1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Kempten

Der Reichelsberg in Kempten - Teil 2

Erstellt:

Von: Dr. Willi Vachenauer

Kommentare

Josefsgut der Englischen Fräulein.
Josefsgut der Englischen Fräulein. © Archiv Singer

Kempten - Im Westen der Stadt Kempten, nicht weit vom heutigen Kemptener Klinikum entfernt, befinden sich an der Rottenkolberstraße Nr. 8 die von 1982 bis 1983 renovierten Gebäude des ehemaligen Ökonomieguts Reichelsberg.

Heute sind an diesem Gebäude zwei Gedenktafeln angebracht, auf denen die Geschichte des Gutes kurz beschrieben ist.

Lesen Sie hier Teil 1.

Johann Leichtle erwirbt Gut auf dem Reichelsberg

Am 18. Januar des Jahres 1838 kam das Gut am Reichelsberg durch einen ordnungsgemäßen, d.h. gerichtlich beurkundeten Tauschvertrag in den Besitz und das Eigentum des stiftischen Brauhausbesitzers Johann Leichtle, nachdem er schon im Jahre 1835 Grundstücke in der Nähe des Gutes erworben hatte. Dabei tauschte Johann Leichtle den nördlichen Teil des Gutes Lindenberg in der Nähe der Blaichen (das Gut Lindenberg befand sich an der Stelle, an der heute die Ulrichskirche am Ostbahnhof steht).

Dieses Anwesen am Lindenberg, das Johann Leichtles Vater, Martin Leichtle, im Jahre 1817 käuflich erworben hatte, vertauschte er nun gegen das Gut Reichelsberg und die südlich gelegenen Grundstücke bei Stöcken mit dem Bauern Nicolaus Böck. Im September 1835 kaufte Johann Leichtle den Bauern Nicolaus Böck und Fiedel Frey auch noch das Gut Halde ab. Am 17. Februar 1837 gelangten dann auch noch die nördlichen Grundstücke bei Stöcken durch Tausch von Nicolaus Böck in das Eigentum von Johann Leichtle.

Im Jahre 1838 erwarb Johann Leichtle ein weiteres Anwesen mit 41 dezimal Grund dazu. Anschließend ließ er das darauf stehende Haus abreißen und an dessen Stelle einen Garten neu anlegen, der seinerzeit noch den Namen „die Anlage“ trug.

Als neuer Eigentümer scheute Johann Leichtle weder Mühe noch Kosten, um die landwirtschaftliche Leistungsfähigkeit seines Gutes am Reichelsberg zu verbessern. Den Getreideanbau schränkte er ein, um mehr Futter zu bekommen, damit er seinen Viehbestand vergrößern und die Milchleistung seiner Kühe steigern konnte. Die Felder wurden sachgemäß bearbeitet und richtig gedüngt. Die übernommenen Stallungen ersetzte er durch einen der Neuzeit entsprechenden Stallbau. In richtiger Erkenntnis frischte er seinen Viehbestand durch fremdes Blut auf.

Das Gut Lindenberg um das Jahr 1920
Das Gut Lindenberg um das Jahr 1920. © Archiv Familie Leichtle

Seine Bemühungen zeigten daher schon bald entsprechenden Erfolg. Bei einem Wettbewerb, den damals der landwirtschaftliche Distrikt des Illerkreises abhielt, trat Johann Leichtle als Mitbewerber auf und erlangte dabei vollste Anerkennung. Dies geht aus einer Urkunde hervor, die Johann Leichtle für seine Teilnahme erhielt. Der Text dieser Urkunde, der sich im Nachlass des Herrn „Privatier Martin Leichtle“ befindet und der in der Chronik der Familie Leichtle niedergeschrieben ist, stellt ein interessantes zeitgenössisches Dokument dar, das die damalige Situation der Landwirtschaft im Kemptener Raum beleuchtet. Deshalb ist sie hier im Einzelnen aufgeführt. Die Abschrift lautet: „Der hier eigenständig unterzeichnete Vorstand des landwirtschaftlichen Distrikts vom Illerthal hat gestern das ganze Ökonomiegut des Preisbewerbers Johann Leichtle mit aller Aufmerksamkeit begangen, um sich von den in dem voranstehenden Zeugnisse angeführten Tatsachen zu überzeugen“. Sein Befund ist folgender:

