Diskussion über die Zukunft

Bürger-Initiative "Blickpunkt Hegge" stellt sich vor und sucht den Dialog

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In der Aula der Grundschule Hegge fanden sich auf Einladung des Arbeitskreises „Blickpunkt Hegge“ rund 60 Gemeindebürger ein.

Waltenhofen-Hegge – Noch vor wenigen Jahren machten sich viele Kommunen Sorgen, dass die zunehmende Überalterung der Bevölkerung zulasten der Infrastruktur gehen könnte und damit eine Abwanderung in die Metropolen beschleunigen könnte.

Der Ortsteil Hegge der Oberallgäuer Gemeinde Waltenhofen scheint eines der Beispiele für einen gegenläufigen Trend zu sein. Das Ende der Grundschule in Hegge schien bereits besiegelt, die Bebauung von Industriebrachen schleppte sich eher dahin. Inzwischen kommen offensichtlich junge Familien in ihre Heimatgemeinde zurück, andere schätzen vielleicht die Nähe zur Hochschulstadt Kempten, bevorzugen zugleich aber Wohnen und Leben im ländlichen Raum. Das ergab eine Veranstaltung, auf der sich ein Arbeitskreis Dorfentwicklung „Blickpunkt Hegge“ in der Aula der Grundschule vorstellte. 

Etwa 20 überwiegend jüngere Mitstreiter fanden sich zusammen, die sich mit den aktuellen Planungen für den Ortsteil auseinandersetzten und mit Blick auf das abzusehende Bevölkerungswachstum von Hegge auf Themen stießen, die vielleicht auch anderen Bürgern auf den Nägeln brennen. Immerhin könnte allein durch die anstehende Bebauung des Wohngebietes „Illerbogen“ Wohnraum für rund 500 Menschen entstehen. Bürger wollen mitreden Die Vorsitzende der Initiative ist Sonja Kehr, die abwechselnd mit ihren Vorstandskollegen den rund 60 Besuchern vortrug, was sie in etlichen Treffen an Ideen zusammengetragen hatten. Der mittlerweile vollzogene Wandel vom Industriestandort zum „urbanen Dorf“ beschäftigt etliche Heggener ganz offensichtlich, wie der Blick in die gut gefüllte Aula belegte. 

Nach der Vorstellung der Zukunftsideen konnten Fragen gestellt und Meinungen geäußert werden. Anwesend waren unter anderem die Schulleiterin der Grundschule, aber auch die Leiter der Kita. Bürgermeister Eckhard Harscher war eingeladen, allerdings verhindert. Er versprach aber seine Unterstützung für die Initiative. Gemeinderäte wie Bürgermeister wollen zu Ideen und Vorschlägen auf einer für den 3. April stattfindenden Bürgerversammlung Rede und Antwort stehen. Offene Fragen zur Zukunft Hauptsorgen bereitet das aktuelle Konzept für Kita, Schulerweiterung, und Bolzplatz, das aus Sicht von „Blickpunkt Hegge“ möglicherweise schon bald nicht mehr ausreichend für den wachsenden Bedarf sein könnte. 

Es fehle auch an Begegnungsräumlichkeiten für Bürger aller Altersklassen, aber auch an Grünflächen. Anstoß für die Gründung der Initiative war vor etwa einem halben Jahr ein Elternabend in der Grundschule. Inzwischen wurde bekannt, dass wegen des errechneten höheren Bedarfs die Grundschule ab 2022 zwei Züge, also je zwei erste und zweite Klassen anbieten werde – obwohl die zusätzlich benötigten Räumlichkeiten noch gar nicht zur Verfügung stehen. Die neue Kindertagesstätte könnte Raum für voraussichtlich zehn Gruppen – von der Krippe über Kindergarten bis zum Hort – für alle Kinder im Alter von einem bis zehn Jahren bieten. Das jetzige Bolzplatzgelände soll nach dem Gemeinderatsbeschluss von Dezember sowohl den Kita-Neubau wie ein Multifunktionsfeld für den Schulsport und weitere „Nutzungsmöglichkeiten für die Freizeitgestaltung außerhalb der Schulzeit“ aufnehmen. 

Der „Blickpunkt Hegge“ hat wie einige Besucher „erhebliche Zweifel“, ob die vorgesehene Fläche ausreichend sei. Bedarfsgerechte Dorfentwicklung In der umfangreichen Diskussion kam zur Sprache, dass auch die Pfarrgemeinde angesichts des morbiden Pfarrheims und eines deshalb notwendigen Neubaus „eigene Vorstellungen“ für eine Pfarrgartennutzung hege. So richtig fündig trotz intensiver Suche nach geeigneten Flächen für alle „multifunktionalen Bedürfnisse“ eines noch zukünftigen Dorfentwicklungsplanes konnte auch „Blickpunkt Hegge“ nicht vorweisen. Die Initiative erkennt immerhin die Notwendigkeit einer „Integration der bestehenden Kita sowie des jetzigen Pfarrheims in die Konzeption, um Leerstände im Dorfzentrum zu vermeiden“. Immerhin gab es viel Zustimmung. 

„Unsere Kinder sollen auf dem Land aufwachsen, sie brauchen viel Platz“, nannte einer der Unterstützer seine Motivation. Auf einen neuen und dazu noch prominenten Unterstützer kann „Blickpunkt Hegge“ schon mal bauen: Gemeinderat Hanspeter Rauch, Metzgermeister in Hegge und Präsident der Handwerkskammer Schwaben. Er dankte ausdrücklich „den jungen Leuten, die sich in ihrer Freizeit um die Zukunft ihrer Heimatgemeinde Hegge sorgen“. Im Gegensatz zu anderen Stimmen aus dem Publikum versicherte Rauch, dass über das Projekt „Bolzplatz“ noch nicht endgültig entschieden sei. Auch Vorstand Albert Frisch vom ASV Hegge sprach sich dafür aus, dass die Gemeinde in Sachen Bolzplatz nicht „in der bisher geplanten Bahn“ bleiben müsse. Nach dem gelungene Auftakt planen die Initiatoren von „Blickpunkt Hegge“ am 3. April auf einer Bürgerversammlung ein „Fortsetzung folgt“ für einen fruchtbaren Dialog zwischen Bürgern und ihren gewählten Entscheidungsträgern.

Jürgen Schuh

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