Einmal ist immer das erste Mal

Digitale Herbstvollversammlung des Stadtjugendrings Kempten

Die SJR-Hauptversammlung findet digital statt.
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Die SJR-Hauptversammlung findet digital statt.

Kempten – „Das ist Premiere für uns und ich bin froh und stolz, dass wir unsere Herbstvollversammlung in digitaler Form satzungsgemäß stattfinden lassen können. Ein großes Dankeschön geht an alle, die das ermöglicht haben und jetzt leider keinen Applaus bekommen können.“ So begann Stefan Keppeler, amtierender Vorsitzender des SJR Kempten, seine Einführung. Insgesamt 35 Delegierte der verschiedenen Jugendverbände und Organisationen hatten über das Tool Microsoft Teams von zu Hause aus online an der Vollversammlung teilgenommen. Auch einige Stadträte Kemptens waren zugeschaltet wie etwa die dritte Bürgermeisterin Erna-Kathrein Groll (Grüne), Ilknur Altan (SPD), Dominik Tartler (Future for Kempten) oder Stephan Prause (CSU).

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Nachdem die Frühjahrsvollversammlung coronabedingt erst Ende Juni und auch nur im geräumigen Gemeindezentrum der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Kempten stattfinden konnte, war die Ausgangslage für die Herbstvollversammlung nochmal deutlich schlechter. Kurzerhand wurde die Versammlung das erste Mal online durchgeführt. Da der SJR Kempten im Mai nächsten Jahres einen neuen Vorstand wählt, durfte sich der Kandidat Thomas Wilhelm gleich zu Beginn der Videokonferenz ausführlich vorstellen. Der amtierende Vorsitzende Stefan Keppeler wird nach 20 Jahren auf eigenen Wunsch nicht mehr zur Verfügung stehen. „Nach so langer Zeit ist es sicher nicht verkehrt, mal jemand anderen ranzulassen, und meinen Rückzug hatte ich ja schon bei der letzten Versammlung angekündigt. Allerdings muss ich gestehen, dass mir der Loslassprozess deutlich schwerer fällt, als ich angenommen habe“, gestand Keppeler. Er freue sich aber, dass er sein Amt guten Gewissens in neue Hände legen könne. Mit Thomas Wilhelm, aktuell stellvertretender Vorsitzender, gebe es einen würdigen Nachfolger. „Seit geraumer Zeit findet bereits eine Einarbeitung statt. Ich fühle mich gut angenommen und bin mir der Verantwortung, die auf mich zukommt, natürlich bewusst“, so schilderte Wilhelm den digital Anwesenden die aktuelle Situation. Der 45-jährige Familienvater ist gelernter Krankenkassenbetriebswirt und arbeitet seit zehn Jahren beim Jobcenter in Kempten. Seit April 2020 ist er dort auch Personalratsvorsitzender. „Mein Schwerpunkt beim Stadtjugendring liegt im Bereich Politik. Ich bin seit zwei Jahren im Arbeitskreis Jugendpolitik und das Thema liegt mir sehr am Herzen. Ich möchte Jugendliche für politische Arbeit und politische Aufklärung begeistern.“

Alternativen für den beliebten Stadtnikolaus

Einen weiteren Abschied muss der Stadtjugendring in diesem Jahr außerdem verkraften. Tanja Thalmeier, zuständig für die Revision, wird ihr Amt nicht weiter ausführen können. Durch ihre Vorstandschaft im Aufsichtsrat der BSG Allgäu fehle ihr leider die Zeit. „Wir alle möchten ihr außerordentlich für ihr Engagement danken und sind jetzt auf der Suche nach jemandem, der die Zeit hat und die Verantwortung übernehmen möchte, unsere Organisation zu prüfen. Gerne würden wir mit einer Frau als Nachfolgerin in dieser Funktion weiterhin paritätisch besetzt sein“, erklärte Keppeler. Im Juni hatten die Verantwortlichen des SJR noch gehofft, trotz der Coronakrise die vielen geplanten Aktivitäten für den Herbst und Winter durchführen zu können. „Es tut mir ganz besonders leid, dass wir den Stadtnikolaus in diesem Jahr das erste Mal absagen müssen. Das ist eine riesengroße Tradition, die seit sage und schreibe 71 Jahren stattfindet. Seit 1998 sind wir als Stadtjugendring die durchführende Organisation dieses Highlights in der Adventszeit. Die Absage schmerzt uns alle sehr. Deswegen haben wir uns intensive Gedanken gemacht, was wir alternativ machen können. Der Nikolaus wird den Kindern im Allgäu dieses Jahr nun mit handgeschriebenen Karten eine Freude machen und sich außerdem per Videobotschaft melden.“