„Der Preisbewerber Johann Leichtle – Vorstand des Gremiums der Gemeinde Bevollmächtigen der königlichen Stadt Kempten – besitzt neben seiner großen Bierbrauerei in Kempten auch in dessen nächster Umgebung ein bedeutendes Ökonomiegut von 99 Tagwerk. Davon werden kaum 16 Tagwerk dem Getreideanbau, 83 Tagwerk aber ausschließend dem Grasbaue gewidmet, da nach den klimatischen und tellurischen (aus der Erde hervorgehend) Verhältnissen der hiesigen Umgebung der Boden ganz vorzüglich zum Grasbaue sich eignet. Nach rationellen Prinzipien und unter kluger Beachtung der selbst gemachten oder mindestens verständig beobachteten Erfahrungen hat der Preisbewerber Johann Leichtle dieses Ökonomie-Gut in allen Betriebszweigen zu verbessern und dessen ganze Bewirtschaftung zu einem hohen Grade von Vollkommenheit zu bringen gesucht. Er hat deshalb das alte morsche, dämpfige und ungesunde Stall- und Stadelgebäude niederreißen lassen und an dessen Stelle ein neues Gebäude aufgeführt, in welchem eine geräumige, trockene, gesunde Stallung mit einem trefflichen Luftzuge angebracht. Ebenso zweckmäßig hat er eine neue Dünberstätte herrichten lassen und um dieselbe herum sowie unter der Stallung selbst fünf große Güllenbehälter angebracht, welch über 170 Faß Gülle halten und aus welchen jährlich zwei bis dreimal die gehörig gegohrene Gülle – durch angebrachte Vorrichtungen unter kluger Benützung des Terrains – ganz bequem auf die Wiesgründe verteilt und verführt wird. Nach diesen Vorbereitungen und nach eingeführter Stallfütterung war des Preisbewerbes vorzügliches Augenmerk auf die Veredlung seines Viehbestandes gerichtet. Zu diesem Behufe kaufte er im österreichischen Vorarlberg schöne Schrunser Kalbeln und davon zieht er sich diese ganz edle Hornviehrasse – welcher das Allgäuer Vieh bedeutend and Größe, Schönheit und Ertrage nachsteht – selbst nach und verkauft auch Kälber an die benachbarten Landwirte, welche darnach geizen – befördert sohin auch in der Umgegend die Veredelung des Hornviehs mit seltener Uneigennützigkeit. Der Preisbewerber hat endlich nicht nur in seinem eigenen Interesse und auch zum Vorteile der ganzen Umgebung mit großen Kosten eine neue Straße in der Länge von 2.215 Schuh angelegt, sondern auch dieselbe in die Vorstadt Schleien auf eine Strecke von 369 Schuh mit einem großen Kostenaufwande fortgesetzt.

Durch alle diese gut berechnete und nachhaltig ausgeführten Verbesserungen hat Preisbewerber das Resultat erreicht, dass er gegenwärtig auf diesem Gute 40 Stück der auserlesensten Milchkühe nebst zwei herrlichen „Springstieren“ (Zuchtstieren) das ganze Jahr halten kann und bei einer geringen Zahl von Dienstboten jeden Jahres immer einen schönen Futtervorrath zur Verfügung hat, während in den früheren Jahren kaum 18 Stück leichter Kühe nebst einigen Jung-Stücken gehalten werden konnten.

Kurz es gewährt einen herrlichen Genuss, diese Ökonomie und Bewirtschaftung zu sehen, welche auf die Benennung einer Musterwirtschaft begründeten Ansprüche machen kann.

Kempten am 28 July 1845 der königliche Landrichter Gebhardt als Vorstand des Landwirtschaftlichen Distrikts vom Illerthale“.

