Click & Hear – Jazzfestival im Livestream

Der Kemptener Jazzfrühling präsentiert internationale Stars – online

Camille Bertault.
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Camille Bertault ist am Dienstag, 27. April, um 20 Uhr im Livestream zu hören.

Kempten – Erstmals in seiner fast vierzigjährigen Geschichte wurde der Kemptener Jazzfrühling 2020 abgesagt. Da die Pandemie das Kulturleben weiterhin lähmt, war für die Programmmacher Improvisation in alle Richtungen gefragt. So kommt der 36. Kemptener Jazzfrühling heuer als Streaming-Festival zum geschätzten Publikum ins Wohnzimmer.

Kinga Glyk, eine begnadete Bassistin, wird live aus Polen zugeschaltet. Bill Frisell, Zauberer an der elektrischen Gitarre, aus New York und Céline Rudolphs wunderbare Stimme wird aus Paris übertragen. Die anderen Künstler werden vom Theater in Kempten aus in den persönlichen Konzertsaal der Zuhörer gezaubert.

Kinga Glyk: Sie ist jung, talentiert, und wird in den Medien als Jazz-Wunder gefeiert – Kinga Glyk. Singen kann sie nicht, sagt die junge Polin über sich selbst. Will sie auch nicht. Lieber beherrscht sie ihren Bass, den sie als Zwölfjährige für sich entdeckt hat, wie keine andere ihrer Generation. Dabei ist der Bassist in der Regel männlich, eher zurückgezogen und zupft diskret im Hintergrund. Als Instrument übernimmt der Bass vorzugsweise eine dienende Rolle. Nicht bei Kinga Glyk. Virtuos entwickelt die Polin auf ihrem Lieblingsgerät eine eigene Handschrift, die überrascht und überzeugt. Die gerade einmal Vierundzwanzigjährige gilt als eines der großen Talente im europäischen Jazz. Mit ihrer frischen, unverbrauchten Art und ihrer geballten Power katapultiert diese junge Frau den Jazz in eine neue Umlaufbahn. Auf Facebook, Snapchat und Instagram hält sie Kontakt zu ihren Fans und bringt auch jungen Menschen ihre Lieblingsmusik – Töne jenseits der Musikindustrie-Puscherei – näher.

Bill Frisell feat. Thomas Morgan & Rudy Royston: Bill Frisell ist ein Zauberer an der elektrischen Gitarre und wurde zu Beginn der Achtziger-Jahre durch Platten von ECM bekannt. Er war nie ein Schnellspieler, ihm geht es um jeden einzelnen Ton. Jeder erhält eine herausragende Bedeutung, so wie jede Pause eine solche erhält. Kein Gitarrist, der derart unterschiedliche Stimmungen erzeugt, wie er.

Was Bill Frisell besonders auszeichnet, sind seine Fähigkeiten als Kommunikator und Klangmaler. Mit seinen Partnern Thomas Morgan und Rudy Royston besteht eine enge Verzahnung. Jeder reagiert auf jeden und der Schlagzeuger ist gleichberechtigter Melodiker. Überhaupt ist Royston ein feinsinniger Vertreter seiner Spezies und Morgan liefert die inspirierende Basis für die fesselnden, immer wieder variierenden Exkursionen der Mitmusiker. Melodien schwirren umher, werden umgedeutet, zerlegt, wieder zusammengesetzt, verändern die Farbe und kommen zurück zum Ausgangspunkt. Eine Reise um die Welt in 90 Minuten.

Great Young Voices of Jazz: Camille Bertault generiert über 275.000 Aufrufe auf Youtube. Und das bei einer Jazzsängerin. Wahrlich nicht alltäglich. Die junge, umtriebige Französin hat das geschafft. Jedoch geht es nicht nur um die Zahl, es geht auch darum, womit. Camille nahm sich einen der herausforderndsten Titel der Jazzgeschichte vor: Giant Steps von John Coltrane und singt jede Note dieses Jahrhundert-Solos nach.

