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Kempten: Erinnerungsfoto mit Mülltonne 

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Von: Susanne Lüderitz

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Der Selfie-Engel an der Freitreppe in Kempten
Der Selfie-Engel an der Freitreppe wird auch heuer wieder seine Flügel in die Luft recken. Daneben leuchtet eine orangefarbene Mülltonne. © City Management Kempten

Kempten – Schwarz, weiß oder orange? Die orangefarbenen Mülltonnen in der Innenstad sind in der Kontroverse.

Manchmal ist ein Vorteil gleichzeitig ein Nachteil. Während der Leiter des städtischen Bauhofs Michael Kral sehr zufrieden ist mit den großen orangefarbenen Mülltonnen in der Kemptener Innenstadt, verleiten die Tonnen die Mitglieder des Beirats für Tourismus und Stadtmarketing nicht gerade zu Freudensprüngen. Für touristische Attraktionen wünscht sich der Beirat mehr Feingefühl im Umgang mit den Müllschluckern. Bereits in der Juli-Sitzung waren die orangenen Behälter und die Bierkisten für Pfandflaschensammler Thema im Beirat. In der jüngsten Zusammenkunft war Michael Kral selbst anwesend und stand Rede und Antwort. „Ich stehe weder in der Presse, noch schreibe ich mehr Oberbürgermeisterbriefe“, sagte er zufrieden über die Sichtbarkeit der Tonnen.

Kempten: Mit den Mülltonnen kommt die Sauberkeit

Während es früher zahlreiche Beschwerden gegeben hatte, über herumliegenden Müll und überquellende Eimer, und er sich mit negativen Zeitungsberichten und Rechtfertigungsbriefen an das Stadtoberhaupt beschäftigen habe müssen, sei die Stadt seit Einführung der orangefarbenen Tonnen viel sauberer. Und das obwohl heuer der Müllrekord gebrochen werde. „Dieses Jahr überschreiten wir wahrscheinlich die 300-Tonnen-Grenze“, so Kral. Das seien 50.000 Euro an reinen Entsorgungskosten. Im Jahr 2021 waren es „nur“ 285 Tonnen Müll gewesen. Thema seien die FastfoodBehälter, Kaffeebecher und sonstiger Müll beim Einkaufsbummel.

Dass Kempten sehr sauber sei, das meldeten auch die Gäste von außerhalb an die Leiterin von Kempten Tourismus Stefanie Schmitt zurück. Was die touristischen Hotund Insta-Spots betreffe, so erklärte Kral, dass dort immer auch Verkehrsbeziehungen seien. „Wenn ich an der Freitreppe keine Tonne habe, dann habe ich den ganzen Müll im Blumenbeet.“ Überhaupt sei es schwierig, Standorte zu finden. Dem einen seien die Müllbehälter zu nahe am Schaufenster, dem anderen zu nahe am Ladeneingang. Es brauche oft längere Zeit, bis der passende Standort gefunden sei. Krals augenzwinkernder Tipp: Photoshop-Programme.

Orangefarbene Mülltonen: Zwei Seiten einer Medaille

Und auch die Behältnisse für Pfandflaschen würden sehr gut angenommen. „Wir haben ganz wenig Flaschen im Müll, kaum Glasbruch, keine herumstehenden Bierflaschen mehr.“ Sie verschafften jenen Menschen mehr Würde, die sich mit dem Flaschenpfand ein Zubrot zum Lebensunterhalt verdienen. Die Frequenz, mit der die Sammler unterwegs sind, sei hoch.

Helmut Berchtold (CSU) hatte dazu eine Anekdote in petto: Eine Mitarbeiterin der Stuttgarter Stadtwerke habe sich sehr über die Pfandkisten gefreut. „So eine coole Idee und so einfach“, habe sie gefunden. Nach digitalen Füllstandsmessern für Müllbehälter erkundigte sich Niklas Ringeisen. Diese ergaben vor allem in Randbereichen Sinn, wo das städtische Personal nicht so oft vorbeikomme oder an neuralgischen Punkten. Die Restmüllbehälter am Hildegardplatz und an der Lorenzkirche seien damit nachgerüstet worden.

Kommentar von Susanne Lüderitz

Keine Klagen über herumliegenden Müll und Dreck bekommt seit Einführung der orangefarbenen Tonnen Bauhofleiter Michael Kral mehr zu hören. Die leuchtend orangefarbenen Tonnen sind gut zu sehen und so zahlreich, dass man nicht umhinkommt, sie zu nutzen. Dass diese Tonnen nicht gerade am Fotomotiv Freitreppe stehen müssen, finden Kemptens Touristiker. Manchmal ist ein Vorteil gleichzeitig ein Nachteil. Oder etwa doch nicht? Vielleicht ist ein Vorteil auch nur ein Vorteil:

Ich finde, man könnte Kemptens neue Sauberkeit touristisch ausschlachten und bei den Gästen für den etwas anderen Aha-Effekt sorgen. Ein Artikel über die orangefarbenen Mülldiener und die Pfandkisten im Tourismusmagazin „Wilde Hilde“, ein Hinweis über deren Dasein und Nutzen auf der Homepage von Kempten Tourismus, und dem Internet-Auftritt der Stadt:

Das würde den Touristen ein Vorwissen geben über die Mülltonnen und ihnen beim Anblick vor Ort ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Die Mülltonnen sind zwar keine dezidiert historische Sehenswürdigkeit, aber man könnte das Kemptener Erfolgsmodell auch als solches publik machen. Auch ein Quiz für Kinder nach dem Motto, „wie viele orangefarbene Tonnen findest du zwischen Drogerie Müller und Freitreppe?“ halte ich für denkbar. Oder gar eine Challenge für Instagram: Wer macht das schönste Bild mit einer Mülltonne?

Und: Kempten soll mehr Urbanität wagen. Das ergab die Analyse beim Förderprogramm „Fitnessprogramm starke Zentren“. Ich finde, es muss nicht immer alles farblich aufeinander abgestimmt sein, gerade wenn zur Sommerzeit ohnehin Girlanden in allen erdenklichen Farben in der Stadt leuchten. Vielleicht gewinnt Kempten einen weiteren touristischen Trumpf hinzu.

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