"Wir ziehen eine Seilbahn durchs ganze Oberallgäu!"

Dietmannsrieder Narren in Hochform

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„Wir sind hier im Auftrag des Herrn… des Herrn Landrat Klotz, um eine Seilbahn durchs ganze Oberallgäu zu spannen. Da geht was bei unserem Anton“, findet augenzwinkernd der FGD-Chor. V.l.n.re: Sabine Müller, Andreas Wahl, Thomas Becherer und Moni Becherer

Dietmannsried – Die Dietmannsrieder Narrensitzungen sind seit jeher eine Institution. Ältere Semester berichten gerne, wie sie sich früher in aller Herrgottsfrühe bei Eis und Schnee die Beine in den Bauch gestanden haben, um auch ja sofort bei Vorverkaufsbeginn eine der begehrten Karten zu ergattern.

So viel Einsatz ist heute zwar nicht mehr nötig, doch auch in diesem Jahr sind wieder alle sieben Vorstellungen der Faschingsgesellschaft nahezu ausverkauft.

Fast vier Stunden lang dreht das Dietmannsrieder Narrenschiff unter Führung des Elferrats und unter den aufmerksamen Blicken des Prinzenpaares Simone I. und Sascha I. seine Runde in der Festhalle. Das diesjährige Programm bietet einmal mehr eine gelungene Mischung aus Tanz, Büttenreden, Singspiel, Sketchen und Gesang. Was auffällt ist, wie viele Kinder und Jugendliche zu den Akteuren auf der Bühne gehören – entgegen des allgemeinen Trends scheint man hier keine Nachwuchssorgen zu kennen. So bezaubern gleich zu Beginn die kleinen Tänzerinnen der FGDKids (allesamt im Grundschulalter) mit einer Mischung aus toller Choreografie, Spaß, Konzentration und sichtlichem Stolz das Publikum. Auch Jugend- und Prinzengarde haben bis heute nichts von ihrer Faszination und Anziehungskraft eingebüßt: Die mit jeweils rund 15 jungen Damen sehr gut besetzten Riegen erobern mit klassischen Garde- und modernen Showtänzen die Herzen der Zuschauer. 

Hofnarr Stefan Blind nimmt in gewohnt kritischer Manier die Themen der Zeit unter die Lupe. Unter dem Motto „Das ist doch alles nicht normal“ thematisiert er auf ironische Weise Scheuers Maut- und Thüringens Wahldebakel, die Klimakrise und den nur scheinbaren Heilsbringer E-Mobilität. Im Hinblick auf die anstehende Kommunalwahl wählt er sogar sehr klare Worte: „Tut euch bitte selbst nicht weh und wählt nicht am Ende die AfD!“ Einen aktuellen Zeitbezug der anderen Art bieten Eric Schneider und Tobi Müller mit ihrer klamaukigen Präsentation von Dietzi – einem originär Dietmannsrieder Kollegen von „Ötzi“ und „Udo“, dessen Gedankengänge mittels einer genialen Übersetzungsmaschine verständlich gemacht werden. 

Auch Gmoindspostbot‘ Stefan Fackler sorgt mit seinem launigen Tratsch über Missgeschicke und pikante Begebenheiten aus der Nachbarschaft für Lachtränen, ebenso wie Renate Feistner und Stefan Blind. Wenn sie unabhängig voneinander von ein und demselben Feuerwehrausflug erzählen, ist das fast wie im richtigen Leben, nur noch lustiger. Dass der Fasching im Norden des Landkreises multikulti ist, beweisen die Auftritte der rotbackigen, käseliebenden, holländischen Coffeeshop-Betreiberin Antje und der russischen Singlefrau Svetlana Kalaschnikow, die auf der Suche nach ihrem neuen Ex-Mann ist, einer Gruppe musizierender Hawaiianer sowie die Tatsache, dass sogar die Queen der Show einen Besuch abstattet. 

Zu den Highlights des Programms zählt zweifellos der Auftritt des Duos Sorg & Sörgel – die beiden jungen Herren verstehen es mit Leichtigkeit, ein großes Publikum für sich zu gewinnen und standen auch schon für „Schwaben weißblau“ vor der Kamera. Getoppt wird ihr Auftritt nur noch von den Lokalmatadoren des FGD-Chores mit ihrem Singspiel, in dem die Vier auf großartige Weise, mit pointiertem Humor und absolut bühnenversiert die neue Kemptener Seilbahn durch den Kakao ziehen – sehr zur Freude und Begeisterung der Zuschauer. Diese belohnten das Singspiel am ersten Abend (und sicher auch an den anderen) mit zahlreichen „Raketen“ – im Dietmannsrieder Fasching die höchste Form des Applauses. 

Sabine Stodal

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