"Nuhr hier, nur heute"

Dieter Nuhr begeistert das Publikum in der Kemptener Bigbox

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Kempten – Katastrophen, Kriege, Unfälle und Gräueltaten. Mit solche Meldungen sind die Nachrichten, das Internet und die Magazine gefüllt.

So manche Organisation oder Partei ist dort mit Wehklagen, Weltuntergangsmeldungen und überall drohenden Gefahrenprophezeiungen unterwegs. „Hurra wir leben noch!“, ruft da Dieter Nuhr in seiner Show in der Big Box Allgäu. 

Noch vor 150 Jahren kannten die Leute kaum ein Bild, außer das in der Kirche und konnten die Meinungen und Berichte ihres nahen Umfeldes einschätzen. Heutzutage wird, so Nuhr, das Erregungspotential hochgehalten. Erregungszyklen mit stetig neuen Weltuntergangs- und Gefahrenmeldungen wechseln sich ab, um kurz darauf kaum noch eine Randmeldung zu ergeben und in Vergessenheit zu geraten. 

Wühlte unlängst Feinstaub die Gemüter auf, beschäftigten dies die Nachrichten jetzt lediglich tangential. Auch dass die Straftaten rückläufig sind, laufe lediglich als Randnotiz. Dachte man, dass zu viel Feinstaub tödlich sei, weiß man, dass es „nur lebensverkürzend sein könnte“, wie es Nuhr formuliert, wie auch der Genuss von Salami, Schokolade oder Alkohol. „Gesundheit ist die längste Form zu sterben.“ An manchen Stellen erreichen Nuhrs Erläuterungen die Qualität wissenschaftlicher Sendungen. So wachse in Deutschland seit 50 Jahren der Wald jährlich, und auch um mehr als die Fläche des Hambacher Forstes. Wobei man in diesem Punkt auch geteilter Meinung sein könne. 

Dort sind heimische Pflanzen so selten, dass selbst der kleine Rest des Hambacher Waldes noch der größte dieser Art in Mitteleuropa sei, nämlich Lebensraum für seltene und europarechtlich geschützte Tiere. Seine Infos unterlegt Nuhr grundsätzlich mit Fußnoten, da zweifelnde Zwischenrufe an der Tagesordnung sind. Er legt mit spitzer Zunge den Finger in die Wunden, lockert mit Urologenwitzen zusätzlich die gelöste Stimmung seines begeisterten Publikums auf. Pisa-Studie, Genderdiskussion, Kramp-Karrenbauer, Karneval, zu allen Themen regt er mit markigen Formulierungen und überraschenden Redewendungen zum Nachdenken an. 

Auch beim Thema Frauenquote: Mahnen manche doch die fehlenden Frauenquote bei seiner Bühnenshow an. „Heute kommt keine Frau auf diese Bühne, nur Nuhr“, sagte Nuhr. „Was Sie hier sehen ist eine rasierte männliche Lesbe“, beschrieb es sich selbst mit nachdenklicher Miene. Auch die Dummheit scheint stetig zuzunehmen. Zu Brexit kommentierte er: „Was ist England ohne Europa, lediglich eine kleine splendid Insel in der Nordsee.“ Nach fast drei Stunden wollte die vollbesetzte Big Box Allgäu Nuhr, der in schwarzen Springerstiefeln, dunklem T-Shirt und Jeans sowie Leinen Sakko erschienen war, nicht gehen lassen. Seine Zugabe verquickte er mit dem Hinweis auf sein neues Buch, das er im Foyer signierte. 

Achim Crispien

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