"Diesmal keine Hiobsbotschaften!"

Anregungen für das neue Gesicht des Kornhauses 

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Die Architekten des Büros Hochstrasser schlugen vor, vor die „Scheunentore“ Glastüren zu setzen, damit im Winter kein Schnee mehr unten eindringt.

Kempten – Vor rund einer Woche verabschiedete sich die Stadt vom Allgäumuseum im Kornhaus, zum Jahresende schließt das historische Gebäude seine Scheunentore für die Umbauarbeiten. Erste Ideen zur Umgestaltung stellte das Ulmer Architekturbüro Hochstrasser Architekten im Gestaltungsbeirat vor.

Viele Ziele, allen voran der Brandschutz, die Öffnung und das Nutzbarmachen des ganzen Gebäudes für Tagungen und Veranstaltungen, die auch parallel stattfinden können, gehen mit dem Umbau einher.

Den Architekten ist es wichtig, die Einzigartigkeit des Gebäudes hervorzuheben und seinen Ruf über die Stadtgrenzen hinaus bekannt zu machen. Ihre ersten Ideen zeigen für den großen Saal im Erdgeschoss eine Öffnung der ganzen Halle. „Das Gebäude soll seine Gäste mit offenen Armen empfangen“, sagte Stefan Langer vom Architekturbüro. Die Tische für die Gastronomie stellen sie sich im Bereich rechts des Eingangs in der Halle verteilt vor, mit einer langen Bar an der Westwand. Die historische Kutschendurchfahrt vom Haupttor zum Kleinen Kornhausplatz könnte für einen Hintereingang geöffnet werden, die Garderobe links davon untergebracht.

Weil vom Kleinen Kornhausplatz der Lieferverkehr weiterhin abgewickelt werden könne, sehen die Architekten für diese Seite Lagerräume mit einem Lagerkeller. Dreh- und Angelpunkt in den ersten groben Entwürfen ist ein zusätzlicher Aufzug im Bereich des bestehenden nördlichen Treppenhauses. Er erstreckt sich von den Dachgeschossen, wo neben Büros des Kempten Messe- und Veranstaltungsbetrieb auch Seminar- und Tagungsräume untergebracht sein sollen, bis in den Keller. Auch die Treppe, die bisher ins Museum führte, könnte in den Keller nach unten verlängert werden, um den dort geplanten Veranstaltungs- und Ausstellungsraum einen erforderlichen zweiten Flucht-und Rettungsweg zugänglich zu machen. Der Vorschlag der Ulmer zeigt den Eingang für die Büros am Eingang der Nordseite, in der Nähe des neuen barrierefreien Aufzugs.

Den Bereich des aktuellen Museums regten die Architekten an, als kleines Foyer für den Kleinen Kornhaussaal zu nutzen, weil sich hier die zweite Treppe befinde und der neue Aufzug durchläuft. Der kleine Kornhaussaal könne somit auch unabhängig vom Großen Kornhaussaal-Foyer genutzt werden. Angrenzend kann sich Architekt Stefan Langer Lager- und Versorgungsräume vorstellen. Das aktuelle Foyer im ersten Stock befindet er für zu klein. Er unterbreitete mit Hinweis auf die große neue Eingangshalle im Erdgeschoss den Vorschlag, den oberen Foyerbereich dem Großen Kornhaussaal zuzuschlagen. Für das zweite Obergeschoss präsentierte er vier Seminarräume mit Trennwänden, die zur Seite geschoben werden können. Für die derzeit nicht genutzte Bar regte er einen Lagerraum an. Um das erste Dachgeschoss, wo Büros und Mieträume für Tagungen vorgesehen sind, mit dem zweiten zu verbinden, stellen sich die Architekten eine neue Treppe vor.

Vorplatz polarisiert

Auf dem Vorplatz nördlich der großen Eingangstore sehen die Architekten die künftigen Cafétische. „Der Brunnen ist zu laut, um den südlichen Vorplatz als Café zu nutzen“, erklärte Stefan Langer. Auch wolle er den hinteren Bereich des Vorplatzes beleben. Um ihn wie aktuell als Parkplatz zu nutzen, sei dieser Platz „zu schade“.

