"Die Qualität nimmt ab"

Die Geschäftsführung des Klinikums Kempten-Oberallgäu stößt mit ihrer neuen Personalplanung bei der Gewerkschaft ver.di weiter auf Gegenwehr. In einem Pressegespräch am Dienstag vergangener Woche erneuerte ver.di in Person von Jugendsekretär Stephan Ettensperger und Jutta Aumüller, zuständig für den Bereich Gesundheit, ihre bereits im März geäußerte Kritik zur Personalplanung im Klinikum (der KREISBOTE berichtete). Klinik-Geschäftsführer Andreas Ruland und Pflegedirektorin Susanne Kern dementierten vergangenen Mittwoch die Vorwürfe und stellten sie aus ihrer Sicht klar.

Hintergrund der ver.di-Kritik sind die Planungen des Klinikums, bis zu 30 Prozent des examinierten Pflegepersonals, die eine dreijährige Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger gemacht haben, durch Pflegehilfskräfte mit sechswöchigem Pflegehelferkurs zu ersetzen. Dadurch nehme die Qualität des Pflegedienstes ab, so Ettensperger, da eine Hilfskraft mit sechswöchigem „Crashkurs“ nicht das Wissen habe wie eine examinierte Kraft. Kern erklärte hingegen, dass die Aufgaben der Pflegehelfer jedoch genau festgelegt seien: Dem Konzept zufolge sollen die Hilfskräfte die examinierten im hauswirtschaftlichen Bereich und in der leichten Grundpflege unterstützen. So können die Aufgaben künftig so aufgeteilt werden, dass die examinierten Pflegekräfte die Kernaufgaben übernehmen und bei den übrigen Aufgaben entlastet werden. „Diese Maßnahme dient zur weiteren Professionalisierung des Pflegedienstes“, so Kern. Damit die Patienten die examinierten Kräfte von den Hilfskräften unterscheiden können, werden sie anders gekleidet. Ruland konnte die Vorwürfe von ver.di nicht nachvollziehen. „Im Oberallgäu hat die Umwandlung der Stellen in den vergangenen Jahren auch problemlos funktioniert.“ „Die Aussagen von ver.di irritieren mich sehr“, sagte auch Kern. Bereits seit drei Jahren seien im Klinikum Hilfskräfte beschäftigt. Das neue Konzept werde in den nächsten ein bis zwei Jahren auf schleichendem Weg umgesetzt, stellte sie klar. Weitere Kritikpunkte von ver.di und die Erklärung des Klinikums in der Zusammenfassung: Das sagt ver.di: 1) Durch die Umwandlung von examinierten Kräften auf Pflegehilfskräfte sinken die Chancen der Auszubildenden der Kemptener Krankenpflegeschule auf eine Übernahme. 2) Laut Ettensperger wollen einige der Pflegeschüler nicht mehr in dem Beruf arbeiten, da durch sie durch die „Beaufsichtigung“ der Hilfskräfte einen „ganzen Packen Verantwortung aufgebrummt bekommen“. 3) Jede Stelle, die frei wird, wird wohl künftig mit einer Pflegehilfskraft besetzt, glaubt Ettensperger. 4) Der Einsatz von Pflegehilfskräften sei für die Krankenhaus-Patienten gefährlich, da die Hilfskräfte nicht das nötige Wissen für manche Aufgaben haben. 5) Durch ein geändertes Schichtmodell soll die Nachtschicht auf zehn Stunden verlängert werden und die Tagschicht auf 7,25 Stunden verkürzt werden. Das heißt, dass die Kemptener Pflegekräfte künftig eine fünfeinhalb bis Sechs-Tage-Woche (statt fünf Tage) hätten. Dadurch können Vollzeitkräfte eingespart werden und die Belastung für die Mitarbeiter wird höher, befürchtet die Gewerkschaft. Das sagt das Klinikum: 1) Vier der 30 Azubis, die heuer mit ihrer Ausbildung fertig werden, sind bereits zum 1. Oktober eingestellt worden, erläuterte Susanne Kern, und laut Andreas Ruland sind noch weitere geplant. Die übrigen Pflegeschüler kommen erfahrungsgemäß in den umliegenden Häusern unter. 2) Kern hat nicht das Gefühl, dass die Azubis nicht mehr im Krankenhaus arbeiten wollen. Sie bekämen die Verantwortung, die sie nach ihrer Ausbildung tragen können. 3) Jede Stelle, die frei wird, wird genau geprüft und dann wird entschieden, ob sie mit einer Hilfskraft oder einer examinierten Kraft besetzt wird. 4) Die Hilfskräfte werden nur in Bereichen eingesetzt, wofür keine dreijährige Ausbildung erforderlich ist: Helfen beim Haarewaschen, Essen herrichten, Hilfe beim An- und Auskleiden. 5) Kern erläuterte, dass keine Stellen abgebaut, sondern gewandelt werden. Ruland sagte, dass durch die Reduzierung der Tagschicht auf 7,25 Stunden 6,5 Vollzeitkräfte wegfallen. Die Mitarbeiter hätten künftig eine 5,5 Stunden-Woche. Alle fünf bis sechs Wochen müsste einen Tag mehr gearbeitet werden.

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