Geplant ist, die Karten an Kindergärten und Grundschulklassen herauszugeben, wo vor Ort von den Erziehern oder Lehrkräften der Vorname individuell eingetragen werden kann. Der Nikolaus erklärt in seinem Text, warum er dieses Jahr nicht persönlich kommen könne. Er gehöre zur Risikogruppe und eine Ansteckung mit dem Coronavirus könnte ernsthafte Folgen haben. 

Neue Jugendkommission per Wahl besetzt

Ein weiterer wichtiger Punkt der digitalen Vollversammlung war die Wahl zweier Vertreter für die neue Jugendkommission. Die Jugendkommission soll in Zusammenarbeit mit dem Amt für Jugendarbeit der Jugend auf politischer Ebene mehr Gehör verschaffen und deren Meinungen und Ansichten abbilden. Chef der neuen Jugendkommission ist Stadtratsmitglied Dominik Tartler (Future for Kempten), der im Vorfeld der Wahl noch einmal erläuterte, was sich hinter der Kommission verbirgt. „Jugendliche müssen mit ihren politischen Anliegen ernst genommen werden und die Stadtpolitik aktiv mitgestalten und weiterentwickeln können. Die Jugendkommission versteht sich somit als selbstständige Interessenvertretung für Jugendliche. Wir werden uns mit allen politischen Dingen beschäftigen, die für Jugendliche Relevanz haben“, versprach Tartler. Mit Laura Grusling von der Bayerischen Sportjugend Kreis Oberallgäu und Pascal Wilhelm von der Jugendfeuerwehr Lenzfried hatten sich zwei Delegierte der Jugendverbände zur Wahl gestellt. Beide wurden einstimmig mit jeweils einer Enthaltung in die Kommission gewählt.

Die mehr als zweieinhalbstündige Herbstversammlung beschäftigte sich außerdem mit dem Haushaltsentwurf für 2021. SJR-Geschäftsführer Alexander Haag gab einen Überblick über die finanziellen Planungen für das kommende Jahr. Die Haushaltssumme wurde auf gut 2,3 Millionen Euro festgelegt. „Die steigenden Personalkosten durch die Projekte und die wachsenden Verwaltungskosten zwingen uns dazu, Einsparungen vorzunehmen und die Drittmittelakquise zu steigern. Außerdem planen wir deutlich weniger Investitionen im Verleih“, informierte Haag die Delegierten. Größere Investitionen seien erst wieder ab 2022 geplant.

Bereits im aktuell laufenden Geschäftsjahr 2020 musste der Geschäftsführer auf Rücklagen zugreifen, um unter anderem die Kosten für die Digitalisierung, ausgelöst durch Corona, und die Stärkung der Geschäftsstelle zu decken. „Ein großes Dankeschön geht auch dieses Mal an die Stadt Kempten, unseren wichtigsten Förderer und Begleiter“, betonte Haag. Lobende Worte für die Verantwortlichen des Stadtjugendrings kamen dann von Erna-Kathrein Groll, die sich nicht nur über das verabschiedete Jahresprogramm 2021 freute. „Da steckt so viel Kreativität und Professionalität drin. Eine ideale Kombination, gerade in diesen Zeiten, die so schwierig sind. Wir müssen momentan alle sehr flexibel und kreativ sein. Aber es darf bei allen Abstandsregeln, die gerade notwendig sind, nicht zu einer sozialen Vereinsamung kommen. Es braucht digitale Angebote vom SJR, damit sich die Jugendlichen einbringen können und sich nicht vernachlässigt fühlen. Für die Stadt Kempten ist die Unterstützung der Jugendarbeit nach wie vor eine Herzensangelegenheit“, betonte Groll. 

Kathrin Dorsch

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