Diamant-Hochzeit in Dietmannsried

"Wir sind zufrieden mit unserem Leben"

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Michael Büchsemann hat als Gemeindediener fünf Bürgermeister erlebt. Den neuen Dietmannsrieder Rathauschef Werner Endres (links im Bild) kennen er und seine Frau Balbina schon, seit dieser ein Baby war.

Dietmannsried – Die Liebesgeschichte von Balbina und Michael Büchsemann begann in der Vorweihnachtszeit des Jahres 1949. Vor wenigen Tagen feierte das Paar aus Dietmannsried seine Diamantene Hochzeit und blickt auf 60 gemeinsame Jahre zurück, in denen es mal gute, mal schlechte Zeiten gab.

Heute sind die beiden sich einig: „Wir sind zufrieden mit unserem Leben“. 

Als Michael Büchsemann seine Balbina zum ersten Mal sah, stand sie auf einer Bühne. Das hübsche schwarzhaarige Mädle aus Waltenhofen-Rauns sang bei einer Weihnachtsfeier im Kemptener Kornhaus in einem Chor. Der junge Dietmannsrieder Bäckergeselle saß im Publikum und war sogleich hingerissen. „Warum er sich grad mich ausgesucht hat, weiß ich auch nicht“, gibt die heute 83-jährige Balbina Büchsemann zu, die damals in der Spinnerei in Waltenhofen arbeitete und mit ihren sieben Schwestern bei den Eltern wohnte. 

Ihm hätten halt schon immer „die Kleinen“ gefallen, weil er selber nicht so groß sei, erklärt daraufhin ihr Gatte, der selbst aus einer achtköpfigen Familie stammt. „Wir haben uns gleich mögen“, erinnern sich die beiden. Trotzdem war die Begeisterung zunächst ein bisschen einseitig: „Ich wollte immer einen großen Mann mit dunklen Haaren, der tanzen kann“, gibt Balbina Büchsemann lachend zu. Bekommen habe sie letztlich einen kleingewachsenen Tanzmuffel mit Glatze. „Aber er war ein anständiger Kerl, und das war mir wichtig“. Fünf Jahre lang radelte Michael Abend für Abend nach Waltenhofen, um seine Traumfrau für sich zu gewinnen. 

Am 29. Mai 1954 traten die beiden schließlich in der Waltenhofener Pfarrkirche vor den Traualtar und ließen sich dann in Dietmannsried nieder. Im Lauf der Jahre wurden zwei Kinder, vier Enkel und zwei Urenkel geboren. „Eigentlich hätten meine Eltern heuer erst Silberhochzeit“, schmunzelt Sohn Dietmar. Der Vater sei so viel außer Haus für die Allgemeinheit am Werkeln und Schaffen gewesen, dass die beiden „nicht mehr Nettozeit beieinander waren“. 

Seit 56 Jahren (!) arbeitet der heute 89-Jährige in verschiedenen Aufgaben bei der Gemeinde. Daneben pflegte er seine zwei großen Leidenschaften: Das Reisen (hierbei musste er stets ohne seine Gattin auskommen, da diese aufgrund einer Wirbelverletzung aus der Kindheit – sie war als Dreijährige aus dem 4. Stock des Elternhauses gestürzt – lieber daheim blieb) und die Fotografie. 300.000 Dias lagern fein säuberlich beschriftet in seinem Dachboden, weitere 30.000 stehen im Rathaus. Darunter Bilder von sämtlichen Dietmannsrieder Verwaltungs- und Vereinsveranstaltungen der vergangenen gut 50 Jahre, sowie von unzähligen Hochzeiten. 

Für sein jahrzehntelanges großartiges Engagement wurde Büchsemann sogar zum Ehrenbürger der Marktgemeinde ernannt. Und bis zum heutigen Tag hat er ein eigenes Büro im Keller des Rathauses, das er ein- bis zweimal pro Woche aufsucht – auch, um „seinen Mädle im Büro“ einen Besuch abzustatten, die ihn alle liebevoll „den Opa“ nennen. In all den Jahren hat ihm seine Balbina all die Freiheiten gelassen, die er brauchte. 

Heute genießt es das agile Jubelpaar, einfach zusammen in der Sonne zu sitzen. An ihrem Ehrentag stand für die Zwei übrigens eine Spritztour nach Waltenhofen und um den Niedersonthofener See auf dem Programm. Am Sonntag folgte ein „unvergessliches Fest“ mit den 70 engsten Familienangehörigen und Freunden.

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