"Den Kindern etwas zutrauen"

Mit „Peter Pan – Fliege deinen Traum“ kommt am Sonntag, 3. Mai, ein Familienmusical auf die Bühne der bigBOX. Hinter der Inszenierung steht Christian Berg, der als Regisseur, Produzent und Schauspieler schon seit 20 Jahren auf Musiktheater für Groß und Klein setzt. Im Gespräch mit dem KREISBOTE erzählt Berg, was Peter Pan für ihn bedeutet, warum er so gerne den Captain Hook spielt und warum Konstantin Wecker der richtige Komponist für seine Musicals ist.

Herr Berg, Sie bezeichnen sich auf Ihrer Internetseite selbst als „Bühnenarbeiter und Ideenfabrikant“. Was muss man sich darunter vorstellen? Berg: „Ich habe mich nie so besonders wichtig genommen. Immer wieder haben mich Leute gefragt: Sind sie Schauspieler? Oder Autor? Oder Geschäftsmann? Da habe ich einfach gesagt: Ich bin Bühnenarbeiter. Und genauso, wie andere Menschen Heftzwecken oder Schuhe herstellen, produziere ich Ideen. Ich habe einfach etwas griffiges gesucht, um das zu beschreiben.“ Sie haben als Clown begonnen, eine Schauspielausbildung genossen und hatten auch schon ein Engagement bei den Badischen Kammerspielen. Weshalb sind sie trotzdem beim Kindertheater geblieben? Berg: „Ich mache kein Kindertheater, ich mache Familiy-Entertainment. Wir haben bei unseren Aufführungen einen Erwachsenenanteil von 60 bis 65 Prozent. Familiy-Entertainment wurde früher mit sehr wenig Liebe und Respekt gemacht. Die Qualität ist über die Jahre zum Teil besser geworden, aber die billigen Produktionen haben andererseits auch zugenommen. Gott sei Dank gibt es heute eine Kinder-Kino-Szene, aber da wird andererseits auch alles mögliche verwurschtet.“ Haben Sie sich deswegen bei ihren Musicals Klassikern zugewandt? Berg: „Klassikern der Literatur. Peter Pan und Alice im Wunderland, das ich als nächstes inszeniere, waren nie als Kinderbücher gedacht. Jedes gute Kinderbuch handelt von Liebe, Freundschaft und Toleranz. Und gerade Toleranz ist ganz schwer Kindern beizubringen. George BUSH hat auf die Frage, welches Buch er als Kind am liebsten mochte, einmal geantwortet, ‚Die kleine Raupe Nimmersatt’. Als das herauskam, war er allerdings schon mit dem College fertig. Ich denke, wenn man George BUSH als Kind mehr vorgelesen hätte, wäre er vielleicht ein ganz anderer Mensch geworden.“ Sie schreiben unter Ihren persönlichen Gedanken auf Ihrer Internetseite „Peter Pan geht jetzt auf Tour, mein Traumstück“. Was macht Peter Pan für Sie so traumhaft? Berg: „In der Psychologie gibt es verschiedene Syndrome. Bei den Mädchen gibt es das Cinderella- Syndrom, die warten dann ewig auf den Richtigen. Bei den Männern gibt es das Peter-Pan-Syndrom, die wollen dann einfach nie Erwachsen werden. Dafür gibt es Tests, die kann jeder machen. Ich habe den Fest schon vor 20 Jahren bestanden. Meiner Verantwortung als Erwachsener entziehe ich mich natürlich trotzdem nicht. Das fällt ja irgendwann auf einen zurück.“ Wieso spielen Sie gerade den Bösewicht, Captain Hook? Berg: „Ich war zu alt für den Peter Pan, da habe ich die Rolle widerwillig angenommen. Mittlerweile sage ich, es ist die schönste Rolle meines Lebens. Es macht sehr viel Spaß, die Kinder so richtig zu ärgern, ich gehe viel auf das Publikum ein. Hook ist ein Bösewicht, aber er ist auch dumm. Ich glaube übrigens wirklich, dass alle bösen Menschen dumm sind. Sie glauben ja schließlich, dass sie mit Unehrlichkeit gut durchs Leben kommen.“ Sie arbeiteten bei Peter Pan mit Konstantin Wecker zusammen, und das nicht zum ersten Mal. Haben Sie ihn dazu angeregt, für Kinder zu schreiben? Berg: „Ich habe ihn zwei Jahre nach seinem Kokainskandal kennen gelernt, da hat mein Management mich gewarnt, gerade mit ihm Familienunterhaltung zu machen. Im Endeffekt war das Jim-Knopf-Musical für ihn aber das Comeback. Bald feiern wir zehnjähriges Jubiläum, wir hatten bisher fast zehn Millionen Zuschauer. Das muss uns erstmal einer nachmachen. Mir gefällt, dass er nicht versucht, sich mit LaLaLa bei den Kindern anzubiedern. Wir machen einfach Musik, Punkt. Man muss den Kindern auch etwas zutrauen. Das gleiche ist es bei meinen Büchern. Wenn ein Verleger zu mir sagt, ‚die Kinder kennen das Wort aber nicht’, dann sage ich ‚na gut, dann lernen sie es jetzt’.“ Ihre Tournee führt sie auf einem wilden Zick-Zack-Kurs quer durch den deutschsprachigen Raum. Wie bringen Sie Tourneestress und die eigene Familie unter einen Hut? Berg: „Man braucht ein gutes Zeitmanagement. Wer das nicht hat, der hat es schwer, mit mir zu arbeiten. Ich habe einen Termintag in der Woche, wer etwas von mir will, muss mich an diesem Tag anrufen. Trotz der Tourneen versuche ich, eineinhalb Tage die Woche bei meinem Sohn in Cuxhaven zu sein.“ Treten Sie zum ersten Mal in Kempten auf? Berg: „Ich selbst bin zum zweiten Mal in Kempten, insgesamt ist es aber schon meine dritte Produktion hier. Auch mit Alice im Wunderland kommen wir wieder, da spiele ich dann die Herzkönigin. Die Bösewichte sind mir irgendwie ans Herz gewachsen.“

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