Architektouren locken auch in Kempten

Architektur bewegt auch in Kempten

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Landschaftsarchitekt Wilhelm Müller (Mitte) und und Thomas Meusburger vom Büro f64 architekten (2.v.re.) stellten den „Architektouristen” die in neuem Glanz erstahlte Robert-Schuman-Schule in Kempten-Sankt Mang vor.

Kempten – Unter dem Motto „Architektur bewegt!“ standen die deutschlandweiten „architektouren“ in diesem Jahr und auch das architekturforum allgäu lud zur Besichtigung ausgewählter Objekte ein. 

Für alle, die nicht individuell auf architektour gehen wollten, stand ein kostenloser Bus bereit, der unter anderem drei Bauten in Kempten ansteuerte. Vor Ort gaben die jeweiligen Architekten Auskunft und beantworteten Fragen. Ob es daran lag, dass sich diesmal keine Wohnhäuser, sondern ausschließlich Gebäude im öffentlichen Raum unter den Besichtigungsobjekten befanden, oder weil an diesem letzten Juniwochenende reihum eine Menge geboten wurde: anders als in den Jahren zuvor war es eine eher überschaubare Zahl an Interessierten, die sich in Kempten auf den Weg machten. Zu unrecht, wenn man bedenkt, dass Architektur, einfach durch ihr Vorhandensein, unser aller Leben tagtäglich beeinflusst. Zwei Kindertagesstätten und eine Schule standen in Kempten auf dem Tourenplan. Drei Um- beziehungsweise Erweiterungsbauten, die den Beweis liefern, dass sich Funktionalität, Originalität, Ästhetik und (Wohlfühl-)Atmosphäre nicht ausschließen. Die Kombination aus Grüntönen und Weiß dominiert im neuen Teil der Integrativen Tagesstätte „Miteinander” beim Franzosenbauer. Das Altgebäude aus den frühen 1980er Jahren wurde vom Kemptener Büro heilergeiger architekten und stadtplaner durch ein mit Passivhauselementen ausgestattetes Gebäude für eine Kinderkrippe erweitert. Großflächige Fensterfronten und Rückzugsnischen im Inneren ermöglichen den Kleinkindern auf Nähe und Distanz zu gehen. Für Begeisterung sorgte der Schlafraum mit seinen kleinen weißen Stockbettchen, die sich übers Eck an die hintere Wand schmiegen. Und das nicht nur bei den Besuchern, wie Sigrun Schöffel von der Diakonie erzählte: „Die Betten sind bei uns der absolute Renner“, vor allem die oberen Plätze seien als erste weg gewesen. Diese sind mit einer Mischung aus Holzfront und Fenster versehen, dessen Glaspartien wie Seifenblasen-Gucklöcher aussehen.Über 100 Kinder werden im Eingangs- „mit Essensbereich oder Aula“ in der Kindertagesstätte Oberlinhaus im Freudental verköstigt, die das Kemptener Architekturbüro Hermann Hagspiel als winkelförmigen Neubau für Kindergarten- und Krippenkinder angelegt hat. Auch hier herrscht eine helle und großzügige Atmosphäre, in der die - auch funktionalen - Bedürfnisse der Kinder ebenso berücksichtigt sind wie die des Betreuungspersonals. Beeindruckend ist hier unter anderem die große Gartenanlage, die originell mit der großflächigen Terrasse des ersten Obergeschos- ses verbunden ist. So konnten viele Besucher dem Vergnügen einer Rutschpartie nicht widerstehen und zogen es vor auf dem Hosenboden statt über die Treppe von der Terrassen- ins Gartengeschoss zu wechseln. Zwei Jahre lang hat das Kemptener Büro f64 architekten an der Mitte der 1960er Jahre, aus heutiger Sicht in ziemlich waghalsiger Konstruktion erbauten und durch Ergänzungen immer wieder „verbau- ten“ Robert-Schuman-Mittelschule in Kempten-Sankt Mang an der Erweiterung, dem Umbau und der Generalsanierung gearbeitet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und, Schulleiter Herbert Rotter zufolge, lebt es sich auch bestens.Eine Oase wurde hier gleichermaßen mit der vom Kemptener Büro für Land- schaftsarchitektur Wilhelm Müller kreierten Außenanlage geschaffen, die, so Müller, „Raum für Bewegung“ gebe und „auch außerhalb der Schule ein beliebter Treffpunkt geworden“ sei. Zentraler Punkt der innen wie außen in enger Zusam- menarbeit mit Schülern und Lehrern gestalteten Schule ist der Innenhof, in dem Bezüge zur Praxis geschaffen wurden, zum Beispiel durch den dort angelegten Kräutergarten als Ver- bindung zur Hauswirtschaftsabteilung. ct

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