Sie haben den kalten Mai überraschend gut überstanden 

Dicke Ringe für Jungstörche 

Trotz des nasskalten Frühlings hatte das Storchenkind einen glücklichen Start: Gut gefüttert und frisch beringt blickt es über die Dächer von Isny.
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Trotz des nasskalten Frühlings hatte das Storchenkind einen glücklichen Start: Gut gefüttert und frisch beringt blickt es über die Dächer von Isny.
  • Lutz Bäucker
    VonLutz Bäucker
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Isny – Die württembergische „Storchen-Päpstin“ ist überwältigt: „Die beiden Jungvögel sind richtige Prachtexemplare“, freut sich Ute Reinhard, „ein Wunder, dass sie das furchtbare Wetter im Mai so super überlebt haben.“ 

Die Biologin steht im luftigen Korb eines Riesenkrans direkt am Rand des Storchennestes auf dem Rathauskamin und holt zwei Ringe hervor, um hoch über den Dächern der Stadt den Nachwuchs zu markieren. „A5X60“ und „A5X61“ steht auf den schwarzen Kunststoff-Ringen, unter diesen Bezeichnungen sind die bei- den Storchenkinder ab sofort im Register der Vogelwarte Radolfzell  zu finden. Ute Reinhard und Ulrike Maruszczak von den Isnyer Storchenfreunden sind ein bisschen aufgeregt: „Man weiß ja nie, was einen da im Nest erwartet.“

Der Jungstorch erhält einen Ring.

Heute sind es zwei bereits gut entwickelte Jungtiere, die sich regungslos auf den Boden des wagenradgroßen Nestes ducken und widerstandslos von Reinhard „behandeln“ lassen: „Kleine Störche verfallen bei Gefahr in eine Art Schockstarre“, erklärt die Expertin, die im Auftrag des Regierungspräsidiums Tübingen arbeitet. Die Eltern der beiden stehen auf Dächern in der Nähe und beobachten argwöhnisch, was am Nest passiert. Vorsichtig schaut Reinhard in die Schnäbel, entfernt anklebende Grasreste, packt die Federbündel behutsam in eine Einkaufstasche und wiegt die Jungen: „3,1 und 3,2 Kilo“, notiert sie und nickt zufrieden: „Die Alten leisten tolle Arbeit.“

Familiendramen und Glücksmomente.

Auch Maruszczak atmet auf, sie checkt jeden Tag ein Dutzend Nester (mit 19 Jungstörchen) über den Dächern des „Städtles“, macht Fotos und schreibt im Internet unter www.isny.tv das bekannte Storchen-Tagebuch. „Der Mai war die reinste Storchen-Hölle“, blickt sie zurück, „Dauerregen, ungewöhnlich kalt, stürmische Winde – kein Wetter für junge Störche.“ Ein paar wenige haben diese extreme Wetterlage nicht überlebt, deren Eltern sieht man jetzt immer wieder orientierungslos über die Dächer fliegen, mit gesenkten Köpfen stehen sie in ihren leeren Nestern. „Da spielen sich wahre Dramen ab, das geht uns immer wieder sehr an die Nieren“, berichten Ute Reinhard und Ulrike Maruszczak. Umso mehr freuen sie sich über die vielen Kleinen, die jetzt um Futter betteln und in wenigen Wochen ihre ersten Flugversuche machen werden. Damit sie im August auf die erste große Reise ihres Storchenlebens gehen können – von Isny in die spanische Extremadura oder nach Afrika.

Lesen Sie auch: Knirpse im Storchenparadies 

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