrainisches Trachtenhemd trug. Er schenkte Kiechle unter anderem eine Flasche Wodka. „Das kenne ich“, lautete der Kommentar des Beschenkten dazu. Später erhoben einige der Gäste die Sektgläser. „Es lebe die Ukraine“, rief Pavlo Shymko, Bürgermeister von Bakhmach.

Am nächsten Tag stand die Heimreise auf dem Programm. Die Ukrainer waren von Sonntag bis Donnerstag vergangener Woche in Kempten. Sie besichtigten unter anderem das Müllheizkraftwerk, die Kläranlage und das Technologiezentrum. Der Kemptener Wirtschaftsreferent Dr. Richard Schießl begleitete sie dabei. Initiator des Besuchs war die Hanns-Seidel-Stiftung. fk

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