"Die beste Option für mich"

Vor seiner Abreise nach Mailand genoss Christoph Erber – mit einem Italienischbuch – die letzten Tage im Allgäu. Foto: Läufle

Christoph Erber lebt jetzt für rund elf Monate in Italien. Der 19-Jährige aus Ermengerst macht jedoch nicht Urlaub – im Gegenteil: Er absolviert seit Montag in einer Waldorfschule in Mailand seinen Zivildienst. Zivildienst im Ausland? Wie er darauf gekommen ist, warum er das macht und was ihn erwartet, erzählte er kurz vor seiner Abreise im Gespräch mit dem KREISBOTEN.

Im Juni hat Christoph Erber sein Abitur am Hildegardis-Gymnasium in Kempten gemacht. Eigentlich müsste er zum Bund, doch er verweigerte den Wehrdienst („weil das nichts für mich ist“) und entschied sich dafür seinen Zivildienst abzuleisten. Über einen Freund, der Zivildienstleistender in einem Waldorfkindergarten in Frankreich war, erfuhr er von der Möglichkeit seinen „Zivi“ auch im Ausland machen zu können. Daraufhin setzte er sich mit der Organisation „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ in Verbindung und bewarb sich in Frankreich und Italien bei verschiedenen Einrichtungen. „Ich wollte in Zentraleuropa bleiben und von der Waldorfschule in Mailand habe ich eine relativ schnelle Zusage bekommen“, erläuterte er. Im März habe er sich dort auch schon persönlich vorgestellt. Zeit zum Nachdenken Die Entscheidung ins Ausland zu gehen, bezeichnete er als beste Option für sich. „Ich war bereits in der 11. Klasse für ein Jahr in den USA und habe dort sehr positive Erfahrungen gemacht“, so Erber. Außerdem könne er so noch zusätzlich eine Sprache lernen. Einen weiteren positiven Nebeneffekt hat das Ganze darüber hinaus: „Ich bin mir sowieso noch nicht sicher, was ich studieren will, da tut so ein Jahr zusätzliche Bedenkzeit gut.“ In den kommenden elf Monaten hat der sportliche junge Mann an der Waldorfschule, die Klassen von der ersten bis zur 13. Jahrgangsstufe, eine heilpädagogische Klasse mit geistig Behinderten Kindern sowie einen Kindergarten beherbergt, ein breites Aufgabenspektrum zu bewältigen. Hausmeistertätigkeiten, Mithilfe in der Mensa und im Garten, im Englisch- und Deutschunterricht assistieren und eventuell Kindern Nachhilfe geben sowie Verwaltungsaufgaben gehören zu den Herausforderungen. Vorbereitend hat Erber von Februar bis Juli an der Kemptener VHS einen Italienischkurs gemacht, um Grundkenntnisse zu erlernen. „Mein Italienisch ist aber noch sehr beschränkt“, erzählte er: „Es wird interessant, wie ich mich durchschlagen werde“. Helfen könnten ihm da- bei auch andere Sprachen. Neben Deutsch spricht er durch seinen USA-Aufenthalt fließend Englisch und mit vier Jahren Schul-Französisch kann er ebenfalls dienen. Diejenige, die für ihn zuständig sei, könne jedoch Englisch, schilderte Erber und meinte: „Es gibt schon ein paar Anlaufstellen, an die ich mich wenden kann“. Zivi-WG in Italien Seine Arbeitszeiten sind montags bis freitags jeweils acht Stunden sowie jeden dritten Samstag. „Kosten und Logie werden bezahlt“, erläuterte der 19-Jährige. „Ich wohne dann mit zwei anderen Zivis in einer Dreier-WG.“ Um jedoch die Sprache schneller zu lernen und mehr von der Kultur des Landes mitzubekommen hätte er das Jahr in Mailand auch gerne bei einer Gastfamilie verbracht. Bei seinem USA-Aufenthalt habe er damit sehr positive Erfahrungen gemacht, so Erber. Da er die italienische Sprache aber trotzdem relativ schnell lernen will, wird er wahrscheinlich gleich einen Italienisch-Kurs machen. Außerdem will er – wenn es klappt ­– in einem Verein Fußball spielen und sich dadurch einen italienischen Freundeskreis aufbauen. Wie Christoph Erber an der Waldorfschule in Mailand zurechtkommt, wie es mit der Sprache klappt, ob er einen Fußballverein gefunden hat und was er sonst noch erlebt – darüber wird er in den kommenden Monaten im KREISBOTEN berichten.

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Schüler zeigen Einsatz
Schüler zeigen Einsatz
Indien trifft Allgäu
Indien trifft Allgäu
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben

Kommentare