COVID-19 hält Einzug in die Kunst

Der Künstler Guenter Rauch stellt im Engelhaldepark seine neue Skulptur mit aktuellem Bezug vor

Der Künstler Guenter Rauch mit seiner Skulptur Covid schläft im Engelhaldepark.
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Die Skulptur „Covid schläft“ mit dem Untertitel „Erwacht durch Berührung“ des Künstlers Guenter Rauch hat für die Menschen eine Botschaft: „Berührung kann zur Bedrohung werden“.

Kempten – „Covid schläft – erwacht bei Berührung“, so der tiefsinnige Titel einer neuen Installation des Künstlers Guenter Rauch, Kunst vom Rand der blauen Berge. Kunstschaffende setzen sich oftmals in ihren Werken mit dem aktuellen Zeitgeschehen auseinander. Die Kunstwerke sind erfüllt mit Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühlen. Sie können eine Botschaft überbringen, die Menschen für Entwicklungen sensibilisieren und Einblicke in die Lebensweise ganzer Völker oder auch Epochen geben. „Die Idee zu der Skulptur kam mit Corona. Das Werk und der Virus entwickelten sich miteinander“, beschreibt Guenter Rauch die Entstehung.

Die Installation soll Covid-19 und die damit verbundenen Gefahren symbolisieren. Das Kunstobjekt spiegle für ihn eine Situation wider, an die sich die Menschen vielleicht in späteren Jahren mit Angst und Schrecken erinnern werden, erklärt der Künstler. Im Rahmen einer kleinen Kunstveranstaltung in Anwesenheit von OB Thomas Kiechle und Kulturamtsleiter Martin Fink wurde ergangene Woche die aus Buchenholz gefertigte Skulptur im Engelhaldepark ausgestellt. Der gebürtige Kemptener Rauch ist freischaffender Künstler, der neben Malerei und Zeichnungen viel mit Naturmaterialen wie Holz und Stein arbeitet. Eines seiner bekannten Kunstprojekte ist die Installation Porta Alpinae, eine philosophische und zugleich moderne Installation. Sein neues Kunstwerk sollte eine liegende Figur werden, bedingt durch den bereits vorhandenen Buchenstamm, erklärt Rauch. Aber erst die Pandemie zeigte ihm die Richtung.

„Das künstlerische Werk musste etwas mit Covid-19 zu tun haben“. Es entstand eine Holzfigur, vier Meter lang und handwerklichin grober Struktur, ungeschliffen und rau gearbeitet. Der Riese liegt auf zwei Querstämmen in der Wiese vor dem kleinen See im Engelhaldepark,gesichtslos, mit einem angedeuteten Pferdefuß und nicht ausgearbeiteten Händen, die weit über dem Kopf nach hinten gestreckt sind. Neben der Skulptur hat der Künstler einen Hinweis angebracht: „Covid schläft! Obacht! Der Riese Covid erwacht bei Berührung.“ Ein trügerischer Schlaf, aus dem der Virus durch soziale Nähe und Berührung jederzeit erwachen kann. Das Gesicht in blauer Farbe, ohne Augen, Nase und Mund deutet auf Anonymität und etwas Hässliches hin.

„Corona kann man nicht beschönigen“, so Rauch. Der Pferdefuß stellt die Verbindung zur Mythologie her. Es sei ein Zeichen, „der Teufel ist mit im Spiel“, beschrieb der Bildhauer seine Gedanken dazu. Eine nachdenkliche Installation, die den Betrachter mit dem aktuellen Geschehen auf subtile Weise konfrontiert. Die Skulptur soll die Menschen für die Gefahren des Virus sensibilisieren und die Berührung bewusster machen, erklärte Rauch in einer kleinen Ansprache vor den erschienenen Gästen. Er wies in diesem Zusammenhang auf Michelangelos Deckenmalerei aus dem Jahr 1511 in der Sixtinischen Kapelle in Rom hin. Das berühmte Fresko „Die Erschaffung Adams“ zeigt, wie Gottvater mit ausgestrecktem Finger Adam zum Leben erweckt.

„Heute haben wir das Gegenteil, Berührung ist eine Bedrohung“, resümierte der Künstler. Vier schwarze Holzstelen in schwarze Tücher gehüllt, sollen der Figur einen Rahmen geben. Zudem möchte der Künstler die Ernsthaftigkeit des Themas unterstreichen. Es könne als Hinweis auf drohendes Unheil verstanden werden. „Die Farbe Schwarz verdeutlicht den Tod“, so der Bildhauer. Die Verweildauer der Skulptur im Engelhaldepark sei ungewiss. „Wer vergeht früher, der Virus oder die Holzfigur?“

Für Kiechle haben Kunstwerke oftmals eine Botschaft und gehören zum aktuellen Zeitgeschehen. „Es ist eine besondere Zeit, Covid-19 betrifft alle, es ist naheliegend, dass die Künstler das Thema aufgreifen und umsetzen“, erklärte er. Die Aussage „wenn jemand schläft, kann man ihn aufwecken“, lasse Raum für vieldeutige Interpretationen, so der Oberbürgermeister. „Es ist eine riesengroße Herausforderung und Verantwortung bei uns allen.“ Die Anwesenden zeigten sich beeindruckt von der Arbeit des Künstlers. „Die Figur ist unglaublich. Der Bezug zu COVID 19 kann gut nachvollzogen werden“, so ein Ehepaar.

Christine Reder

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