Schließung des Krankenhauses

"Sie bekommen die Insellösung"

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Notarzt Dr. Wolfgang Dieing (v.l.), Elke Remmel vom Stadtseniorenrat, Dr. Klaus Lenz, Vertreter der Hausärzte, SPD-Vorsitzender Otto Ziegler, Dr. Johannes Fechner von der Kassenärztlichen Vereinigung und Bürgermeister Rainer Magenreuter diskutieren über die geplanten Änderungen in der Notfallversorgung.

Isny – Die Situation der Notfallpraxen und die geplanten Einrichtung der größeren Notdienstbezirke waren vergangene Woche Thema der Diskussionsveranstaltung „Wie wollen Sie in Zukunft in Isny verarztet werden?“, zu der der Vorsitzende der Isnyer SPD, Otto Ziegler, ins Gasthaus Hirsch geladen hatte.

Die Diskussionsrunde bildeten Notarzt Dr. Wolfgang Dieing, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), Dr. Johannes Fechner, als Vertreter der Hausärzte Dr. Klaus Lenz, Elke Remmel vom Stadtseniorenrat und Bürgermeister Rainer Magenreuter. Am Ende gab es eine positive Überraschung: Dr. Fechner von der KV versprach den Isnyern eine Insellösung, wodurch die Notfallversorgung in der Region gesichert ist.Nach der Begrüßung der Diskussionsteilnehmer und der Zuhörer durch Otto Ziegler und der Darstellung zu dem geplanten Ablauf des Abends hatte als erstes Dr. Wolfgang Dieing das Wort. In diesem ersten Teil ging es vor allem darum, den Notarzteinsatz zu erläutern. Der Einsatz des Notarztes ist eine Aktion der sogenannten „Blaulichtfraktion.“ Bei einem Notruf auf der Rufnummer 112 und der Mitteilung worum es bei diesem Notruf geht, setzen sich Sanka und Notarzt in Bewegung, um bei Unfällen und anderen lebensbedrohenden Situationen schnell vor Ort zu sein und bei Bedarf lebensrettende Maßnahmen einzuleiten, eine erste Diagnose vorzunehmen und das jeweils anzufahrende Krankenhaus festzulegen. Das ist dann der „Blaulichteinsatz“, und Dr. Dieing ist stolz darauf, dass er zusammen mit den jeweils eingeteilten Kollegen die Planung für die Region in der festgelegten Zeit immer einhalten konnte.
Clément koordiniert
Die Notfallmedizin in der Region ist Sache der niedergelassenen Ärzte. Hier hat zurzeit der Allgemeinmediziner Peter Clément die Koordination der Dienstzeiten übernommen. Wenn Bürgerinnen und Bürger bei einer Erkrankung an den Wochenenden und in den Nachtstunden ihren Hausarzt nicht erreichen können, können sie die Telefonnummer 0180/19 29 285 wählen. Dort erfahren sie, welcher Arzt erreichbar ist. Bisher war es so, dass in solchen Fällen entweder ein Hausbesuch verabredet oder die Praxiszeiten mitgeteilt wurden. Somit konnte den Patienten relativ schnell geholfen werden, da die Ärzte im überschaubaren Umfeld von Isny und Argenbühl tätig sind. Allerdings soll wie berichtet genau das geändert werden. Die Notdienstbezirke sollen vergrößert werden und nicht wenige befürchten deshalb künftig eine schlechtere Versorgung.Dr. Fechner versuchte die Pläne der KV, die Notdienstbezirke von über 300 auf 70 zu reduzieren, zu erklären. Die KV Baden-Württemberg sei eine Interessenvertretung der rund 20 000 Ärzte und habe vor allem die Aufgabe, die medizinische Versorgung der Patienten sicher zu stellen und auch die Abrechnungen der Notfallmedizin in deren Interesse zu regeln. „Mag das augenblickliche Modell der Notfallmedizin auch noch weitgehend funktionieren, so muss man trotzdem an die Zukunft denken. Immer mehr Mediziner meiden den ländlichen Raum weil die beruflichen Belastungen dort recht hoch sind.“ Ärzte, die in den Ruhestand gehen, finden immer seltener einen Nachfolger für ihre Praxis, sagte er. Dieser zu erwartende Ärzteschwund sei der Hauptgrund für die Umstrukturierung der Notdienstbezirke. Er wies jedoch auch darauf hin, dass in Isny die Situation noch zufriedenstellend ist, weil 33 Ärzte in dem Dienst zusammen gefasst sind. So könne man davon ausgehen, dass hier noch das alte Modell seine Gültigkeit haben kann.Dr. Lenz, Vertreter der Hausärzte, musste einräumen, dass die Mehrheit der Patienten mit dem Pkw in die Notfallpraxen komme – auch aus dem bayerischen Umland, das nie mit hinzugerechnet wird. Bürgermeis- ter Magenreuter stellte noch einmal klar, dass in Isny eigentlich alles funktioniert, was die Isnyer selber entscheiden können. Neben dem Notfalldienst sind bisher auch viele Patienten gleich ins Krankenhaus gefahren, um dort behandelt zu werden. Das ging natürlich nur mit einem Arzt vor Ort und den dortigen Möglichkeiten.Elke Remmel als Vertreterin des Stadtseniorenrats und der mehr als 3300 Bürgerinnen und Bürger über 60 Jahren in Isny wies darauf hin, dass am Anfang der Berufswahl eigentlich schon klar sein sollte, wie man den Dienst am Mitmenschen zu verstehen hat. „Das, was wir bei der Feuerwehr und der Polizei voraussetzen, sollte auch für die Ärzte selbstverständlich sein.“ Dr. Dieing machte darauf aufmerksam, dass zum Beispiel die Waldburg-Zeil-Kliniken noch nicht mit im Notfallkonzept aufgenommen sind. Dort gibt es medizinische Möglichkeiten, die noch gar nicht ausgelotet sind. „Wir sind eine Reha-Region, eine Urlaubsregion und außerdem eine Pflegeheim-Region“, betonte er.Gegen Ende der Diskussionsrunde machte Dr. Fechner einen überraschenden Vorschlag. Es war ihm in dieser Runde und auch bei seinem Gespräch mit den Isnyer Ärzten nicht entgangen, wie sehr alle dafür plädieren dass alte Modell als Insellösung in Isny und Umgebung zu belassen. „Sie wollen die Insellösung und Sie bekommen die Insellösung. Aber bei der ersten Praxis, die wegen der Dienstbelastung nicht mehr besetzt werden kann, ordne ich zum Wohl der Patienten die Änderung der Struktur an.“ Dieser Vorschlag muss jetzt zwar noch vom Planungsausschuss abgesegnet werden, aber erst einmal geht der Betrieb in gewohnter Weise weiter.
Größere Praxis muss her
Jährlich 2000 Euro zahlt jeder niedergelassene Arzt trotzdem für den Strukturwandel und die Einrichtung einer größeren zentralen Notfallpraxis. Dazu kommt die Verpflichtung zum Dienstplan und die Bereitstellung einer Sprechstundenhilfe während des Tages, die mit dem Arzt bezahlten Bereitschaftsdienst hat. Manfred Schubert

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