Günstig sieht Langer, dass der Bereich nicht in der prallen Sonne liegt. Diese Idee, stieß bei einigen Stadträten, die zwar die Entwürfe an sich lobten, nicht auf Gegenliebe. So kritisierte Klaus Knoll (FW), dass die Gäste dort nicht gesehen würden und sein Parteikollege Hans-Peter Hartmann merkte an, dass die Bewohner des kühlen Allgäus die Sonne genießen, was er auf dem Rathausplatz beobachte.

Weil der Brunnen aus Architektensicht „städtebaulich deplatziert“ sei, stieß Langer die Überlegung an, das längliche Wasserspiel komplett in Frage zu stellen. Für ihn ist die Blickbeziehung zur St.-Lorenz-Basilika wichtig, genauso wie die Sichtbarkeit der barocken Hausfassade. Weil die Planer immer wieder Leute beobachteten, „die nicht ins Haus finden“, regten sie an, den Haupteingang mit einem ggf. gläsernen Vordach sichtbar zu machen und dadurch auch einen regengeschützten Bereich vor dem Haus zu kreieren, was wiederum Ullrich Kremser (FDP) wegen der historischen Gebäudefassade nicht gefiel.

Insgesamt war im Gremium der Wunsch nach Kostentransparenz groß (u.a. Birgit Geppert und Peter Wagenbrenner, beide CSU). Hans-Peter Hartmann bezweifelte, dass der angegebene Kostenrahmen von 4,9 Millionen Euro reichen werde und stellte den Antrag, die Kosten zu deckeln. „Ich will, dass alle Kosten offengelegt werden, nicht dass es so geht wie bei den letzten Baumaßnahmen“, sagte er mit Blick unter anderem auf Depot, Stadtpark und König-Ludwig-Brücke. Da man sich im Moment noch in der frühen Leistungsphase 0 befinde, in der erst einmal die Bedürfnisse abgeklopft werden, handle es sich bei der angegebenen „Hausnummer“ der reinen Baukosten von 4,9 Millionen Euro noch nicht einmal um eine Kostenschätzung, erklärte Volker Immler vom Hochbauamt. Diese erfolge erst später. „Vieles können wir noch gar nicht absehen“, bekräftigte Architekt Stefan Langer mit Blick auf eventuelle Feuchtigkeit im Keller oder sonstige Kostensteigerungen.

Auf Frage von Helmut Berchtold (CSU) stellte Martina Dufner-Wucher, Geschäftsführerin des Eigenbetriebs der Stadt, Kempten Tourismus- und Veranstaltungsservice (KTV) die Einnahmen vor, die künftig im Kornhaus generiert werden sollen. Neben dem Wegfall der Mietzahlungen des KTV für die Räume in der Sandstraße von jährlich rund 50.000 Euro nannte sie Einnahmen in Form von Pachtgebühren aus der Gastronomie und Ausstellungen im Erd- und Untergeschoss, durch dessen abgeschlossenen Raum es künftig keine Versicherungsprobleme mehr gebe. Weil derzeit viele Anfragen für Veranstaltungen von 400 bis 600 Personen abgewiesen werden müssten, sieht sie auch hier durch die neuen Räume Potential und geht grob „von einer Verdoppelung der derzeitigen Kornhaus-Einnahmen auf rund 400.000 Euro pro Jahr aus“.

Was den Zeitplan anbelangt, ist Dufner-Wucher vom Denkmalamt allerdings bescheinigt worden, dass die Idee, bereits Ende 2020 mit den Bauarbeiten fertig zu sein, sehr „sportlich“ sei. Jedenfalls ist der Wunsch da, zumindest den großen Saal bis zur Festwoche 2020 fertigzustellen. Hier regte Regina Liebhaber (SPD) an, die vorgesehene Umzugszeit des Museums von zwei bis drei Monaten zu straffen.

Susanne Kustermann

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