Das Gut auf dem Reichelsberg mit zugehörigen Grundstücken.
Das Gut auf dem Reichelsberg mit zugehörigen Grundstücken. © Archiv Familie Leichtle

Johann Leichtle kümmerte sich nicht nur um die Verbesserung seines Rinderbestandes, er versuchte auch seinen landwirtschaftlichen Besitz zu vergrößern und ständig an die veränderten landwirtschaftlichen Erkenntnisse anzupassen. So kaufte Johann Leichtle am 9. März 1843 die Waldparzellen Schwande beim Steinberg, Gemeinde St. Lorenz. Am 12. März 1853 gelangte Johann Leichtle durch Tausch mit Wäßle und Lenz in den Besitz der Schwabelsberger Wiese bei Heiligkreuz.

Im Jahre 1860 begann der Neubau eines Stadels auf dem Reichelsberg und im Jahre 1862 erfolgte auch der Ankauf der östlichen Hoffelder. Eine neue eiserne Wasserleitung, deren Quellgebiet am Fuße des Mariabergs lag wurde im Jahre 1865 auf dem Reichelsberg erstellt. Damit gelang es, die Wasserversorgung des Anwesens deutlich zu verbessern.

Ein großes Unglück brach im Jahr 1866 über das Gut Reichelsberg herein. Es herrschte seinerzeit unter den Kühen die Lungenseuche, eine hochansteckende bakterielle Rinderinfektion, der viele Tiere zum Opfer fielen.

Am 20 Juni 1866 übergab Johann Leichtle seinem zweitältesten Sohne Martin Leichtle das Ökonomiegut auf dem Reichelsberg, einschließlich der nördlichen und südlichen Grundstücke bei Heiligkreuz, die Hoffelder, Grundstücke auf dem Schwabelsberg und die Waldungen Schwande in der Gemeinde St. Lorenz.

Martin Leichtle erweiterte nun im Jahre 1866 den Besitz durch den Erwerb der Waldparzelle Wildmoos in der Gemeinde St. Lorenz. Der Plan vom damaligen Reichelsberg gibt einen guten Überblick über die seinerzeitige Ausdehnung des Gutes und die Plannummer und deren Bezeichnung im damaligen Grundsteuerkataster.

Martin Leichtle übte neben der Verwaltung der noch in Eigentum seines Vaters befindlichen Liegenschaften, aber auch durch gemeindliche und private ehrenamtliche Geschäfte, wie z.B. als Besitzer der Stiftsbrauerei und auch ab dem Jahre 1854 das Amt als Waisenpfleger im katholischen Waisenhaus ausübte, wurde Johann Leichtle sehr in Anspruch genommen. Daher entschloss er sich, das Gut auf dem Reichelsberg zu verpachten.

Im Jahre 1878 übertrug er nun den Pachtvertrag an Caspar Weitenauer aus der Gemeinde Probstried, der von dieser Zeit an das Gut Reichelsberg mit Mitgliedern seiner großen Familie bewirtschaftete. Er bewohnte das Wohnhaus, jedoch blieben für die Familie Leichtle die zwei östlichen Zimmer im ersten Stock reserviert.

Im Mai des Jahres 1882 mussten auf dem Gute Reichelsberg bauliche Veränderungen vorgenommen werden. Der obere Tennen (Heustadel) wurde neu gelegt sowie die westliche und die östliche Stallwand mit Steinen aufgemauert.

Das Jahr 1886 brachte erneut Baumaßnahmen auf dem Gut. Im Mai und Juni des Jahres wurde der Kuhstall neu hergestellt. Er wurde mit einem Schienengewölbe versehen, die Barren aus Zement gemacht und der Ohmadstock mit einem Boden aus Beton trockengelegt.

Martin Leichtle verkaufte von seinen Grundstücken im Jahre 1899 die Waldparzelle Wildmoos in der Gemeinde St. Lorenz.

Im Jahre 1900 verkaufte Martin Leichtle das Grundstück am Schwabelsberg und die Streuwiese bei Stöcken in der Gemeinde St. Lorenz.

Um das Gut Reichelsberg zu arrondieren, veräußerte Martin Leichtle im Jahre 1902 die Waldparzelle in der Schwande, Gemeinde St. Lorenz und 1903 auch das dortige Grundstück.

Das zunehmende Alter und die Verheiratung mehrerer seiner Töchter, die Söhne wurden im Weltkrieg unter die Waffen gerufen, veranlassten Caspar Weitenauer im Jahre 1916, den Pachtvertrag auf dem Reichelsberg zu lösen. Er verbrachte den Rest seines Lebens im nahen Betzigau und starb dort im Jahre 1923.

