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Disput über die künftige Gestaltung für den Radverkehr in der Kemptener Salzstraße

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Von: Helmut Hitscherich

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Salzstraße Kempten, 2022, Radwege, Überlegungen, Planungen
Die roten Markierungen sind die Querungen der Radstreifen. © lanungsbüro Bauen und Umwelt

Kempten - Um den Radfahrern mehr Sicherheit in der Salzstraße zu bieten, soll ein Radangebotsstreifen angelegt werden. Auch in puncto Tempo 30 in einem Bereich läuft eine Untersuchung.

Die Salzstraße ist mit täglich rund 15.000 bis 17.000 Fahrzeugen eine Hauptverkehrsachse für den motorisierten Individualverkehr. In den Morgen- und Abendstunden weist der Verkehr Spitzen auf. Es handelt sich dabei um Durchgangs-, Ziel- und Quellverkehr. Zielverkehr ist der im betreffenden Gebiet endende Verkehr, unter Quellverkehr ist der von diesem Gebiet ausgehende Verkehr zu verstehen. Für den Radverkehr aber auch Fußgänger – insbesondere Schüler – ist es derzeit dort nicht gefahrlos.

Gemäß dem Radwegeplan ist die Salzstraße ein zentrales Teilstück einer Nord-Süd-Radverbindung. Bereits seit 2019 wird untersucht, wie der Straßenraum zwischen Madlener Straße und Immenstädter Straße umgestaltet werden kann. Im Süden grenzt die Salzstraße an den Knotenpunkt Mozart-/Lindauer Straße/Beethovenstraße. Im Norden an den Knotenpunkt Wartenseestraße/Stiftsplatz. Sie hat eine Länge von ca. 500 Metern.

Verschiedene Straßenbreiten in der Salzstraße

Die Breite des Straßenraums ist sehr unterschiedlich. Am Knotenpunkt Mozartstraße hat sie eine Breite von 15 Metern und fünf Fahrspuren, an der Eberhardstraße neun Meter und zwei Fahrspuren und an der Poststraße ­lediglich sechs Meter. Zum Stifts­platz öffnet sie sich wieder auf neun Meter. Dementsprechend reduzieren sich die Fahrspuren von fünf Fahrspuren im Süden auf zwei Fahrspuren an der Poststraße.

Zur Verbesserung der Bedingungen für den Radverkehr sollen in der Mozart- und Salzstraße in jede Fahrt­richtung zwischen Immenstädter Straße und Eberhardstraße ein Rad­angebots­streifen mit 1,85 Metern, bzw. ein Radschutzstreifen mit 1,50 Metern angelegt werden. Der verbleibende Straßenraum genügt, um in jede Fahrtrichtung einen Fahrstreifen für den motorisierten Individualverkehr (MIV) und weiterhin Aufstellflächen für die Linksabbieger zu bieten. Indirekt wirken die Angebotsstreifen als Sicherheitszone zwischen MIV und Fußverkehr.

Das Teilstück ab Eberhardstraße bis zum Knotenpunkt Wartenseestraße/Stiftsplatz soll gesondert untersucht werden. Laut Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann wird für diesen Bereich eine Begrenzung auf Tempo 30 untersucht. „Wir wollen zur Bewertung der Leistungsfähigkeit die Verkehrsströme analysieren und in einer Simulation für den genannten Streckenabschnitt nachweisen“, so Wiedemann.

Dazu werden auch die Ergebnisse der Grünen Welle im Zuge der Beethoven­straße berücksichtigt. Einzelbetrachtungen der Knotenpunkte ohne Betrachtung der Grünen Welle haben bereits leistungsfähige Verkehrsabwicklungen ergeben. Die Simulation soll im nächsten Schritt den Bereich zwischen Mozart- und Eber­hardstraße umfassen. Die derzeitige Planung sieht keine größeren baulichen Maßnahmen vor. Die Rad­angebots­streifen werden im bestehenden Stra­ßen­raum markiert.

Skepsis und Zustimmung bei den Stadträten

Thomas Hartmann (Grüne) will vor allem den Durch­gangs­verkehr unterbinden. Josef Mayr (CSU) sieht nur wenige leistungsfähige Straßen in Nord-Süd-Richtung und dazu gehöre die Salzstraße: „Verkehrs­­abwicklung in der Stadt ist eine solidarische Aufgabe. Eine Verkehrsverlagerung in andere Bereiche darf es nicht geben. Wir müssen ausgesprochen zurückhaltend sein. Ich möchte an einer leistungsstarken Salzstraße festhalten. Das Thema Radwege muss in diesem Bereich vernünftiger gelöst werden.“

Für Julius Bernhardt (FFK) ist es wichtig, Radwege zu bauen, damit mehr Menschen mit dem Rad fahren. Es sei unverständlich, dass nach wie vor nur an Autos gedacht werde. „Radfahrer müssen die Salzstraße nutzen können. Wir nehmen den Menschen in der Salzstraße die Last des Autos ab.“

„Weniger Autos“ unterstreicht auch Alexander Buck (FW). Er sieht jedoch keinen wie auch immer gearteten Radweg in der Salzstraße. Sinnvoller sei, Radfahrer in die Beet­hovenstraße zu leiten und von dort über die Straße Am Stadtpark an der Markthalle vorbei durch den Stadtpark zum Hildegardplatz.

„Ich tue mir schwer mit der Salzstraße. Radfahren im Stadtpark ist doch schön“, findet Helmut Berchtold (CSU).

„Zuerst das Auto, man soll auch an die Schwächeren denken“, meinte Gertrud Epple (Grüne), fassungslos darüber, dass nach wie vor nur an Autofahrer gedacht werde. Sie wies auch auf die Problematik der Fußgängerströme am Knotenpunkt Eberhardstraße/Am Stadtpark hin.

Ihr Parteikollege Thomas Hartmann forderte zum x-ten Male, endlich dafür zu sorgen, dass dem Radverkehr mehr Raum eingeräumt werde und das Ziel, weniger Autos in der Stadt ernsthaft angepackt wird.

Einstimmig folgte der Verkehrsausschuss der Empfehlung der Verwaltung, die vorhandene Planung weiterzuentwickeln und die Abwicklung des Fußverkehrs am Knotenpunkt „Am Stadtpark“ mit einer Vollsignalisierung zu regeln sowie auf Grundlage der aktualisierten Planung eine Verkehrssimulation zu erstellen. Dem Ausschuss wird in seiner Oktobersitzung ein Beschlussvorschlag zur Umsetzung vorgelegt.

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