Kein Museum von der Stange

Dieses Wochenende eröffnet das Kempten-Museum im Zumsteinhaus

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Museumsleiterin Dr. Christine Müller Horn vor Gemälden mit Mitgliedern der Familie Zumstein.

Kempten – „Das Museum soll zu einem Ort der Begegnung, des Austauschs und der Diskussion werden“, so Oberbürgermeister Thomas Kiechle in einen Pressegespräch am Montag im Zumsteinhaus.

Und auch Museumsleiterin Dr. Christine Müller Horn hofft, dass die Kemptener Bürger das Museum häufig besuchen und auch mal zwischendurch kurz für eine Pause hereinschauen. Dabei hilft sicher, dass das Museum ohne Eintritt besucht werden kann. 

Ein großer Teil der Eintrittsgelder würde ohnehin wieder durch die Kosten aufgebraucht werden, die durch Kontrollmechanismen und zusätzliches Personal für Ausgabe der Eintrittstickets nötig wäre. „Wir verzichten auf einen niedrigen fünfstelligen Betrag“, so Kiechle, „aber ein Museum ist ein Bildungsort und der Zutritt soll für jeden möglich sein.“ Dass das Museum ein Ort sein soll, an dem sich Kemptener Bürger wiederfinden und gerne Zeit verbringen wollen, zeigt sich bereits im Eingangsbereich. 

Gerne kann man sich im kleinen Museumsshop, in dem es ausschließlich Kemptener Produkte geben wird, einen Kaffee holen und sich im nebengelegenen Salon auf die Museumstour einstimmen. Die Wand zeigt Portraits von Kemptener Persönlichkeiten aus vergangenen und aktuellen Tagen und auf den Tischchen liegen Magazine über Kempten und das Museum aus, in denen die Besucher schmökern können. Während im ersten Raum ein Zeitstrahl an der Wand abgebildet ist, mit dem sich die Besucher einen Überblick über die Kemptener Geschichte verschaffen können, sind die weiteren Räume nicht zeitlich gegliedert. 

In elf verschiedenen Themenräumen zeigt das Kempten Museum auf spannende Weise verschiedene Einblicke in die Stadtgeschichte. Hierbei handelt es oftmals um Bereiche, mit denen sich viele Kemptener bestens identifizieren oder selbst in Erinnerungen schwelgen können. Da ist das Bild des Wurststands auf dem Wochenmarkt oder der Neon-Schriftzug der Tanzschule Grill. Die Gestaltung der Räume lädt auch zu kurzen Besuchen ein. Warum nicht mal die Mittagspause im Museum verbringen und sich von den hervorragenden Schwarz-Weiß-Bildern und Geschichten von Menschen, die als Gastarbeiter oder Vertriebene nach Kempten kamen und hier eine neue Heimat fanden, beeindrucken lassen? 

Das Kempten Museum soll zur Teilnahme einladen und so gibt es einen Zumsteinpfad, der vom Keller bis zum Dachgeschoss führt und die architektonischen Besonderheiten des Hauses erklärt, ein Aktivheft für Kinder, das zum Mitmachen einlädt und den Kleinsten die Möglichkeit gibt, das Museum mit Spaß und Spannung zu erfahren, oder ein großes dreidimensionales Modell, an dem mit Hilfe einer audiovisuellen Show die Stadtgeschichte erlebt werden kann. Die Kosten für die Sanierung des Gebäudes, das 1802 von Kaufmannsfamilie Zumstein de la Pierre erbaut wurde, beliefen sich auf 6,65 Millionen Euro, der Innenausbau auf rund 1,9 Million Euro. 

Dass die Sanierungskosten in etwa zehn Prozent höher ausfielen als geplant, erklärte Baureferent Tim Koemstedt mit Unvorhergesehenem, das beim Bauen im Bestand und Denkmalschutz nie ganz auszuschließen sei. Etwa 30 Prozent der Kosten werden von Fördermaßnahmen getragen. Nun liegt es an den Kemptenern zu zeigen, dass die Gelder sinnvoll ausgegeben wurden und sie bereit sind, das Museum als ein Stück Heimat anzunehmen und zu nutzen. Gelegenheit dazu gibt es zum ersten Mal am Samstag, 7. Dezember, und Sonntag, 8. Dezember. Von 10 bis 18 Uhr öffnet das Kemptener Stadtmuseum dann seine Pforten und lädt zu einem bunten Programm mit Aktivstationen für die ganze Familie, Musik und Leckereien ein. 

Günther Hammes

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