"Gockolores ohe!" im Jahr danach

Politischer Besuch bei den Narrensitzungen in Dietmannsried

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Vor der Sitzung vergangenen Sonntag trug sich der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Bayerischen Landtag, Hubert Aiwanger, ins Goldene Buch der Gemeinde Dietmannsried ein (v.l.): Faschingsprinz Thomas Wohlfahrt, Bezirksrat Alexander Hold (FW), Ulrike Müller (EU-Abgeordnete, FW), Faschingsprinzessin Angelika Wohlfahrt, MdL Leopold Herz, FGD-Präsident Jürgen Wahl, FGD-Vize Stefan Glas, Rathauschef Werner Endres und Vize- und Sitzungspräsident der FGD, Daniel Kiefert.

Dietmannsried – 2018 ist für die Faschingsgesellschaft Dietmannsried (FGD) „das Jahr danach“, also das Jahr nach dem 50-jährigen Jubiläum des Vereins. Doch von Ermüdung keine Spur:

In sieben Sitzungen trumpfen die Dietmannsrieder auch heuer wieder vor 3500 Zuschauern mit einem abwechslungsreichen und höchst vergnüglichen vierstündigen Programm auf, bei dem so mancher sein Fett abbekommt und alle sich prächtig amüsieren können.

Wer solch ein Prinzenpaar hat, kann sich glücklich schätzen: Die bühnenerfahrenen Vollblutmusiker Angelika und Thomas Wohlfahrt verstanden es, mit tollen Stimmen und ansteckend guter Laune das Publikum mit ihren mitreißenden Gesangseinlagen vom Hocker zu reißen. Ihr eigens komponierter Faschingskracher „Gockolores ohe!“ (so lautet der Dietmannsrieder Faschingsruf), hat das Zeug zum lokalen Evergreen. Die beiden thronten während der Sitzung in einer großen Muschel auf der Bühne, direkt neben dem siebenköpfigen Elferrat und verfolgten von dort aus das rasante Programm aus perfekt choreografierten Tanzeinlagen von FGD-Kids, Jugendgarde, Prinzengarde, Showtanzgruppe und den bemerkenswerten Black Lights, schlitzohrigem Wortwitz mit Lokalkolorit und charmantem Klamauk (wie der Pausenforschung zweier Wissenschaftler oder dem urkomischen Schlangentanz der Juniorchaoten).

Der Hofnarr (Stefan Blind) schoss als erster gewandt seine Spitzen auf welt- und bundespolitische Themen ab. US-Präsident Trump, der mit Nordkoreas Diktator Kim Jong-un „um den Größten (…Knopf)“ wetteifert, bezeichnete er als „einen komisch schleimigen Schlawiner für Israel und Palästina“ und wetterte: „Wer Behinderte verarscht, dem gehört ganz schnell und ungebeten in denselbigen getreten“. Für das Berliner Besetzungskarussell hatte er kreative Vorschläge parat: „Als Kanzler nehmen wir keinen Münchner Trunkenbold, sondern unseren Alexander Hold. Präsident könnte der Aiwanger sein, das wär doch fein.“ Und sollten im Parlament noch Köpfe fehlen, so böten sich „die sieben Herren mit Kappen“ des Elferrates an.

Auch die Sondierungsgespräche auf dem Regierungsbänkle, bei denen sich Tobias Müller, Bürgermeister Werner Endres und seine Tochter Anna-Lena in hautengen Ganzkörperanzügen einen eloquenten Schlagabtausch lieferten, nahmen regional- und bundespolitische Themen gekonnt aufs Korn. Die SPD sollte heißen „streitsüchtigste Partei Deutschlands“, so ihre Meinung. Und Hold solle künftig Aiwanger übersetzen, „den versteht wenigstens jeder in Deutschland“. In puncto Regionalpolitik stellten die Drei sich die Frage: „Waarum will ma eigentlich in Oy-Mittelberg Bürgermeischter weara?“ Für die knappe Wahlniederlage des aus Dietmannsried stammenden Armin Ruf gegen den dortigen Rathaus-

chef Theo Haslach lieferten sie sogleich eine handfeste Erklärung: „Die beiden hatten 23 Stimmen Unterschied. Jetzt hat das Rathaus in Oy-Mittelberg zwölf Mitarbeiter… (bedeutungsvolles Schweigen) …und genau mit denen zwölf hat der Haslach gewonnen!“ Ganz klar. In Sachen Skischaukel am Riedberger Horn und dem umstrittenen Wasserkraftwerk in Hindelang war das Trio indes einer „ganz geheimen Planung im Landratsamt“ auf der Spur: „Der Liftverbund wird in Hindelang an der Ostrach gebaut und dann als Fischtreppe verkauft!“

Das Thema Oy-Mittelberg beschäftigte auch den FGD-Chor, der den Hit „The roof is on fire“ von der Bloodhound Gang umdichtete in „Der Ruf, der Ruf, der Ruf isch koi Oyer“ umdichtete. Hingegen wäre Lauben doch die ideale Gemeinde für Ruf. „Da könnt‘ er mit dem Fahrrad hinfahren – vielleicht ging‘s dann schneller mit dem Radweg zwischen Dietmannsried und Heising.“ 

Viel Gelächter und Applaus ernteten die Fünf auch für ihre spitzzüngigen Gedanken zu den vier kargen Kreisverkehren in Dietmannsried (der Klassiker „Heißer Sand“ wurde hierfür kurzerhand umformuliert in: „Steine, Sand und ein vertrocknetes Gras und koi Blume, sonderbar“) und ihren Altusrieder Bürgermeister Joachim Konrad, der im Hinblick auf die aktuelle Ansiedlung Altusrieder Gewerbebetriebe in Dietmannsried schluchzend lamentierte: „Keiner will mehr bei mir bleiben, i versteh des einfach it. Schuld isch ER! (Bgm. Endres), weil er alles hot und nix abgibt!“ Altusried bräuchte einfach ein richtiges Industriegebiet. Was jetzt noch helfen könnte, sei ein seriöser, dynamischer, potenter Investor – am besten einen Schweizer, der auch prompt mit Schweizer Falgge die Bühne enterte und die eine oder andere halbseidene, aber lukrative Investitionsidee auspackte.

Viele weitere Lachtränen brachten danach nicht nur die Zwei-Mann-Boygroup D‘r Oi und de Anner ins Rollen, sondern auch die vier Gardemädle 40+, die sich mit viel Witz und Ironie bei ihren Dehnübungen über ihr Leben („Sport gibt einem das Gefühl, noch besser auszusehen!“. „Das macht Prosecco au.“) und ihre in die Jahre gekommenen Ehen unterhielten.

Den krönenden Abschluss der kurzweiligen Veranstaltung bildete Thomas Wohlfahrts Auftritt als Tina Turner. Mit seinem inbrünstig geschmetterten „Your simply the best“ sprach er sicher vielen Zuschauern aus der Seele: FGD, Ihr seid einfach die Besten!

Sabine Stodal

Noch vier Narrensitzungen finden diese Saison statt: am rußigen Freitag, 9. Februar, am Faschingssamstag, 10. Februar und am Rosenmontag, 12. Februar, jeweils um 19.30 Uhr in der Festhalle und am Faschingssonntag, 11. Februar um 18 Uhr. 





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