Derb Beschauliches

Und wieder einmal hat er gerufen: Der Berg. Groß und mächtig, schicksalsträchtig hat sich der Watzmann den „Bua“ auch im zehnten Jahr „Watzmann live – Ein Rustikal“ geholt. Der Berg rief und die Hütte –respektive das Klecks – war voll mit Neulingen und auch einer ganzen Reihe „Wiederholungstätern“, süchtig nach einem Mehr von der schrillen Klecks- Version, frei nach dem Kult-Alpenrocktheater.

Ziemlich rustikal war es in der Tat, was da auf der Bühne und gelegentlichen Abstechern in die Zuschauerreihen an älplerischem Leben vonstatten ging. Voll origineller Details, deren komischer Charme nicht zuletzt in ihrer Schlichtheit lag, zeigten der Bauer (Willi Reisacher), sein Bua (Mario Reisacher), der Buckelknecht (Klaus Beutmüller) und der Großknecht (Klaus Kiechle) als Männer unter sich das derb-beschauliche Leben im Schatten des Respekt einflößenden Watzmann. Bald ist’s damit aber vorbei, denn „die Gailtalerin ist wieder da“, wie „Die Nr.1 vom Kemptener Wald“ gesanglich verkündet und dabei kräftig in die Tasten, Saiten und Felle haut. Ausgestattet mit einer Oberweite, die einer Marilyn Monroe das Fürchten gelehrt hätte, beglückte die Gailtalerin – in deren Röcken sich Klaus Kiechle in zweiter Rolle sichtlich wohl fühlte – einige Zuschauer mit ihrem knallroten Kussmund, bevor sie den Älplern Glanz in die Augen zauberte. Doch der Watzmann verlangte nach einem neuen Opfer, denn „wen er einmal gerufen hat, den lasst er nimmer aus“. Und es kommt wie es kommen muss: „Der Bua, der fallt der fallt“ ertönt es heiter aus der Musikerecke inklusiver Unterstützung der Zuschauer. Na ja, ein bisschen Andacht gab es angesichts der Tragödie auch, indem die Melodie von „Spiel mir das Lied vom Tod“ anklang. Und zum krönenden Abschluss legte die Gailtalerin noch einen rustikal-erotischen Strip hin, der so manch interessantes zum Vorschein brachte. „Holereiduliö“ kann man da nur sagen – einfach Kult. Wer am mehr oder weniger idyllischen Leben am Fuße des Watzmann teil haben möchte, hat dazu am Freitag und Samstag, 26. und 27. Februar, noch Gelegenheit, jeweils um 20 Uhr im Klecks am Hofgarten in Kempten. Karten gibt es beim KREISBOTE.

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