"Die Partnerschaften leben"

Eine Besucherin betrachtet das Bild „Georgs Umriss” von Maurizio Bonato in der Kunsthalle. Foto: Kampfrath

Eine körperliche Behinderung kann eine Art Gefangensein im eigenen Körper bedeuten. Das zeigt das Gemälde „Movimenti del pensiero“ von Mirta De Simoni, auf dem die linke der beiden Figuren gefesselt ist. Zurzeit hängt es als Teil der Ausstellung „Träume tragen den Körper“ in der Kunsthalle. Jetzt kamen rund 100 Gäste zur Vernissage.

Zu sehen sind 30 Werke von Künstlern mit und ohne Behinderung. Sie alle stammen aus dem Trentino sowie aus Südtirol und Tirol. Sechs Bürgermeister trafen bei der Ausstellungseröffnung zusammen. Neben den Kemptener Stadtoberhäuptern Dr. Ulrich Netzer (CSU), Josef Mayr (CSU) und Sibylle Knott (FW) erschienen mit Alessandro Andreatta und Dr. Tamás Fodor die Bürgermeister von Trient (Italien) und Sopron (Ungarn). Seit 25 Jahren verbindet Kempten eine Partnerschaft mit beiden Städten. Die Vernissage war die Auftaktveranstaltung zu den Jubiläumsfeierlichkeiten am vergangenen Wochenende. „Entstanden ist der Gedanke dieser Ausstellung bereits im letzten Jahr, als sich Schülerinnen und Schüler der Agnes-Wyssach-Schule mit ihren Lehrkräften auf Klassenfahrt nach Trient begaben und dort auf die Ausstellung aufmerksam gemacht wurden“, erklärte OB Netzer. Dass das Förderzentrum für die Schau mit dem Rosmini-Gymnasium Trient zusammenarbeitete, könnte der Anfang einer künftigen Freundschaft sein. Von dieser Schule waren einige Jugendliche und Lehrer nach Kempten gereist. Zukunft gesichert „Sie sehen, die Partnerschaften leben, und gerade durch die vielen jungen Menschen ist das Überleben auch in der Zukunft gesichert“, meinte Kemptens OB Netzer. Die Mitkuratorin der Ausstellung, Gabriela Nepo-Stieldorf, teilte die Meinung ihres Vorredners: „Partnerschaften sind unheimlich wichtig, um das Leben in Europa weiterzubauen.“ Die Ausstellung solle eine Brücke schlagen zu einer Gesellschaft ohne Ressentiments. Den Ausdruck „behindert” benutze sie nur in Anführungsstrichen. „Denn jeder von uns hat eigentlich eine Behinderung. Und im Alter wird es immer mehr.” Maria Nunzia Viglianisi, Professorin am Pädagogischen Institut Rosmini in Trient, freute sich, dass die Werke in der „wunderschönen Kunstgalerie“ der Stadt zu sehen sind. „Diese Ausstellung, reich an verschiedenen Ausdrucksweisen und Mitteilungen, hat den Zweck, offenere Ansichten anzubieten.“ Sinn sei es, die Sensibilität und Geistigkeit eines Jeden zu nähren. „Die Ausstellung zeigt die Themen der Verständigung aus verschiedenen Aspekten, sodass ein Dialog zwischen zwei Realitäten zustande kommen kann.“ Durch die Schau solle die Partnerschaft zwischen Trient und Kempten unterstützt werden. Mariangela Fuoco vom Rosmini-Gymnasium in Trient besucht, berichtete von dem Selbstlernzentrum an ihrer Schule. In diesem Raum könnten nicht-behinderte und behinderte Schüler verschiedene Bildungsstrategien ausprobieren. „Diese Unterrichtsprogramme sind anziehend und reizend, motivieren uns und fördern eine kritische Ansicht“, sagte die Schülerin. Androgyne Figuren Die Gemälde, Fotografien, Kollagen und Skulpturen von „Träume tragen den Körper“ spiegeln verschiedene Stile wider. Das bereits erwähnte Bild von Mirta De Simoni stellt zwei androgyne Figuren dar. Die linke ist traurig, gefesselt und sitzt in der Dunkelheit. Die rechte Figur hingegen erstrahlt fröhlich und frei in hellem Licht. Man könnte dies als Versinnbildlichung von Krankheit und Gesundheit deuten. Eine andere Interpretation wäre, dass die Gedanken trotz der Behinderung frei sind. Dies lässt auch der Titel „Movimenti del pensiero“ (Gedankenbewegungen) vermuten. Annamaria Gelmi klebte für die Kollage „Labirinto della memoria“ zerschnittene Briefmarken und Tabellen auf weiße Leinwand. Die Papierfetzen bilden dabei einen Irrgarten. Bonato Maurizios skizzenhaftes und großflächiges Gemälde „Georgs Umriss“ zeigt 20 Körperteile eines bekleideten Mannes. Andrea Baumanns „Where is the line“ besteht aus vier unscharfen fotografischen Selbstporträts der Künstlerin. Das erste Bild offenbart, abgesehen vom Kinn, das ganze Gesicht, das zweite zeigt die Hälfte des Kopfes, auf dem dritten ist nur noch die Stirn zu erkennen. Das vierte Foto lässt das Gesicht schließlich ganz verschwinden. Annamaria Rossi Zen malte für ein titelloses Bildnis Sonnenblumen unter blauem Himmel, deren Köpfe nach unten hängen. Sie sind auf der Suche nach Licht. Zu vielen Werken gab es eine Werkstatt. Die Besucher konnten dort ein Bild nachmalen oder eine Kollage dazu erstellen. Die Schüler des Rosmini-Gymnasiums Trient und des Agnes-Wyssach-Förderzentrums halfen dabei.

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