Dabei flattert sie so federleicht durch den Song wie eine Schwalbe an einem lauen Sommerabend. Mag man das als lediglich artistische Spielerei abtun, so beweist Camille auf ihrem Album „Pas de Géant“, mit welcher Leidenschaft und Musikalität sie Songs interpretiert. Sie scheint keine stilistischen Grenzen zu kennen. Die Aria aus den Goldberg-Variationen von Bach, ein Chanson von Serge Gainsbourg, einen selbstgeschriebenen Text über ein Stück von Bill Evans – alles verwandelt Camille Bertault in faszinierenden Jazz.

Céline Rudolph & Trio: Céline Rudolph bewegt sich zwischen Berlin, São Paulo, Paris und New York. In experimentellem Jazz ebenso wie in brasilianischer Musik, afrikanisch geprägter ­World Music, eindringlich interpretierten Chansons und urbanen Singer-Songwriter-Sounds. Die Sängerin und Komponistin lässt sich zwischen Genres, Sprachen und Städten treiben und landet immer punktgenau in der Musik.

Geboren in Berlin, aufgewachsen mit der Plattensammlung der französischen Mutter mit Vorliebe für Chanson und der Passion des deutschen Vaters für Jazz und Bossa Nova, komponiert Céline zunächst als Autodidaktin am Klavier und schreibt mit zwölf Jahren erste französische Songs auf der Gitarre.

Rudolph improvisiert mit Bobby McFerrin, lernt beim Djembemeister Famoudou Konaté, reist nach Brasilien und Westafrika, erfindet ihre eigene, ganz persönliche Lautsprache. Sie wird immer wieder auf einen bestimmten Stil festgelegt, um dann mit einer vermeintlichen Kehrtwende zu überraschen.

  • Die Termine
  • Samstag, 24. April
  • • 18 Uhr Poly Radiation im Stadttheater
  • • 20 Uhr Kinga Glyk Live aus Polen
  • Sonntag, 25. April
  • • 18 Uhr Morley im Stadttheater (AÜW Jazzperlen)
  • • 19 Uhr Duo Müller in der St.-Mang-Kirche (Jazzgottesdienst)
  • • 20 Uhr Jan Luley & Uli Wunner im Stadttheater (Bluescafé)
  • Montag, 26. April
  • • 18 Uhr Dan Popek im Stadttheater (Bluescafé)
  • • 20 Uhr LBT im Stadttheater
  • Dienstag, 27. April
  • • 18 Uhr Le Bang Bang im Stadttheater (AÜW Jazzperlen)
  • • 20 Uhr Great Young Voices – Camille Bertault live aus Paris und Céline Rudolph im Stadttheater
  • Mittwoch, 28. April
  • • 20 Uhr Jazzfrühling-Wettbewerb Kempten im Stadttheater
  • Donnerstag, 29. April
  • • 18 Uhr Organ Explosion Stadttheater
  • • 20 Uhr Jazzbands der Sing- und Musikschule in der Sing- und Musikschule
  • • 20 Uhr Little Miss Umpha & The Ragtigers im Stadttheater (Bluescafé)
  • Freitag, 30. April, jazzNacht
  • • 19 Uhr Soultrouble im Stadttheater
  • • ca. 20 Uhr Hackberry im Stadttheater
  • • ca. 21 Uhr Tom Hauser im Stadttheater
  • • ca. 22 Uhr King Lui and the Jazzmop im Stadttheater
  • • ca. 23 Uhr Anton Dirnberger & Daniel Noske im Stadttheater
  • Samstag, 1. Mai
  • • 18 Uhr Abi Wallenstein & Henry Heggen im Stadttheater (Bluescafé)
  • • 20 Uhr Bill Frisell Trio Live aus New York 4
  • • 22 Uhr Knights of Caesar im Stadttheater
  • Änderungen vorbehalten!

kb

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