Die Gebrüder Löw pachten das Gut auf dem Reichelsberg

Am 16. April 1916 traten Mitglieder der jüdischen Familie Löw auf dem Reichelsberg als Pächter auf und übernahmen eine Fläche von 70 Tagwerk und damit den größten Teil der Felder sowie das Ökonomieanwesen auf dem Reichelsberg. Die Gebrüder Leopold und Albert Löw betrieben in Kempten eine Viehgroßhandlung und zählten zu den bekanntesten jüdischen Kaufleuten. Da sie zu den Allgäuer Bauern ein vertrauensvolles Verhältnis aufbauten und als Viehgroßhändler einen guten Ruf genossen, bauten sie das gepachtete Anwesen auf dem Reichelsberg zum Zentrum ihrer Viehzucht und des Viehhandels aus. Nicht mit in die Pachtleistung eingeschlossen wurde aber das Wohnhaus. Denn von diesem Jahr an wohnte in diesem Gebäude Gustav und Katharina Merklin, die das Haus, den Obstgarten und die Anlagen verwalteten und in Ordnung hielten. Ein Teil des Obstgartens Plan Nr. 1814 und 1812 in der Größe von 5 Tagwerk ist an den Spediteur K. Lindinger in Kempten verpachtet worden.

Die Englischen Fräuleins auf dem Reichelsberg

Ein Teil der Hoffelder, und zwar der östliche Bereich, der an den Besitz der Englischen Fräuleins grenzt, in Größe von zehn Tagwerk, ist an die Ökonomieverwaltung der Englischen Fräulein verpachtet gewesen. Die „Englischen Fräulein“ haben schon im Jahre 1879 für ihre Schule an der Fürstenstraße durch die Vermittlung des Försters Maul auf dem Reichelsberg ein Wiesengrundstück als Gartenanlage erworben. 1882 konnten sie dann das an diese Wiese angrenzende Ökonomiegut auf dem Reichelsberg kaufen. Es trug den Namen „Josefsgut“, der Volksmund nannte es auch das „Englische Gut“.

Dieses Gut diente bis zum Bau des Mittleren Rings nicht nur der Versorgung der Schwestern und Schülerinnen im Pensionat und Tagesheim mit den notwendigen landwirtschaftlichen Produkten, gleichzeitig war es auch ein Erholungsheim für die Internatsschülerinnen. Als die Stadt Kempten die Pläne zu realisieren begann, auf dem nördlichen Teil des Reichelsbergs das Krankenhaus bauen zu lassen, zeigte die Stadt auch an den Grundstücken des Gutshofes der Englischen Fräuleins Interesse. Schon im Jahre 1951 kam es dann zum Abschluss des Kaufvertrages und die Stadt konnte mit den weiteren Planungen zum Bau des Krankenhauses beginnen. 1952 gab es einen Architektenwettbewerb und 1958 begannen nach den Plänen der Architekten Godehard Schwethelm und Walter Schlempp die ersten Arbeiten.

Der Reichelsberg kommt zur Stadt Kempten

Ab dem 1. Oktober 1934 gelang es der Stadt Kempten, nach langjährigen Verhandlungen mit der Regierung ihr Stadtgebiet auf Kosten der Gemeinde St. Lorenz erheblich zu erweitern. St. Lorenz verlor zu dieser Zeit knapp 1.000 Hektar ihrer Fläche und damit ungefähr ein Drittel ihres Gesamtgebiets. Es handelte sich dabei unter anderem um die Flächen Lotterberg, Reichelsberg (ohne die Hintere Rottach), Haubensteig sowie die Stiftallmay. Kurze Zeit später, am 1. Mai 1935, kamen weitere Bezirke an die Stadt, darunter auch Thingers, Mit diesen Umgemeindungen gelangte auch das Gebiet um das Gut Reichelsberg in den Einflussbereich der Stadt Kempten.

