»Covid on the rocks« 

Der ehemalige SJR-Vorsitzende Stefan Keppeler nimmt emotional Abschied 

Der bisherige Vorsitzende Stefan Keppeler wird von seinem Nach- folger Thomas Wilhelm verabschiedet.
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Der bisherige Vorsitzende Stefan Keppeler (links) wird von seinem Nachfolger Thomas Wilhelm verabschiedet.

Kempten – Der Vorsitzende des Stadtjugendrings (SJR) Kempten Stefan Keppeler hatte sich seine letzte Vollversammlung anders vorgestellt. „Aber man muss es nehmen, wie es kommt“, sagte er. Dass die Frühjahrsvollversammlung des SJR digital stattfand, führte zu einem sehr großen Teilnehmerfeld. Mit 49 Delegierten nahm eine „beachtliche Zahl“ teil, wie der neue Vorsitzende Thomas Wilhelm feststellte. 

Das letzte Jahr sei sehr aufregend gewesen, sagte Keppeler, eine Phase der Jugendarbeit, „wie es noch nie war und hoffentlich auch nie wieder kommt“. Und trotzdem könne sich die Bilanz sehen lassen: Ein digitales Jugendzentrum (www.8743x.de) sei beispielsweise entstanden; ein großes Projekt, „Bike in the City“, konnte durchgeführt werden: Zahlreiche Workshops zum Thema Fahrrad waren geplant, einige Workshops mussten verschoben oder abgesagt werden. Trotzdem konnten insgesamt 68 Kin- der und Jugendliche teilnehmen. Der Floki, ein Flohmarkt in den Räumlichkeiten des SJR in der Bäckerstraße, konnte noch vor Beginn der Pandemie stattfinden. „Wir sind gestürmt worden“, sagte Keppeler. Es sei eine gute Gelegenheit gewesen, das SJR-Haus zu zeigen und Jugendverbände zu präsentieren.

„Ein Highlight“ sei die Auszeichnung mit dem Deutschen Multimediapreis gewesen. Diesen gab es für ein mobiles Escape-Spiel, das Jugendliche vom Jugendzentrum Thingers gemeinsam mit Medienpädagoge Chris Seitz entwickelt haben.

Das sei „eine unglaubliche Sache, eine große Nummer“, weil es sich dabei um eine bundesweite Auszeichnung handle, sagt Seitz dazu.

Auch in seiner Organisationsentwicklung könne der SJR einige Ergebnisse vorweisen. So habe man sich für die Entwicklung einer digitalen Plattform entschieden. Dass die Umsetzung so schnell verlief, habe an Corona gelegen, die Pandemie habe wie ein Katalysator gewirkt. „Die Idee war aber davor da“, betont Keppeler. Ein digitales Jugendzentrum für Jugendliche sei entstanden, „eine hybride Konstellation“ aus Präsenz und Digitalem werde „auch nach Corona wichtig“ sein, um Jugendliche zu erreichen. Hier solle man aber nicht stehenbleiben, sondern die Entwicklung fortführen, so Keppeler.

Kurz vor den ersten Corona-Einschränkungen konnte noch die „Wahlparti“ zur Kommunalwahl stattfinden. Auch sei ein Erfolg, dass der Kemptener Weg „auf den Weg gebracht“ worden ist.

Thomas Wilhelm stellte das Projekt „Demokratie leben“, das im Arbeitskreis Jugendpolitik entstanden ist und vom Bayerischen Jugendring gefördert wird, vor. Dabei dreht sich alles um die Frage: Wie kann ich mich als junger Mensch in die Politik einbringen? Teil des Projekts sei ein jugendpolitischer Podcast, der auf 8743x.de veröffentlicht wird. Auch zur Bundestagswahl sollen verschiedene Projekte und Aktionen stattfinden wie etwa eine Beteiligung an der U18-Wahl und die „Wahlparti“.

„Covid on the rocks“: So betitelte SJR-Geschäftsführer Alexander Haag den Haushalt, alles sei durcheinander gewürfelt worden und „wir mussten manche Dinge neu bewerten“. Positiv hob er hervor, dass niemand in Kurzarbeit geschickt wurde und der SJR verlässlich weiterarbeiten konnte. Die Personaleinnahmesituation sei stabil geblieben. Allerdings führte die Pandemie zu Mindereinnahmen, da weder der Zeltplatz noch der Verleih von den Verbänden ausreichend benötigt wurden. Zahlreiche eingeplante Ausgaben entfielen wegen abgesagter Veranstaltungen. „So viele Abweichungen hat es noch nie vorher gegeben“, so Haag. Deshalb musste weniger als erwartet, 5857,37 Euro, aus der Rücklage entnommen werden.

„Viel auszuhalten in dieser Zeit“, sagte Oberbürgermeister Thomas Kiechle in seinem Grußwort. Einiges bleibe auf der Strecke, gerade was die Jüngeren betreffe. „Die Jugendarbeit ist eingeschränkt“, aber er erlebe, dass sich dennoch viel in diesem Jahr getan habe, dies nötige ihm Respekt ab. Er richtete Dank an die Verantwortlichen in der Jugendarbeit. Er erkenne „herausragende Arbeit“ beim SJR. Kiechle appellierte, „mit viel Kraft und Motivation“ wieder in die Jugendarbeit einzusteigen, „wenn es wieder möglich wird“.

Nach der einstimmigen Entlastung des Vorstands wurde Thomas Wilhelm (Bayerische Sportjugend im BLSV), bislang stellvertretender Vorsitzender, zum neuen Vorsitzenden gewählt. Der 46-Jährige arbeitet beim Jobcenter und ist dort Personalratsvorsitzender. Einen Gegenkandidaten gab es nicht. Manuel Büttner (DGB-Jugend) ist stellvertretender Vorsitzender. Als Beisitzer gewählt wurden Marcel Heydenreich, Vanessa Menke (beide Jugend des Deutschen Alpenvereins), Tanja Neumeir (Johanniter-Jugend), Eda Odaci (Alevitische Jugend) und, als neues Gesicht, Moritz Brüchle (Evangelische Jugend). Rechnungsprüfer werden Eckhard Harscher und Christian Fleischmann. Als Einzelpersönlichkeiten berufen wurden Stefan Keppeler, Regina Liebhaber und Hans Spitzer.

Tanja Thalmeier, bisherige Revisorin, Franziska Limmer, bisher Beisitzerin, und Stefan Keppeler, der bisherige Vorsitzende, waren nicht mehr zur Wahl angetreten.

Thomas Wilhelm richtete abschließend seinen Dank an den sichtlich bewegten Keppeler. Er habe nicht nur den Job als Stadtnikolaus übernommen, sondern habe den gesamten SJR in seiner Amtszeit geprägt. Er selbst habe damit gehadert aufzuhören, gibt Keppeler zu. Er sei seit Jahrzehnten eng mit dem SJR verbunden, sei „nur mit meiner Frau länger verheiratet, als mit dem Stadtjugendring“. Nun wolle er „die Hände frei bekommen, um neue Bälle auffangen zu können“.

Eine „echte“ Verabschiedung in Präsenz, kündigte Wilhelm an, sei für die Zeit nach den Corona-Beschränkungen geplant.

Den neuen Vorstand erwarten besondere Aufgaben: Ein Jubiläum steht an. In diesem Jahr wird der SJR 75 Jahre alt. Gefeiert werden soll das in vielen unterschiedlichen Veranstaltungen vom 1. Oktober 2021 bis 30. September 2022. „Wir möchten allen zeigen, dass wir ein bunter Haufen sind. Wir möchten unsere Werte sichtbar machen“, so Wilhelm.

ma

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