"Die klopfen uns weich"

So soll das Möbelhaus einmal aussehen – sofern es denn gebaut wird. Foto: Archiv

Kommt er, oder kommt er nicht? Zwar besitzt der Möbelgigant XXXLutz seit 2008 eine gültige Baugenehmigung für das Gelände am Haslacher Berg, getan hat sich seitdem dort aber nichts – und wird es wohl auch in absehbarer Zeit nicht. Denn noch immer liegen Unternehmen und Bauverwaltung wegen der Größe des Randsortiments im Clinch. Der Stadtrat will von seiner harten Haltung jedenfalls nicht abweichen, wie am Donnerstagabend deutlich wurde. Bei XXXLutz sah sich bis Montagabend niemand zu einer Stellungnahme in der Lage. Dabei drängt die Zeit: Spätestens bis September 2013 muss XXXLutz mit dem Bauen beginnen. Nun soll der Stadtrat sich im Herbst erneut mit dem Thema beschäftigen.

Wirklich verstehen tut das Verwirrspiel um den Bau des XXXLutz-Möbelhauses am Haslacher Berg mittlerweile wohl niemand mehr. Unter der Voraussetzung, dass das angebotene Randsortiment nicht größer als 4000 Quadratmeter ausfällt, erhielt der Möbelriese 2008 die Baugenehmigung für den Haslacher Berg. Der vollmundigen Ankündigung, schon das Weihnachtsgeschäft 2009 mitnehmen zu wollen, folgte – nichts. Schließlich gingen am 3. August des vergangenen Jahres die ersten offiziellen Änderungsanträge ein. Neben einigen optischen Retuschen und der Reduzierung des Hauptgebäudeteils um ein Geschoss enthielt der Vorstoß aber auch Brisantes – die Vergrößerung des Randsortiments von 4000 auf 6000 Quadratmeter (der KREISBOTE berichtete mehrfach). Während der Stadtrat den gestalterischen Änderungswünschen zustimmte, blieb er in Sachen Randsortiment aber hart. So lehnte das Gremium zuletzt am 11. November eine Erweiterung einstimmig ab. Wie schon im Planungsprozess berufen sich dabei Verwaltung und Stadtrat auf verschiedene Gutachten, die bei einem größeren Randsortiment Auswirkungen auf die Geschäfte in der Kemptener Innenstadt prognostizieren. Im März legte die XXXLutz-Tochter NH-Immonilien, der das Areal im Kemptener Süden gehört, nach und präsentierte nach Angaben von Baureferentin Monika Beltinger ein neuerliches Gutachten. Fazit: 6000 Quadratmeter Randsortiment hätten keinen Einfluss auf die Innenstadt. „Dieses Gutachten weist jedoch wesentliche und grundsätzliche handwerkliche Mängel bei den zu Grunde gelegten Annahmen und Berechnungen der Abschöpfungsquote auf“, erklärte Beltinger am Donnerstagabend im Stadtrat. Ein im Juni vorgelegtes nachgebessertes Gutachten sei ebenfalls die Erklärung schuldig geblieben, warum ein erweitertes Randsortiment keine Auswirkungen auf die Geschäfte in der Innenstadt haben soll. „Wir werden deshalb einen Ablehungsvorschlag machen“, sagte sie. Die Möbelfirma habe sich bislang aber noch nicht zur Stellungnahme der Bauverwaltung geäußert. Dementsprechend bekräftigte der Rat seine ablehnende Haltung am Donnerstag erneut. Anlass war eine Anfrage von Republikaner-Stadtrat Gert Frings zum aktuellen Sachstand. „An den 4000 Quadratmetern halten wir fest“, betonte beispielsweise Stadtrat Dieter Zacherle (FW). „Die versuchen uns weich zu klopfen“, sagte er. OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) ergänzte in Anspielung auf die neuen Gutachten. „Bisher liegen keine Argumente vor, die uns von unserer ablehnenden Haltung abbringen würden.“ Zwar müsse man sich mit den Argumenten des Investors auseinandersetzen, „aber wir sehen keinen Grund in eine Änderung zu gehen.“ Die festgelegten 4000 Quadratmeter Randsortiment seien „breiter politischer Wille“, betonte Netzer. Bei XXXLutz sah man sich bis Montagabend 18 Uhr zu einer Stellungnahme gegenüber dem KREISBOTEN nicht in der Lage. Doch wie geht es nun weiter? Fakt ist, dass die Baugenehmigung noch bis September 2012 gilt und auf Antrag um vier Jahre verlängert werden kann. Ein Durchführungsvertrag zwischen XXXLutz und der Stadt hat allerdings bis September 2013 Bestand. Heißt: Bis dann muss das Unternehmen spätestens mit dem Bau begonnen haben. Ist das nicht geschehen, kann nach Auskunft von Baureferentin Beltinger der Bebauungsplan wieder geändert werden. Das sei allerdings eine politische Entscheidung. Darüber hinaus habe man bislang keine Signale erhalten, dass sich XXXLutz aus Kempten zurückziehen wollte. Zunächst gehe es aber darum, dass laufende Änderungsverfahren voran zu treiben. Ob mit dem Thema Randsortiment oder ohne, müsse nun in Absprache mit NH-Immobilien geklärt werden. Im Herbst könnte sich der Stadtrat dann erneut mit dem Thema beschäftigen.

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