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Die letzte Gnadenfrist für das Schwimmbad Seltmans

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Von: Lutz Bäucker

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Freibad Seltmanns Schwimmbad Weitnau
Altersschwaches Idyll: Seltmans hängt an seinem Freibad – im Sommer öffnet es ein allerletztes Mal. © Archiv: Bäucker

Weitnau - Das Freibad in Seltmans hat seine besten Zeiten hinter sich. In der Sitzung des Marktgemeinderates gingen die emotionalen Wogen hoch, ein Kompromiss nimmt vorerst etwas Druck aus der Diskussion.

Die Rohre sind löchrig, das Becken nässt, die nackten Zahlen sind eindeutig: Das bei den Bürgern sehr beliebte kleine Freibad im Ortsteil Seltmans hat seine besten Zeiten hinter sich und entwickelt sich buchstäblich zum Fass ohne Boden. Tausende Kubikmeter Wasser versickern irgendwo in der Erde, das kostet immer mehr Geld.

Rund drei Millionen Euro könnte die immer drängendere Erneuerung der Anlage kosten. Zu viel , sagt Bürgermeister Florian Schmid und beklagt: „Seit vielen Jahren diskutieren wir über den Zustand des Bades, ohne einer zukunftsfähigen Lösung näherzukommen.“ Im kommenden Sommer wird das Schwimmbad ein letztes Mal geöffnet, dann soll das Problem gelöst sein.

Bürgerbad als sozialer Treffpunkt

Ihr Freibad liegt den Bürgern von Seltmans sehr am Herzen. Mehrfach von der Schließung bedroht, hat es sein Überleben vor allem dem Engagement des „Fördervereins Schwimmbad“ mit ehrenamtlichen Mitgliedern zu verdanken. Die gern „Bürgerbad“ genannte Anlage ist sommerlicher Treffpunkt von Jung und Alt, viele Menschen haben dort Schwimmen gelernt, die emotionale Bindung ist stark. „Wenn wir das Bad dicht machen, nehmen wir Seltmans das letzte Stück Gemeinsamkeit weg“, gab eine Gemeinderätin zu bedenken. Und aus der Mitte der sehr zahlreich erschienenen Zuhörer hieß es: „Trotz seines Alters hat unser Bad seinen Charme, es ist ein wichtiger sozialer Faktor.“

Diesen Aspekt erkennt auch Bürgermeister Schmid an. Er verweist aber darauf, „dass wir das Mach- und damit Bezahlbare im Auge haben müssen.“

Trotz eventueller Fördergelder aus der Staatskasse müsste die Marktgemeinde bei einer Rundumerneuerung gut anderthalb Millionen Euro aufbringen: „Das können wir leider nicht stemmen“, so Schmid. Er plädierte für die umgehende Schließung der Anlage. Als Ersatz hat er ein abgespecktes, kostengünstigeres „Naturbad“ in Seltmans oder eine Naturbadestelle in Weitnau-Widdum vor Augen.

Genaue Analyse gefordert

Angesichts des 2021 stark angestiegenen, aber offensichtlich nicht genau zu eruierenden Wasserverlustes von rund 4.000 Kubikmetern läuteten bei vielen Gemeinderäten die Alarmglocken. „Wo bleibt die exakte Ursachenforschung?“, fragte etwa der Grüne Sebastian Danner und forderte, alle möglichen Alternativen zu einer Schließung zu prüfen: „Wir brauchen ein Bad für die Schwimmkurse unserer Kinder, als barrierefreie Bademöglichkeit in der Region und als ein Stück echter Lebensqualität.“

Manuela Müller-Gassner unterstrich die Bedeutung der Anlage als „wichtige Institution für Seltmans und sozialen Treffpunkt“. Susanne Albrecht und Alexander Nowikow schlugen vor: „Gönnen wir uns noch einen Sommer in diesem Bad, analysieren wir die Situation exakt und finden heuer eine Lösung.“

Defizitär sei praktisch jede öffentliche Badeanstalt, das allein sei kein Grund, in Seltmans das Wasser aus den beiden Becken zu lassen. „Wir müssen uns endlich ehrlich machen“, konterte der Bürgermeister, „schaut euch doch mal die Becken an, das geht nicht mehr.“

Naturbad oder naturbelassene Badestelle

Nach hitzigem, fast einstündigem Meinungsaustausch votierte das Gremium mehrheitlich für den Kompromiss eines letzten Badesommers in Seltmans. „Klar ist aber auch, dass wir vor dem allerletzten Sprung ins Wasser beschließen müssen, was danach passiert“, ließ Schmid keine Zweifel an seiner Entschlossenheit, das scheinbar endlose Kapitel zu schließen.

In Zukunft also ein Naturbad ohne Chlor und Bademeister oder eine naturbelassene Badestelle wie in Wildpoldsried – die Schwimmer und Wasserratten in Seltmans und drumherum sollen nicht auf dem Trockenen sitzen bleiben.

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