Pläne für ein Kemptener Krankenhaus von Dr. Otto Merkt

Diese Erweiterungen waren ganz im Sinne des damaligen Bürgermeisters Dr. Otto Merkt, da die Stadt nun gute Entwicklungsmöglichkeiten im Westen hatte. Daher erwarb im Jahre 1936 der damalige Bürgermeister Dr. Otto Merkt, der übrigens nie Oberbürgermeister genannt werden wollte, größere Gebiete auf dem Reichelsberg. Dabei handelte es sich um Teile der Hoffelder und um Grundstücke des Gutes auf dem Reichelsberg.

Dr. Merkt schwebte schon damals vor, auf diesem Areal ein Krankenhaus errichten zu lassen. Dass Kempten, wie es in seinem Testament von 1942 zu lesen ist: „kein richtiges städtisches Krankenhaus hat, ist einzigartig. Es wird wohl kaum noch einen Stadtkreis geben, von dem gleiches gilt“. Und weiter: „In Betracht kommt das Gebäude nur unterhalb vom Reichelsberg, dessen freie, schöne und ruhige Lage den Ausschlag gibt“.

Bau des Krankenhauses auf dem Reichelsberg

Allerdings musste diese Vorhaben wegen des Krieges bis in die Zeit der 1950er Jahre verschoben werden. Im Jahre 1952 kam es zu einem Architektenwettbewerb und 1958 begannen nach den Plänen der Architekten Godehard Schwethelm und Walter Schlempp aus München und Frankfurt die ersten Arbeiten. Der erste Bauabschnitt konnte Juni 1961 eröffnet werden und nach insgesamt drei Bauabschnitten wurde das neue Kemptener Stadtkrankenhaus an der Robert-Weixler-Straße 1970 fertiggestellt. 1997 begann man mit dem Ausbau vom Stadtkrankenhaus zum Klinikum Kempten, das nach mehreren Aus- und Anbauarbeiten seit 2016 komplett fertiggestellt ist.

Erster Bauabschnitt des Kemptener Krankenhauses.
Erster Bauabschnitt des Kemptener Krankenhauses. © Archiv Stolz

Eine Wiese auf dem südlichen Teil des Grundstücks behielt aber die Diözese Augsburg, um dort das sogenannte „Priesterseminar“ errichten zu lassen, in das schon im Jahre 1955 die ersten Seminaristen einziehen konnten. Seit dem Jahr 2001 befindet sich in diesem Gebäude am Hoffeldweg Nr. 12 die Maria Ward Schule mit der offiziellen Bezeichnung „Maria-Ward-Schule Kempten - Mädchenrealschule des Schulwerks der Diözese Augsburg“. Die Adresse Hoffeldweg nimmt dabei Bezug auf die frühere Bezeichnung dieses Grundstückes, das, wie man auf dem Plan sieht, sich seinerzeit Hoffeld nannte.

Nach dem am 1. August 1927 Martin Leichtle verstarb, ging auch der Reichelsberg in das Eigentum einer Erbengemeinschaft über. Diese bestand aus Oberstleutnant a. D. Franz Spiegel in Kempten, dem Gutsbesitzer Hans Leichtle in Lenzfried und dem Großbäckereibesitzer Beno Seidel in München. Da der Wald, der sich am Abhang zur Rottach befand, das schlagbare Alter erreicht hatte, wurde er im Jahre 1929 abgeholzt.

Auf dem Gut Reichelsberg hatten sich schon in den späteren 1930er Jahren die Verhältnisse geändert. Seit dem 22. November 1938 war die Familie Spiegel alleiniger Besitzer und Eigentümer, die das Gut als landwirtschaftlichen Betrieb bis 1982 verpachteten. Als in Kempten im Jahre 1972 der Mittlere Ring zwischen der Memminger Straße und dem Haubensteigweg fertiggestellt war, der an den Grenzen des ehemaligen Gutes vorbeilief, wurde die Landwirtschaft dort später eingestellt. Im Jahre 1982 bis 1983 ließen die Familien Dr. Spiegel und Greissinger das Anwesen renovieren, so dass es weitgehend die Form früherer Zeiten zeigt.

In Erinnerung an den bekannten Heimatforscher Josef Rottenkolber hat das ehemalige Gut auf dem Reichelsberg heute die Anschrift Rottenkolberstraße Nr. 8.

Auch interessant

Kommentare