Deutliches Votum

In der Diskussion um den Bau einer Tiefgarage unter dem Hildegardplatz hat sich jetzt das Architekturforum Kempten zu Wort gemeldet. In einer Stellungnahme an OB Dr. Ulrich Netzer (CSU), die Bauverwaltung, Stadträte und Mitglieder des Arbeitskreises sprechen sich die Kemptener Architekten eindeutig gegen den Bau eines unterirdischen Parkhauses aus. Nahezu einstimmig hätten die Mitglieder sich dagegen ausgesprochen.

Sieben gewichtige Argumente führen die drei unterzeichnenden Vorstände Franz Schröck, Christiane Maucher und Rainer Lindmayr an. „Eine Tiefgarage ist für eine Unterbringung von 120 Pkw oder mehr nicht erforderlich“, schreibt das Trio. Denn der Hildegardplatz müsse als Tisch gesehen werden, „der je nach Bedarf mit Objekten wie Pkw, Marktstände, Konzertbühne gefüllt wird“. Der Platz könne bei Bedarf also komplett von Autos geräumt oder komplett mit ihnen zugestellt werden. „Die in Maßen parkierenden Autos stören nicht, sie erzeugen Leben im städtischen Alltag“, heißt es in dem Schreiben. Außerdem verweisen die drei darauf, dass ein Stadtplatz nie leer gewesen sei, sondern immer eine Funktion erfüllt habe. Des weiteren befürchten die Architekten, dass der Bau einer Tiefgarage negative Auswirkungen auf die Läden am Platz haben wird. „Im Alltag werden die oberirdischen Kurzzeitstellplätze für einen funktionierenden Einzelhandel von größerer Bedeutung sein und besser als die Tiefgarage angenommen werden.“ Der Bau einer Tiefgarage löse das stiftsstädtische Parkplatzproblem also nicht, sondern binde lediglich Gelder. Weiter argumentiert das Architekturforum, „eine Tiefgarage wird auf dem Platz immer spürbar bleiben und eine andere Atmosphäre erzeugen als ein Platz ohne Tiefgarage.“ Das liege insbesonders an den Ein- und Ausgängen, Aufzügen, Abfahrten, erhöhte Pflanzenbecken oder dem Geländeverlauf. Das Problem der parkenden Autos könne also auch mit einer Garage nicht unsichtbar gemacht werden. „Im Gegenteil“, so die Architekten in ihrer Begründung, „die mobilen Pkw auf dem Platz können jeder Zeit spurlos verschwinden, die immobilen Zugänge und Abfahrten sind permanent und werden mit der Tiefgaragenkonstruktion für immer ihre Spur in der Stadtstruktur hinterlassen.“ Sensible Schnittstelle Als ein weiteres Argument gegen den Bau einer Tiefgarage führt der Verein die geplante Zufahrt am Kirchberg an. Dieser Bereich sei eine „sensible Schnittstelle zwischen Kirchberg und Hildegardplatz“. „Eine Tiefgaragenzufahrt an dieser Stelle würde diesen Raum durchtrennen und den unteren Platz auf lange Zeit vom oberen Platz abschneiden“, so die Befürchtungen. Der Kirchberg entwickle sich dadurch zur „Abfahrtsrampe und Wendeplatte“ und laufe somit Gefahr, „zum Hinterhof zu verkommen, obwohl sich hier die Serrohäuser und wichtige Einrichtungen der Stadt befinden.“ Der Anschluss an Marstall, Kunsthalle und Musikschule werde so verstellt. „Die Chance, diesen unteren Platz aufzuwerten, ist mit einer Tiefgaragenzufahrt in diesem Bereich für immer vergeben.“ Darüber hinaus müsse bedacht werden, dass der Boden „als geschichtliches Archiv und Bodendenkmal zu sehen“ sei. Zudem gebe es mittlerweile genügend moderne, oberirdische Parkkonzepte, „wo alle Nutzungen städtischen Lebens zusammen geführt werden und nicht mehr das heute in der Stadtplanung kritisch beurteilte Prinzip der Funktionstrennung angewendet wird.“

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