Buntes, geselliges Fest

Vorzeigebad statt "Krottenlache"

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Die sechsköpfige Auswahl des Marktgemeinderates (mit Bürgermeister Werner Endres im Tor) zeigte vollen Einsatz und errang ohne Niederlage den 5. Platz. Das Foto hält übrigens einen Regelverstoß des 3. Bürgermeisters Peter Mösle (ganz rechts) fest, als dieser sich im Eifer des Gefechts mit nur einer Hand an seiner vorgesehenen Position festhielt.

Dietmannsried – Früher, vor hundert Jahren, badeten und schwammen die Dietmannsriederinnen und Dietmannsrieder in einem Weiher bei der Gfällmühle, der den wenig einladenden Beinamen „Krottenlache“ trug. 1955 siedelte der Badebetrieb dann in das neu gebaute Freibad um.

Dessen 60-jähriges Jubiläum wurde am vergangenen Wochenende mit einem bunten, geselligen Fest gebührend gefeiert.

In der „Krottenlache“ lief das Badevergnügen seinerzeit noch ein wenig anders ab. Lehrer Hans Regenbogen brachte den Leuten beispielsweise das Schwimmen bei, indem er sie an einer Angel über Wasser hielt. Auch durften damals Männlein und Weiblein nur streng getrennt ins kühle Nass; den Wechsel läutete Bademeister Albert Gaum mit dem bemüht hochdeutschen Ausruf „Buben heraus, jetzt kommen die Föhlen heran!“ ein.

Da das Gewässer das Elektrizitätswerk in Burg-Krugzell versorgte, schwankte der Pegel bisweilen stark und der den Weiher speisende Seebach brachte viel ungeklärtes Abwasser mit sich. So verschlammte der Teich zusehend und wies starken Pilzbefall auf. Ein Gutachten bestätigte 1952: „Der bestehende Stauweiher ist mehr oder weniger ein Abflussgraben geworden.“ So wurde der Ruf nach einem besseren Schwimmbad immer lauter.

Nach einiger Suche wurde schließlich ein Grundstück gefunden. Dieses befand sich im Eigentum der Pfarrpfründestiftung und konnte via Erbbaurechtsvertrag von der Gemeinde genutzt werden. Die Finanzierung wurde durch teils fantasievolle Ideen gesichert. So fand im Mai 1954 ein Benefiz-Fußballspiel zwischen Gemeinderat und Geschäftswelt statt, zu dem 1000 Besucher strömten. Zudem packten die Bürger beim Aushub der 1200 cbm-Grube für das Becken tatkräftig mit an. Wer nicht selbst schaufelte, versorgte die Arbeiter zumindest mit einer g´scheiten Brotzeit.

Am 7. August 1955 konnte das neue Freibad dann seiner Bestimmung übergeben werden. Der damaligen Badeordnung zufolge war der Aufenthalt ausdrücklich „nur zum Zweck und der Dauer des Schwimmens erlaubt“, wie Bürgermeister Werner Endres in seiner Festrede zitierte. „Da war noch nix mit Spaß und Sonnen“. Seit 1965 wird das vorher sehr kalte, weil vom Seebach gespeiste Bad von der ortsansässigen Firma Töpfer mit „kuhwarmem“ Kühlwasser versorgt, wie es in der Presse damals hieß. Nach mehreren Sanierungen und Um- sowie Anbauten verfügt die behindertengerechte Einrichtung heute über ein 50x40 Meter großes Becken mit getrenntem Schwimmer/ Nichtschwimmer-Bereich, ein solarstromgewärmtes Kinderbecken mit Wasserrutschbahn und Wasserpilz, einen kleinen Spielplatz sowie einen Gastronomiebetrieb und lockt zwischen Mai und September Tausende Besucher an.

So war es auch am Wochenende, als zwei Tage lang das 60-jährige Jubiläum gefeiert wurde. Am Samstag stand zunächst ein lustiges, actionreiches Menschenkicker-Turnier für Jung und Alt auf dem Plan, an dem neun Mannschaften aus der Gemeinde teilnahmen, gefolgt von einem „Jedermann-Jubiläums-Triathlon“. Dabei teilten sich Staffeln aus jeweils drei Personen die Disziplinen 150 m Schwimmen, 4 km Radfahren und 1 km Laufen.

Das sonntägliche Festprogramm umfasste einen Familiengottesdienst auf der Liegewiese (bei dem die scheidende Gemeindereferentin Monika Thome ihren Abschied feierte) ebenso wie die Ehrung der wackeren Hobbysportler vom Vortag. Die Musikkapelle Dietmannsried unterhielt die zahlreichen Gäste, die sich Kaffee, Kuchen, Gegrilltes und alkoholfreie Cocktails schmecken ließen mit einem Frühschoppen- konzert. Besondere Attraktionen waren das Demospiel der Wasserballmannschaft des TV Memmingen, die in der Bayerischen Oberliga spielt, sowie die Rettungs-Vorführungen der Wasserwacht Lauben-Dietmannsried. Deren 1. Vorsitzende Bettina Baumberger freut sich: „Unsere Hilfs-Einsätze im Dietmannsrieder Freibad beschränken sich im Wesentlichen auf die eine oder andere Schramme, die wir fachgerecht versorgen müssen. Schlimmeres gab es Gott sei Dank noch nicht.“

Sabine Stodal

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